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Rede im Bundestag Selenskyj appelliert an Scholz: "Stoppen Sie diesen Krieg!"

Ukraine Selenskyj Bundestag
Ukraines Präsident Selenskyj wird per Videoschalte aus Kiew in den Deutschen Bundestag geschaltet
© Imago Images
Per Videoschalte hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj im Bundestag gesprochen. In seiner Rede hat er klare Forderungen an Deutschland formuliert.

In der vergangenen Woche hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bereits vor dem britischen Parlament gesprochen, am Mittwoch vor dem US-Senat und -Kongress. Nun wird er also per Videocall in den Deutschen Bundestag geschaltet. Das Bundeskabinett ist versammelt. Auf den Zuschauerrängen haben der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, und der frühere Bundespräsident Christian Wulff Platz genommen.

Die Übertragung hat sich um ein paar Minuten verzögert, da laut Katrin Göring-Eckardt ein Anschlag in der Nähe des Sitzes Selenskyjs stattgefunden habe. Wie bereits in London und in Washington D.C. wird geklatscht, als das Gesicht des Präsidenten auf dem Bildschirm erscheint. "Die Ukrainer sind geeinter als zuvor", erklärt die Vize-Bundestagspräsidentin in ihrer Ansprache. "Deutschland steht an Ihrer Seite."

Ukraine-Präsident Selenskyj im Bundestag

"Russland bombardiert unsere Städte und zerstört alles, was in der Ukraine da ist. Das sind Wohnhäuser, Krankenhäuser, Schulen, Kirchen, alles. Mit Raketen, mit Luftbomben, mit Artillerie. In drei Wochen sind sehr viele Ukrainer gestorben, Tausende. Die Besatzer haben schon 108 Kinder getötet", berichtet Selenskyj in seiner Rede. "Alles ist für sie eine Zielscheibe", betont der Präsident, als er über die russischen Truppen spricht. Es würden zivile wie militärische Ziele angegriffen. In Mariupol seien die Menschen eingekesselt.

"Die Sanktionen waren nicht ausreichend, um den Krieg zu stoppen." Eindringlich hinterfragt der Präsident noch einmal, warum Nord Stream 2 nicht früher gekappt wurde, warum die Ukraine nicht in die Nato eintreten darf. "Wir haben gesehen, dass es um Wirtschaft geht." Es gebe in Europa wieder eine Mauer. Er beklagt, dass er lange vergeblich um Hilfe gebeten gehabt habe. "Und auch jetzt zögern Sie noch beim Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union." Auch das sei ein "Stein für die neue Mauer". 

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"Warum ist ein Land, von dem wir durch den Ozean getrennt sind, näher?" Selenskyj redet den Abgeordneten ins Gewissen. Er bedankt sich aber auch beim deutschen Volk, den gewissenhaften Journalisten, den Unternehmen, die russische Verbindungen gekappt haben. "Ich bin jenen dankbar, die über Mauern schauen können. Es geht um Menschen. Es ist schwierig, ohne Ihre Hilfe die Ukraine zu verteidigen." Er fordert Bundeskanzler Scholz auf, Deutschland die Führungsrolle zu geben, die es verdiene. "Stoppen Sie diesen Krieg!"

Seine eindrückliche Rede wird mit stehenden Ovationen der Parlamentarier gewürdigt.

Mit Material der dpa

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