HOME

Ukraine: Juschtschenko sagt gegen Timoschenko aus

Während der Orangenen Revolution führten sie den ukrainischen Widerstand gegen Russland-Befürworter Viktor Janukowitsch an. Nach seinem Sturz zerstritten sie sich heillos. Nun hat der frühere Staatschef Viktor Juschtschenko im Amtsmissbrauchverfahren gegen die Ex-Präsidentin Julia Timoschenko ausgesagt.

Im Prozess gegen die frühere ukrainische Regierungschefin Julia Timoschenko hat am Mittwoch Ex-Präsident Viktor Juschtschenko als Zeuge ausgesagt. Er warf seiner einstigen Verbündeten und späteren Rivalin vor, beim Abschluss umstrittener Gasabkommen mit Russland im Interesse Moskaus gehandelt zu haben. Timoschenko habe nicht aus "nationalem Interesse", sondern aus "politischen Gründen" gehandelt, sagte Juschtschenko vor Gericht. Seinen Angaben zufolge hatte Russland bei den Verhandlungen zunächst einen für Kiew akzeptablen Gaspreis angeboten. Timoschenko habe das Angebot aber ausgeschlagen. Daraufhin habe Russland die Verhandlungen abgebrochen und später einen deutlich höheren Preis durchsetzen können.

Timoschenko steht wegen Amtsmissbrauchs vor Gericht und wurde vor anderthalb Wochen zudem in Untersuchungshaft genommen, was das Gericht mit Störungen des Prozesses begründet hatte. In dem Verfahren geht es um Gasabkommen, die während ihrer Regierungszeit 2009 mit Russland geschlossen wurden und laut Anklage für Kiew äußerst ungünstig waren. Die damalige Ministerpräsidentin soll sie ohne Zustimmung des Kabinetts unterzeichnet und damit ihre Befugnisse überschritten haben. Timoschenko weist die Vorwürfe als politisch motiviert zurück.

Juschtschenko wurde im Gericht von Anhängern Timoschenkos als "Verräter" beschimpft und ausgebuht. Die Ex-Regierungschefin machte während seiner Zeugenaussage mit versteinerter Mine Notizen und wollte ihm anschließend keine Fragen stellen. "Möge Gott über ihn richten", sagte Timoschenko.

Timoschenko und Juschtschenko waren die Anführer der pro-westlichen Orangenen Revolution, die 2004 den damaligen russlandfreundlichen Staatschef Viktor Janukowitsch entmachtet hatte. Später hatten sie sich aber heillos zerstritten. Bei der Präsidentschaftswahl im Februar 2010 verlor Timoschenko gegen Janukowitsch. Bei einer Verurteilung wegen Amtsmissbrauchs drohen ihr mehrere Jahre Haft. Außerdem könnte sie von der Parlamentswahl im kommenden Jahr und von der Präsidentschaftswahl im Jahr 2015 ausgeschlossen werden.

liri/AFP / AFP