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Türkei-Unruhen auf Youtube: Wie Augenzeugen die Proteste erleben

Der türkische Ministerpräsident Erdogan geht brutal gegen Demonstranten vor. Dank zahlreicher Handyvideos im Internet wird die Welt Zeuge dieser Gewalt - hier eine Auswahl.

Von Birgit Haas

Die Nerven liegen blank. Nach tagelangen kriegsähnlichen Gefechten auf den Straßen Istanbuls sind die Kämpfer auf beiden Seiten verzweifelt und frustriert. Am Abend entspannt sich die Lage ein wenig, auch wenn die Wut der Demonstranten auf die autoritäre Regierung des Ministerpräsidenten Tayyip Recep Erdogan weiter groß ist.

Nach den jüngsten Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten blieb es am Montag Abend am Taksim-Platz ruhig. Bei Einbruch der Dunkelheit demonstrierten nur noch einige Dutzend vorwiegend junge Menschen an der Grenze von der Einkaufsstraße Istiklal zum Platz im Zentrum der türkischen Metropole. Sie skandierten Parolen, sangen und tanzten, wie Augenzeugen berichteten. Polizisten hatten Gasmasken und Helme abgesetzt und bildeten keine Blockadereihen mehr. Der Taksim-Platz selber war für Fußgänger und den Verkehr offen. Insgesamt war es am Montag ruhiger als am Sonntag.

Unterdessen kursieren im Internet neben Videos von der Vertreibung der Demonstranten mit Tränengas und Wasserwerfen aus dem Gezi-Park auch Videos von Beobachtungen einzelner Menschen und Situationen.

"Lasst unsere Kinder in Ruhe!"

In diesem Video beschimpft ein Mann die schwer gerüstete Polizei. "Verschwindet aus unserer Nachbarschaft! Verschwindet! Wir wollen euch hier nicht! Lasst unsere Kinder in Ruhe! Verschwindet endlich!", schreit er den Einsatzkräften entgegen. Und als die Polizisten ihn bedrängen und schubsen, ruft er: „Verhaftet mich doch!“

Polizist flippt aus

Doch auch ein Polizist hat nach der gewaltsamen Räumung des Gezipark die Nase voll. In Gegenwart einer filmenden Journalistin rastet der Uniformierte völlig aus. "Ist die Polizei jetzt hier der Sündenbock?“ schreit er der Fotografin entgegen und: „Was soll ich machen?“ Aus seinen Worten spricht nicht nur Wut, sondern auch Hilflosigkeit gegenüber den Befehlen von oben.

Massendemonstration in Ankara

Auf dem Taksim-Platz ging es Montag Abend ruhig zu. In der Nacht soll es in Istanbul zwar zu Schlägereien zwischen Anhängern der Regierungspartei AKP und den Protestierenden gekommen sein, aber es kam nicht zum Massenaufruhr. Das Zentrum des Widerstands verlegte sich unterdessen nach Ankara. Dort demonstrierten am Sonntag Massen parallel zur Propagandaveranstaltung Erdogans, der seine Fans zu Tausenden in die Hauptstadt bringen ließ.

Wie man eine Tränengaspatrone unschädlich macht

Dass es sich hierbei um Demonstranten handelt, ist nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Nur wer die Masken und Helme entdeckt, mit denen sich die Protestanten vor dem drohenden Polizeieinsatz schützen will, weiß sofort, welches Lager hier auf der Straße ist. In Istanbul haben die Jugendlichen einen weiteren Weg gefunden, um Tränengaspatronen unschädlich zu machen.

Polizeigewalt in Ankara

Auch in Ankara griff die Polizei mit erschreckender Härte gegen die Menschen auf der Straße durch. Hier begleitet ein Anwohner den Polizeieinsatz mit seiner Handykamera von hinten. Die Straßen der Stadt sind bereits nass vom Einsatz der Wasserwerfer.