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UN-Klimagipfel: Schwere Krawalle in Kopenhagen

Zusammenstöße am Rande des Klimagipfels: In der Nacht haben Randalierer in Kopenhagen brennende Barrikaden errichtet und Polizisten mit Molotow-Cocktails angegriffen.

Am Rande des UN-Klimagipfels ist es am späten Montagabend in Kopenhagen zu Ausschreitungen gekommen. Die dänische Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Beamte nahmen auf dem Gelände des sogenannten "Freistaates Christiania" knapp 200 Menschen fest. Mehrere Gruppen hatten zuvor außerhalb von Christiana Barrikaden errichtet und Feuer entzündet. Polizisten, die die Flammen löschen wollten, wurden mit Molotow-Cocktails angegriffen. Christiania ist ein seit den 70er Jahren besetzt gehaltenes Kasernengelände in unmittelbarer Nähe des Kopenhagener Stadtzentrums.

Japan will offenbar zehn Milliarden Dollar anbieten

Der Klimagipfel wird heute mit neuen Verhandlungen zwischen Vertretern der Entwicklungsländer und der Industrienationen fortgesetzt. Japan will den Entwicklungsländern nach dem Eklat von Montag offenbar zehn Milliarden Dollar an Hilfen anbieten, um ihnen bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels zu helfen. Ministerpräsident Yukio Hatoyama werde die Summe am Freitag bei der Konferenz ankündigen, berichtete die japanische Tageszeitung "Shimbun". Das Geld solle über drei Jahre hinweg bis 2012 zur Verfügung gestellt werden. Bislang hat Japan über drei Jahre hinweg 9,2 Milliarden Dollar angeboten.

Die armen Länder fordern mehr Hilfen von den Industriestaaten und hatten sich am Montag vorübergehend aus den Verhandlungen zurückgezogen, um den Druck zu erhöhen. Bislang hat die Europäische Union bis 2012 pro Jahr 3,5 Milliarden Dollar angeboten. Die USA haben versprochen, einen fairen Anteil zu übernehmen, ohne bisher eine Summe zu nennen. Für dieses Jahr stellen sie 1,2 Milliarden Dollar bereit.

Die Umweltminister aus 192 Staaten beraten seit Beginn der Woche über ein globales Klimaschutzabkommen gegen den Temperaturanstieg durch Treibhausgase. Bundesumweltminister Norbert Röttgen forderte dabei vor allem die USA und China auf, mit weitergehenden Zusagen als bisher zum Erfolg des Klimagipfels beizutragen. Beide Länder allein stehen für 40 Prozent der CO2- Emissionen.

"Zeit ist jetzt unser schlimmster Feind"

Unterdessen läuft den Gipfelteilnehmern die Zeit davon. "Zeit ist jetzt unser schlimmster Feind", hieß es am Montagabend aus Kreisen der Gipfelorganisatoren. Der britische Premierminister Gordon Brown, der heute in Kopenhagen erwartet wird, warnte angesichts des Konflikts vor einer Spaltung der Staatengemeinschaft. "Die Uhr tickt, wir haben nicht viel Zeit", warnte auch US-Delegationsleiter Todd Stern. Er hoffe, dass die ab Mitte der Woche erwartete Ankunft von über 100 Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen einen positiven Druck auf die Umweltminister und Delegationen ausüben werde.

Am Mittwoch steht den wegen ihres harten Einsatzes vielfach kritisierten dänischen Sicherheitskräften eine neue Kraftprobe bevor: Militante Gruppen haben angekündigt, entgegen aller Verbote den Tagungsort des Gipfels stürmen zu wollen. Bis Montagabend war es nicht zu Krawallen im Umfeld des Gipfels gekommen. Dennoch hatte die Polizei seit Samstag bei mehreren Demonstrationen fast 1500 Menschen festgenommen.

DPA/AFP / DPA