TV-Scherz Nierenspende-Show nur inszeniert


Paukenschlag in der umstrittenen niederländischen TV-Organspendeshow: Die Sendung hat sich bei der Ausstrahlung am Freitagabend als Inszenierung mit einer Schauspielerin entpuppt. Hierdurch sollte auf die mangelnde Zahl der Organspender hingewiesen werden.

Eine im Vorfeld heftig kritisierte Organspender-Show im niederländischen Fernsehen hat sich als Inszenierung entpuppt. Die Programmmacher klärten die Zuschauer erst kurz vor Ende der Sendung am Freitagabend darüber auf, dass die präsentierte Hirntumor-Patientin eine vollkommen gesunde Schauspielerin ist. In der Sendung sollte die als Lisa bezeichnete 37-Jährige aus drei potenziellen Organempfängern denjenigen auswählen, dem sie ihre Niere spenden wollte. Allerdings war die Lebenssituation der Kandidaten nicht gestellt: Alle drei sind Nierenpatienten. Der Sender BNN wollte nach eigenen Angaben mit der Show auf die prekäre Lage von Menschen hinweisen, die auf Spenderorgane angewiesen sind.

Ein "fantastisches Kunststück"

"Um Geld ging es uns nicht, und es wird auch keine Rolle spielen", beteuerte BNN-Chef Laurans Drillich. Die Reality-Show war bereits Tage vor der Ausstrahlung im In- und Ausland ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, da sie nach Ansicht ihrer Gegner ethische Grenzen in geschmackloser Weise überschritt. Allerdings hatte der Sender die Öffentlichkeit bis zuletzt darüber im Unklaren gelassen, dass alles bewusst inszeniert war, um das Thema Organspende international ins Scheinwerferlicht zu rücken.

Nachdem Ministerpräsident Jan Peter Balkenende vor der Ausstrahlung der Show noch um das Ansehen der Niederlande im Ausland bangte, zollte Bildungsminister Ronald Plasterk dem Sender nach dem gelungenen Mediencoup höchstes Lob: Ihm sei ein "fantastisches Kunststück" gelungen, das in intelligenter Weise die Aufmerksamkeit auf den Engpass bei Organspenden lenke. Allein in der EU warten rund 40.000 Menschen auf eine Organtransplantation. Angesichts der langen Wartezeiten sterben in der Regel 15 bis 30 Prozent der Patienten, bevor für sie Spenderorgane wie Herz, Lunge oder Leber verfügbar sind.

Reuters/DPA DPA Reuters

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