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UN-Botschafter Youssoufou Bamba warnt:: Elfenbeinküste "steht am Rande eines Völkermords"

Angesichts des Machtkampfs in der Elfenbeinküste wächst die Angst vor einem Bürgerkrieg. UN-Botschafter Youssoufou Bamba warnt vor zunehmenden Gewaltauschreitungen.

Der Machtkampf im westafrikanischen Staat Elfenbeinküste droht nach Angaben des UN-Botschafters Youssoufou Bamba sich in ein neues Blutvergießen auszuweiten. "Wir stehen am Rande eines Völkermordes", warnte Bamba bei den Vereinten Nationen in New York am Mittwoch. Die internationale Staatengemeinschaft müsse dies verhindern. Der Diplomat war kürzlich vom international unterstützten Sieger der Präsidentenwahl, Alassane Ouattara, zum UN-Botschafter ernannt worden.

Nach Angaben Bambas seien bei den jüngsten Unruhen nach der Stichwahl von Ende November 172 Menschen ums Leben gekommen. Ein Ende der Gewalt sei nicht abzusehen. Anhänger des eigenmächtig im Amt verbliebenen Präsidenten Laurent Gbagbo drohten mit dem Sturm auf das Hauptquartier des international anerkannten Wahlsiegers Alassane Ouattara.

"Wir stehen kurz vor einem Völkermord, es muss etwas getan werden", sagte Bamba. Zuvor hatte er UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sein Beglaubigungsschreiben übergeben. Bamba ist der erste von Ouattara ernannte Botschafter, der die Arbeit aufgenommen hat.

Ouattara sei "wirklich besorgt" über die Angriffe auf seine Anhänger, sagte Bamba. Es seien Menschen getötet worden, nur "weil sie demonstrieren wollten, sich Gehör verschaffen, den Willen des Volkes verteidigen". Der Botschafter hob hervor, dass der Schutz der Zivilbevölkerung eine Kernaufgabe der UN-Mission in der Elfenbeinküste (UNOCI) sei "und wir erwarten von den Vereinten Nationen, dass sie ihre Mission erfüllen".

Ban sagte Ouattaras Regierung die "volle Kooperation" der UNO zu. Die internationale Gemeinschaft sieht in Ouattara den rechtmäßigen Sieger der Präsidentschaftswahl von Ende November.

Während die Regierungstruppen weiterhin dem abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo die Treue halten, kann sich Ouattara auf die ehemaligen Rebellen des 2003 beendeten Bürgerkriegs stützen. Die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas war am Dienstag mit dem Versuch gescheitert, in der Elfenbeinküste zu vermitteln. Eine Ecowas-Delegation konnte Gbagbo auch durch Androhung einer Militärintervention nicht zum Rücktritt bewegen. Die Staatschefs von Benin, Sierra Leone und den Kapverdischen Inseln wollen Anfang kommender Woche die Gespräche in Abidjan fortsetzen.

Zuletzt hatte auch die Europäische Union ihren Druck auf den abgewählten Präsidenten erhöht. Sie weitete ihre Liste mit Einreiseverboten gegen Gbagbo und sein Regime von bisher 19 auf 61 Personen aus. Deren Vermögen in Europa sollten bald eingefroren werden, berichtete die EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel.

AFP/DPA / DPA