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Impfkampagne Trotz erstem Rückschlag: Joe Biden feiert seinen Kampf gegen die Corona-Pandemie

Joe Biden am 4. Juli
Gute Laune am 4. Juli. Joe Biden macht ein Selfie mit einer Teilnehmern der Feier des Unabhängigkeitstag im Weißen Haus
© Patrick Semansky/AP / DPA
Eigentlich sollten in den USA 70 Prozent der Erwachsenen ihre erste Impfung bekommen haben. Doch das Ziel von Joe Biden wurde verfehlt. Deshalb appelliert der US-Präsident an den Patriotismus seiner Landsleute.

Die Impfkampagne in den USA hatte unbürokratisch und schnell begonnen, entsprechend flott konnten der letzte und der aktuelle Regierungschef Erfolge vermelden. Ex-US-Präsident Donald Trump ging früh und aggressiv auf Shoppingtour und sicherte dem Land so große Mengen an Impfstoffen – davon wiederum profitierte sein Nachfolger Joe Biden. Doch nun gerät die schnurrende Vakzin-Maschiniere ist stottern. Sein Ziel, bis zum Nationalfeiertag am 4. Juli 70 Prozent aller Erwachsenen mindestens einmal geimpft zu haben, hat der US-Präsident verfehlt.

Es ist Bidens erste Schlappe beim Kampf gegen die Corona-Pandemie. Zuvor hatte er seine eigenen Ankündigungen gleich zweimal unterboten: Im Wahlkampf versprach er zunächst, in seinen ersten 100 Tagen im Amt 100 Millionen Vakzindosen spritzen zu lassen, es dauerte 60 Tage. Also legte Biden die Latte höher und kündigte die Verimpfung von 200 Millionen Dosen in 100 Tagen an – es dauerte nur 90 Tage. Doch nun sei ein Plateau erreicht, ab dem es kaum mehr Fortschritte gebe, sagte der Corona-Koordinator der Regierung, Jeff Zients auf CNN.

Fast 60 Prozent zweimal geimpft

Trotz zahlreicher Anreize und einem großen Vorrat an Impfstoffen sind bislang 67 Prozent, oder 173 Millionen Menschen, mindestens einmal geimpft worden, heißt es bei der Gesundheitsbehörde CDC, gut 58 Prozent aller Erwachsenen seien vollständig geschützt. Im Schnitt kommen pro Tag in etwa eine Million Dosen unters Volk - deutlich weniger als die mehr als drei Millionen Menschen am Höhepunkt der Impfkampagne im Frühjahr.

Die Feier des Unabhängigkeitstags nutzte Joe Biden, um die Erfolge im Kampf gegen die Corona-Pandemie hervorgehoben. "Wir haben die Oberhand gewonnen", sagte er bei einem Empfang im Garten des Weißen Hauses, das Land könne mit Zuversicht in die Zukunft blicken, auch wenn das Coronavirus noch nicht besiegt sei. "Im vergangenen Jahr haben wir einige unserer dunkelsten Tage durchlebt. Nun stehen wir vor einer strahlenden Zukunft", so Biden, der meinte: Sich impfen zu lassen sei das "Patriotischste", was die Bürger jetzt tun könnten. "Also bitte: Falls Sie noch nicht geimpft sind, tun Sie es. Tun Sie es jetzt - für sich selbst, für Ihre Lieben, für Ihre Gemeinde, für Ihr Land."

Biden und seine Frau empfingen anlässlich des Unabhängigkeitstags rund tausend Gäste vor dem Weißen Haus, darunter Pflegekräfte, Soldaten und andere Beschäftigte aus wichtigen Berufen. Der Präsident erinnerte dabei auch an die mehr als 600.000 Corona-Toten in den USA.

Bidens Grillfest war das größte Event im Weißen Haus seit dem Beginn seiner Amtszeit im Januar, als im Land erst wenige Millionen Menschen geimpft waren. Manche Gesundheitsexperten betrachten die Rückkehr der Regierung zu Großereignissen jedoch mit Sorge. Sie fürchten, derartige Feiern könnten angesichts der sich schnell ausbreitenden Delta-Variante des Coronavirus den falschen Eindruck erwecken, dass die Pandemie vorbei sei und wieder beliebig gefeiert werden könne.

Vor allem in eher ländlichen Bundesstaaten, in denen die Impfquote teils deutlich unter dem landesweiten Durchschnitt liegt, war die Zahl der Neuinfektionen zuletzt wieder angestiegen. Viele Bundesstaaten bieten daher Anreize wie die Verlosung hoher Geldpreise an, um zögerliche Menschen dazu zu bewegen, sich impfen zu lassen. Umfragen legen jedoch nahe, dass die Impfkampagne nun immer zäher voranschreiten dürfte, weil rund 20 Prozent der Landesbewohner die Impfungen ablehnen. Vor allem unter Republikanern ist eine ablehnende Haltung verbreitet.

Deutschland hat USA bei Impfungen eingeholt

Vertreter der Gesundheitsbehörden weisen deshalb darauf hin, dass sich in einigen Gebieten die Krankenhäuser wieder füllen, vor allem in den Bundesstaaten Utah, Missouri, Arkansas und Wyoming. Der US-Virologe Anthony Fauci sagte dem Sender NBC, Ungeimpfte machten inzwischen 99,2 Prozent der Corona-Toten aus. In den USA werden vor allem die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna eingesetzt. Die Regierung hat zudem damit begonnen, Millionen Dosen an andere Länder abzugeben.

Obwohl die amerikanische Impfkampagne relativ schnell gestartet ist, hat Deutschland die USA bei den Erstimpfungen inzwischen eingeholt, bei den Zweitimpfungen allerdings sind die Vereinigten Staaten deutlich vorne. Weltweit sind mehr als drei Milliarden Spritzen mit Vakzinen gegen das Coronavirus verabreicht worden. Mit etwa 40 Prozent (1,2 Milliarden Dosen) führt China in der Länderliste, mit weitem Abstand folgen Indien (329 Millionen), die EU (357 Millionen) und die USA (324 Millionen). Insgesamt wird die weltweite Impfkampagne noch von starker Ungleichheit bestimmt. Länder mit geringem Durchschnittseinkommen verabreichen teilweise nur eine einzige Dosis auf 100 Einwohner. Fünf Länder haben noch gar kein Impfprogramm: Tansania, Burundi, Eritrea, Haiti und Nordkorea.

Quellen:NPR.org, NBC News

nik DPA AFP

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