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Lyrische Wutrede "Ohne dich": Ukraines Präsident Selenskyj rechnet in einem Gedicht mit Russland ab

Wolodymyr Selelnskyj wendet sich mit Gedicht an Russland
Wolodymyr Selenskyj
© - / Ukrinform / DPA
In mehreren Regionen im Osten der Ukraine kam es am Sonntag zu Stromausfällen. Der ukrainische Präsident nutzte die Gelegenheit, Russland dafür zu kritisieren – auf kreative Art.

Vor seiner Zeit als ukrainischer Präsident war Wolodymyr Selenskyj Schauspieler und Comedian – kurz: Künstler. Dieses Talent hat Selenskyj nun genutzt, um eine Botschaft an Moskau zu senden. "Glaubst du immer noch, dass wir 'ein Volk' sind?", fragt der ukrainische Präsident in einem auf Facebook und Telegram verbreiteten Gedicht. "Glaubst du immer noch, dass du uns Angst machen, uns brechen, uns dazu bringen kannst, Zugeständnisse zu machen?", heißt es weiter.

Russland habe nichts verstanden, wettert Selenskyj. Wenn sich die Ukraine zwischen Russland auf der einen und Gas, Wasser, Licht oder Nahrung auf der anderen Seite entscheiden müsste, fiele die Antwort eindeutig aus: Lieber Entbehrungen hinnehmen, dafür "Ohne dich", ohne Russland, sein. "Kälte, Hunger, Dunkelheit und Durst sind für uns nicht so beängstigend und tödlich wie eure 'Freundschaft und Brüderlichkeit“', schreibt Selenskyj.

In dem Gedicht spielt der ukrainische Präsident auf die Stromausfälle in den Regionen Charkiw, Donezk, Saporischschja, Dnipropetrowsk und Sumy an. Kiew machte russische Angriffe auf Infrastruktur für die Blackouts verantwortlich. Selenskyj bezeichnete die Russen als "Terroristen", die es nicht auf militärische Ziele abgesehen hätten, sondern die Menschen in der Ukraine ohne Strom und Heizung zurücklassen wollten.

Mit Gas, Licht, Wasser und Essen – aber ohne Russland

Die Angriffe auf die Infrastruktur gelten als mutmaßliche Reaktion auf erfolgreiche Gegenoffensive der ukrainischen Truppen. Zuvor hatte die Ukraine die Rückeroberung von mindestens 30 Ortschaften in der östlichen Region Charkiw gemeldet. Demnach gelang es den ukrainischen Streitkräften auch, die für den Nachschub der russischen Truppen wichtige und schon zu Beginn des russischen Angriffskriegs besetzte ostukrainische Stadt Kupjansk zurückzuerobern. 

Ukrainische Beamte lobten das "erstaunliche" Tempo der Gegenoffensive. Ein ukrainischer Armeechef sprach am Sonntag von 3000 Quadratkilometern Fläche, die die Ukraine von den russischen Truppen zurückerobert habe. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor in seiner täglichen Videobotschaft von 2000 Quadratkilometern Gebiet gesprochen, die zurückerobert seien. "In den vergangenen Tagen hat uns die russische Armee ihre beste Seite gezeigt – ihre Rückseite", sagte Selenskyj.

Das stimmt ihn optimistisch – zumindest legen das die letzten Zeilen des Gedichts nahe. "(...) wir werden mit Gas, Licht, Wasser und Nahrung sein ... und OHNE dich!", heißt es darin.

Der ukrainische Präsident gilt als Medienprofi. In seinen allabendlichen Videobotschaften versucht Selenskyj die Bürger zu motivieren und nutzt den Kanal, um den Westen um Hilfe zu bitten. Mit digitalen Ansprachen und Social-Media-Aktionen wendet er sich auch immer wieder an russische Soldaten oder deren Familien. Sein Appell: Diesen Krieg nicht länger auf Wunsch Putins fortzuführen.

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