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"Ukraine – die Lage" "Der Krieg ist zu ihnen gekommen": Militärexperte Masala betont psychologische Wirkung der Explosionen auf der Krim

Am Strand von Saky steigt Rauch nach einer Explosion auf
Militärexperte Masala geht davon aus, dass die Zerstörungen auf dem 200 Kilometer von der Front entfernten Luftwaffenstützpunkt tatsächlich von den Ukrainern angerichtet worden sind
© AP / DPA
Der Militärexperte Carlo Masala ordnet die Explosionen auf der Krim, über deren Ursache die Darstellungen weiterhin auseinandergehen, als ein auf mehreren Ebenen bemerkenswertes Ereignis im Ukraine-Krieg ein.

Der Militärexperte Carlo Masala sieht nach den Explosionen auf dem Luftwaffenstützpunkt Saky die auf der Krim urlaubenden Russen zum ersten Mal direkt mit dem Krieg konfrontiert. "Der Krieg ist zu ihnen gekommen", so Masala im stern-Podcast "Ukraine – die Lage", "sie werden dieses Erlebnis nach Russland hineintragen.“ Das sei eine nicht zu unterschätzende psychologische Wirkung. "Das ist der wesentliche Effekt." Denn bisher sei die russische Mittelschicht von den Kämpfen kaum betroffen gewesen, weil die Soldaten überwiegend ethnischen Minderheiten angehörten oder Söldner seien.

"Die russischen Darstellungen ergeben keinen Sinn."

Der Politikprofessor der Bundeswehruniversität München geht davon aus, dass die Zerstörungen auf dem 200 Kilometer von der Front entfernten Luftwaffenstützpunkt tatsächlich von den Ukrainern angerichtet worden sind. "Die russischen Darstellungen, dass es sich um menschliches Fehlverhalten gehandelt hat, ergeben keinen Sinn." 

Unklar sei allerdings, wie genau die Ukrainer den Angriff bewerkstelligt hätten – ob mit Spezialkräften, Raketen oder einer Kombination von beidem. Aber das Land habe noch aus der Sowjetzeit das Knowhow für den Bau von ballistischen Kurzstreckenraketen. Masala hält es für unwahrscheinlich, dass die USA stillschweigend ihre Politik geändert haben und die Ukraine mit Raketen größerer Reichweite beliefern. "Dann würden die Russen das längst zu einem Politikum machen", analysiert der Experte. 

Prof. Dr. Carlo Masala, Professor für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr München
© Imago Images

Dr. Carlo Masala ist Professor für Internationale Politik an der Bundeswehruniversität München. 

Russen müssten Nachschub deutlich stärker schützen

Auch wenn der psychologische Effekt überwiege, hätte der Angriff auch militärische Folgen. Wenn die Ukraine jetzt in der Lage sei, russische Ziele bis zu 200 Kilometer hinter der Front anzugreifen, dann stelle sich für die Russen das Problem, dass sie Nachschub und Infrastruktur viel mehr schützen müssten. "Das ist ein erheblicher Aufwand", so Masala. Angesichts des Erschöpfungsgrades und Materialverlusts der Russen sei das keine einfache Aufgabe. Es sei allerdings zu früh zu sagen: "Das ist die Wende für den Kriegsverlauf." Aber die Geschehnisse würden die Russen zwingen, sich neu aufzustellen. "Ob sie das schaffen, bin ich mir nicht sicher", sagt der Militärexperte.

yks

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