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Lage am Sonntag Angeblich verminter Staudamm soll beschädigt sein – Kiew stellt sich auf Blackout ein

Staudamm Nowa Kachowka im Süden der Ukraine
Der Staudamm Nowa Kachowka im Süden der Ukraine dient auch der Stromversorgung (Archivbild)
© Ria Novosti / Sputnik News Agency / Imago Images
Der angeblich verminte Staudamm am Dnjepr soll beschädigt sein, während Bürgermeister Vitali Klitschko einen Blackout in Kiew befürchtet. Die Lage im Krieg gegen die Ukraine am Sonntag im Überblick.

Es ist Tag 256 des russischen Angriffskriegs auf das Nachbarland Ukraine und Entspannung ist weiter nicht in Sicht – im Gegenteil. Aus dem Süden des Landes kommen an diesem Sonntag beunruhigende Nachrichten, und auch in der Hauptstadt Kiew wachsen die Sorgen. Die Lage im Überblick:

Lage am Dnjepr-Staudamm weiter angespannt

Nach russischen Angaben hat die ukrainische Armee den Staudamm Nowa Kachowka mit Raketenwerfern beschossen und mit einem Geschoss getroffen. Es sei nur geringer Schaden entstanden, teilte die russische Verwaltung laut staatlicher Nachrichtenagentur Tass mit. Die Mauer sei noch intakt. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht.

Das gigantische Bauwerk am Fluss Dnjepr ist von herausragender strategischer Bedeutung. Es dient nicht nur der Stromversorgung, sondern ist auch einer von nur zwei Übergängen über den Fluss in der Region Cherson. In den vergangenen Wochen hatte die ukrainische Seite Befürchtungen geäußert, die russische Armee habe den Staudamm vermint, um ihn im Falle eines Rückzugs sprengen zu können. Auch dies lässt sich nicht überprüfen. Eine Sprengung hätte verheerende Auswirkungen, Dutzende Siedlungen entlang des Flusslaufs dürften überflutet werden. Auch das Kühlsystem des Kernkraftwerks Saporischschja flussaufwärts könnte beeinträchtigt werden. Russland hatte bereits mit der Evakuierung von Bewohnenden der Region begonnen.

Klitschko befürchtet Blackout in Kiew

Auch im rund 450 Kilometer entfernten Kiew werden die Sorgen größer. Vitali Klitschko, der Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt, sieht angesichts der anhaltenden russischen Angriffe auf die Energie-Infrastruktur des Landes die Stromversorgung in Gefahr. Laut "New York Times" gibt es sogar Überlegungen, alle rund drei Millionen Einwohnerinnen und Einwohner der Metropole in Sicherheit zu bringen. Der Sciherheits-Verantwortliche der Stadt trat diesem Bericht entgegen: "Das System des Zivilschutzes muss auf verschiedene Szenarien vorbereiter sein; aber das heißt nicht, dass wir eine Evakuierung vorbereiten."

Ein Zusammenbruch der Versorgung sei das schlimmste Szenario und man werde alles dafür tun, dass es nicht dazu komme, sagte Klitschko. "Aber wir wollen offen sein: Unsere Feinde tun alles dafür, damit diese Stadt ohne Heizung, ohne Strom, ohne Wasserversorgung dasteht – allgemein: dass wir alle sterben." Klitschko rief die Bevölkerung auf, Vorräte anzulegen oder vorsorglich die Stadt zu verlassen.

Artilleriebeschuss im Süden der Ukraine

Russische Truppen beschossen nach örtlichen Behördenangaben in der Nacht mehrere Städte im Süden der Ukraine. In Saporischschja sei dabei ein Mensch getötet und ein Gebäude der zivilen Infrastruktur zerstört worden, teilte ein Mitarbeiter des Stadtrates ohne nähere Details mit. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, in Saporischschja sei ein Munitionsdepot der ukrainischen Armee getroffen worden.

In mehreren Orten im Gebiet Dnipropetrowsk schlugen demnach Geschosse aus Rohrartillerie und Mehrfachraketenwerfern ein. In dem Ort Myrowe sei ein neunjähriges Mädchen verletzt worden, schrieb der Vorsitzende des Gebietsparlaments, Mykola Lukaschuk, auf Telegram. Die getroffenen Orte liegen auf dem nördlichen Ufer des Flusses Dnipro. Russische Truppen haben das Südufer besetzt und können von dort etwa aus dem Schutz des Kernkraftwerks Saporischschja heraus schießen. Auch diese Angaben lassen sich nicht verifizieren.

Quellen: "New York Times" (kostenpflichtiger Inhalt), Nachrichtenagenturen DPA und AFP

wue

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