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US-Botschafter Grenell: Undiplomatisches Geschick: Donald Trumps verlängerter Arm verlässt Berlin

Nur selten war ein Botschafter so unbeliebt, zumal einer eines befreundeten Staates. Doch der US-Vertreter in Berlin, Richard Grenell, legte sich nassforsch mit Freund und Feind an. Nun verlässt er die deutsche Hauptstadt.

US-Botschafter Richard Grenell während einer Gedenkfeier in Berlin.

US-Botschafter Richard Grenell während einer Gedenkfeier in Berlin.

DPA

Mutmaßlich wurde Richard Grenell nicht trotz, sondern wegen seines undiplomatischen Geschickes als US-Botschafter nach Berlin geschickt. Doch nach rund zwei Jahren ist wohl wieder Schluss. Im Februar hatte ihn Donald Trump als kommissarischen Geheimdienstkoordinator nach Washington beordert. Doch so wie es aussieht, wird Grenell nicht wieder nach Berlin zurückkehren. Sein Abschied ist nur noch eine Frage von Tagen und die Hauptstadt atmet erleichtert auf. Denn selten hat sich ein US-Diplomat so ungeniert in die Innenpolitik eingemischt wie der 53-Jährige.

Verlängerter Arm Donald Trumps

Susan Rice, Sicherheitsberaterin von Barack Obama und frühere UN-Botschafterin, sagte über ihn einmal, er sei einer der "scheußlichsten und verlogensten Menschen", die sie je kennengelernt habe. Vielleicht würde dieses harsche Urteil nicht jeder teilen, aber mit seiner konfrontativen Art ist Grenell schon oft angeeckt, auf seiner letzten Position war es vermutlich sogar erwünscht. Denn er verstand sich nicht so sehr als Ansprechpartner für die USA, sondern als verlängerter Arm amerikanischer Politik, wie ein Überblick über seine Lieblingskritik an die Berliner Politik zeigt – die nicht zufälligerweise die gleiche wie die Trumps ist: 

  • Iran: Kurz nach seiner Ernennung als Botschafter im Mai 2018 warnte Grenell deutsche Unternehmen davor, mit dem Iran zusammenzuarbeiten.
  • Verteidigungsausgaben: Aus Verärgerung über den aus seiner Sicht unzureichenden deutschen Militäretat drohte Grenell, US-Truppen aus Deutschland abzuziehen.
  • Nord Stream 2: Wegen der deutsch-russischen Ostseepipeline brachte Grenell sehr früh Sanktionen auch gegen deutsche Unternehmen ins Spiel.
  • Huawei: Deutschland müsse den chinesischen Telekomriesen vom Aufbau der Mobilfunknetze der nächsten Generation ausschließen, forderte Grenell immer wieder. 

Trumps Probleme mit Deutschland

Donald Trump geht seit Amtsantritt immer wieder auf Konfrontationskurs zu Deutschland. So ist ihm etwa der Handelsüberschuss ein Dorn im Auge, den er als "sehr, sehr schlecht" und unfair gegenüber den USA betrachtet. Auch die deutschen Ausgaben für Rüstung fallen nach Ansicht des US-Präsidenten (und manch anderer Nato-Staaten) zu niedrig aus. Mit Grenell hatte Trump jemanden nach Berlin entsandt, der seine Agenda bei jeder sich bietenden Gelegenheit Nachdruck verlieh. Auch wenn der Botschafter damit gegen die diplomatische Gepflogenheit verstieß, seinem Gastland keine "Handlungsanweisungen" zu erteilen. 

Die Nachricht, dass der Botschafter seinen Posten demnächst räumen werde, stößt überparteilich auf (stille) Erleichterung. Linksfraktionschef Dietmar Bartsch kommentierte sie kühl mit den Worten: "Ein in Deutschland anwesender US-Botschafter, der auch Botschafter und nicht Politiker ist, könnte als Nachfolger von Grenell hilfreich sein." Der Grünen-Außenpolitiker Omid Nouripour sagte: "Grenell ist seit Längerem primär mit anderen Aufgaben beschäftigt, die seine Präsenz in Washington binden. So ist seine Demission folgerichtig." 

Von den UN zu "Breitbart News"

Grenell war in den letzten zwei Jahrzehnten zwischen diplomatischen Aufgaben, Politik und Kommentatoren-Jobs hin- und hergewechselt. So arbeitete er einige Jahre lang als Sprecher des US-Botschafters bei den Vereinten Nationen, dann verdingte er sich beim rechtsradikalen Portal "Breitbart News". Nachdem er sich im Präsidentschaftswahlkampf 2012 dem Team des republikanischen Kandidaten Mitt Romney angeschlossen hatte, schmiss er nach nur einem Monat wieder hin und beklagte sich über die homophobe Stimmung in der Republikanischen Partei. Der evangelikale Grenell zählt eher zum Rechtsaußenflügel der Konservativen, lebt aber offen homosexuell und fordert vehement Rechte von Schwulen und Lesben ein. 

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Mutmaßlich wegen seiner absoluten Loyalität zum US-Präsidenten wurde Grenell oft für hochrangige Posten ins Gespräch gebracht: Etwa als US-Botschafter bei den Vereinten Nationen in New York sowie als Sicherheitsberater im Weißen Haus. Als Übergangs-Geheimdienstkoordinator unterstanden ihm für einige Monate die 17 verschiedenen US-Geheimdienste, nachdem der bis dahin ebenfalls geschäftsführende Koordinator Joseph Maguire bei Trump in Ungnade gefallen war und zurücktrat. Künftig wurde der ebenfalls umstrittene Republikaner John Ratcliffe für das Amt bestätigt.

"Der Druck Amerikas hört nicht auf"

Obwohl sein Wegzug noch nicht offiziell bestätigt wurde, bedankte sich Grenell bereits für mehrere Abschiedsgrüße. Und er antwortete auf einen Kommentar, nach dem ein kollektiver Seufzer der Erleichterung durch Deutschland gehe, mit den Worten: "Sie machen einen großen Fehler, wenn Sie glauben, der Druck Amerikas hört auf. Sie kennen die Amerikaner nicht."

Quellen: "The Hill", Fox NewsCNN, DPA, AFP, CNBC