VG-Wort Pixel

US-Wahl 2020 "Ich fühle mich gut": Trump richtet sich an Anhänger vor Weißem Haus – und kündigt schnelle Entwicklung von Corona-Impfstoff an

US-Präsident Donald Trump spricht zu Anhängern vor dem Weißen Haus
US-Präsident Donald Trump spricht zu Anhängern vor dem Weißen Haus
© MANDEL NGAN / AFP
Zum ersten Mal seit seiner Corona-Erkrankung sprach Donald Trump öffentlich zu seinen Anhängern. Von einem Balkon des Weißen Hauses wetterte er gegen Joe Biden, das "China-Virus" – und kündigte sehr bald einen Impfstoff an.

US-Präsident Donald Trump ist am Samstag zum ersten Mal seit seiner Rückkehr aus dem Krankenhaus öffentlich aufgetreten. "Ich fühle mich gut", sagte Trump vor mehreren hundert Anhängern, die sich unter einem Balkon des Weißen Hauses versammelt hatten. Der Präsident, der wegen einer Infektion mit dem Coronavirus drei Tage im Krankenhaus behandelt worden war, trug bei seinem Auftritt keine Atemschutzmaske.

"Ich will, dass Ihr wisst, dass unsere Nation dieses furchtbare China-Virus besiegen wird", sagte Trump vor den jubelnden Anhängern. Die meisten von ihnen trugen Masken, hielten sich bei der Veranstaltung unter freiem Himmel jedoch nicht an die Abstandsregeln. Trump kündigte dabei eine schnelle Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus an. 

"Geht raus und wählt – und ich liebe euch"

"Es wird verschwinden, es verschwindet", sagte Trump über das Virus, durch das in den Vereinigten Staaten bereits mehr als 210.000 Menschen starben – und seine Chancen auf eine Wiederwahl geschmälert hat.

"Geht raus und wählt – und ich liebe euch", sagte Trump seinen Anhängern, von denen viele knallrote Schirmmützen mit der Aufschrift "MAGA" (Make America great again, macht Amerika wieder groß) trugen. Trumps 18-minütige Rede drehte sich vor allem um die Themen Recht und Ordnung. Er warnte außerdem vor seinem Herausforderer Joe Biden. Bidens Programm sei "sozialistisch" oder gar "kommunistisch" und würde das Land in die Krise stürzen, behauptete Trump.

Die Corona-Diagnose hatte Trumps Wahlkampf nur wenige Wochen vor der Präsidentschaftswahl am 3. November jäh unterbrochen. Er war nach offiziellen Angaben am 1. Oktober positiv getestet worden. Während der Amtsinhaber sich auskurieren musste, absolvierte sein demokratischer Herausforderer Biden mehrere Wahlkampfveranstaltungen in wichtigen Bundesstaaten. Der ehemalige Vize-Präsident liegt in landesweiten Umfragen zehn Prozentpunkte vor dem Amtsinhaber. Auch in den wahlentscheidenden Bundesstaaten konnte Biden seinen Vorsprung ausbauen. 

Trump steigt wieder in den Wahlkampf ein

Bei Trump selbst wächst die Ungeduld, nach seiner Covid-19-Erkrankung aus dem Weißen Haus herauszukommen und sich wieder direkt an die Menschen zu wenden. "Der Präsident will vor Ort sein", sagte Hogan Gidley, Sprecher seines Wahlkampfteams, dem Sender Fox News. Trump wolle sich "direkt an die Amerikaner wenden, ohne den Filter durch die Medien".

Ein für diesen Samstag geplanter Wahlkampfauftritt in Florida findet nun am Montag statt. Zudem kündigte Trumps Wahlkampfteam zwei weitere Wahlkampfveranstaltungen in der kommenden Woche an. So will Trump am Dienstag in Johnstown im Schlüsselstaat Pennsylvania und am Mittwoch in Des Moines im Bundesstaat Iowa auftreten. Derweil ist weiter unklar, ob Trump nach seiner Covid-19-Erkrankung noch ansteckend ist.

Trump hatte in einem am Freitagabend (Ortszeit) ausgestrahlten TV-Interview gesagt, er sei getestet worden, habe die Werte aber noch nicht bekommen. Er sei aber virusfrei oder "am unteren Ende der Skala", behauptete Trump. Er bekomme auch keine Medikamente mehr, "vermutlich seit acht Stunden oder so ähnlich", sagte Trump. Trumps Leibarzt Sean Conley hatte am Donnerstag mitgeteilt, der Präsident werde ab Samstag wieder öffentliche Termine absolvieren dürfen. 

Zweite TV-Debatte abgesagt

Die für kommende Woche geplante zweite TV-Debatte von Trump und Biden wurde nun offiziell abgesagt. Die Kontrahenten sollen aber wie geplant am 22. Oktober aufeinandertreffen, wie die Veranstalter am Freitag mitteilten. Beide Seiten hätten für diesen Termin zugesagt. "Es wird keine Debatte am 15. Oktober geben", erklärte die zuständige unabhängige Kommission. Nun solle alle Kraft auf die Organisation des am 22. Oktober in Nashville geplanten letzten TV-Duells gerichtet werden.

Die Planungen für die Debatte am 15. Oktober gerieten durcheinander, als Trump an Covid-19 erkrankte. Die Kommission gab am Donnerstag bekannt, dass sie die Debatte online abhalten wolle, statt die Kandidaten in einem Raum zusammenzubringen. Trump sagte seine Teilnahme ab, Biden setzte eine Fragestunde mit Wählern an. Trumps Wahlkampfberater Jason Miller sagte am Freitag, Trump werde sich an dem Tag auch Fragen der Wähler stellen – und zwar gleich in mehreren TV-Sendern. Die Kommission, die die Debatten veranstaltet, verwies nun darauf, dass die Kandidaten andere Pläne hätten. Die erste Präsidentschaftsdebatte Ende September war höchst chaotisch verlaufen, weil Trump seinen Kontrahenten immer wieder laut unterbrach. Umfragen und Experten erklärten Biden zum Sieger des Duells. 

Biden greift Trump an – Sorge bei den Republikanern

Am Freitag griff Biden den Präsidenten erneut wegen seines "rücksichtslosen Verhaltens" an. "Er hat nicht die nötigen Vorsichtsmaßnahmen ergriffen, um sich und andere zu schützen", sagte der Herausforderer in Las Vegas. "Wie können wir ihm dann anvertrauen, unser Land zu schützen?"

Im Lager von Trumps Republikanern wächst derweil die Sorge um die Entwicklung des Wahlkampfs. "Wenn die Menschen am Wahltag wütend sind, könnten wir das Weiße Haus verlieren und die beiden Kongresskammern", sagte der republikanische Senator Ted Cruz. "Das könnte ein Blutbad werden."

rw DPA AFP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker