Unruhen 500 Millionen Dollar gegen den Hunger


Die Lebensmittelpreise sind in der Vergangenheit drastisch gestiegen. Folge: In einigen Ländern kommt es immer häufiger zu Hungerunruhen, wie etwa in Haiti. Jetzt will die Weltbank die steigenden Lebensmittelpreise bekämpfen. Menschen in armen Ländern könnten in noch größere Armut stürzen.

Die Weltbank hat ein rasches und entschlossenes internationales Vorgehen gegen die steigenden Lebensmittelpreise gefordert, die schon in mehreren Ländern zu blutigen Unruhen geführt haben. Weltbank-Präsident Robert Zoellick sprach sich dafür aus, Hunger und Unterernährung mit einer globalen Nahrungsmittelmittelpolitik zu bekämpfen.

Die Ärmsten seien von den steigenden Preisen am stärksten betroffen, da sie bisher schon bis zu 75 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben müssten. Der Direktor des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, mahnte, die weltweit steigenden Nahrungsmittelpreise verschärften die Gefahr von Hungerkrisen in vielen Entwicklungsländern - wie die jüngsten Unruhen in Haiti, Ägypten und Bangladesch bereits zeigen. "Hunderttausende Menschen werden darben, und Kinder werden ihr Leben lang unter Mangelernährung leiden", sagte Strauss-Kahn.

Robert Zoellick rief die Regierungen in aller Welt auf, dem UN-Ernährungsprogramm (WFP) bis 1. Mai dringend benötigte 500 Millionen Dollar, umgerechnet 315 Millionen Euro, für Notfallhilfen zur Verfügung zu stellen. Der Sturz der Regierung in Haiti nach Protesten gegen gestiegene Lebensmittelpreise habe gezeigt, wie wichtig entschlossenes Handeln sei, sagte Zoellick. Die Weltbank habe Haiti weitere zehn Millionen Dollar für Lebensmittelhilfen zugesagt, andere sollten diesem Schritt folgen.

Zoellick erklärte, es gebe auch für andere Länder Programme, um ihnen mit Lebensmitteln oder Saatgut für die nächste Ernte zu helfen. Die steigenden Preise bedrohten viele Menschen in ärmeren Ländern mit noch größerer Armut.

Schon zum Auftakt der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank hatten sich beide Weltfinanzorganisationen besorgt über die weltweit steigenden Nahrungsmittelpreise geäußert. Dabei wächst die Kritik an der verstärkten Produktion von Biosprit, die zu Lasten des Getreideanbaus geht. "Während sich manche Sorgen machen, wie sie ihren Benzintank füllen, kämpfen viele andere darum, wie sie ihren Magen füllen können", sagte Zoellick vor Beginn der Konferenz. "Und das wird von Tag zu Tag schwieriger."

Der Senat des haitianischen Parlaments hatte den Regierungschef des Landes, Jacques Edouard Alexis, bereits am Donnerstag zum Rücktritt aufgefordert, entließ aber am Samstagnachmittag nach tagelangen Unruhen die gesamte Regierung. Nach der haitianischen Verfassung muss Präsident René Preval gemeinsam mit den Vorsitzenden der beiden Kammern des Parlaments einen neuen Regierungschef suchen. Preval, seit Februar 2006 Präsident von Haiti, hatte Alexis im Juni 2006 zu seinem Premierminister berufen.

Allgemein herrscht in Haiti die Hoffnung, dass damit die Unruhen, die das ärmste Land Amerikas seit über einer Woche erschütterten, vorerst nicht wieder aufflammen. Die Gewalttaten und Plünderungen vor allem in der Hauptstadt Port-au-Prince hatten sich zwar an den hohen Preisen entzündet, die Demonstranten hatten aber den Rücktritt der Regierung gefordert. Kurz zuvor hatte Preval angekündigt, als Maßnahme gegen die Krise werde der Reispreis dank Subventionen um gut 15 Prozent gesenkt. Der Preis für einen Sack Reis soll von umgerechnet 31 auf 27 Euro fallen. Zuvor hatte Preval in seiner ersten Reaktion angesichts der Unruhen einer Entlassung seines Vertrauten Alexis eine Absage erteilt und erklärt, er werde sich dem Druck der Straße nicht beugen und lediglich nach Möglichkeiten suchen, die Grundlebensmittel zu subventionieren.

Der venezolanische Präsident Hugo Chàvez kündigte an, 364 Tonnen Lebensmittel in den Karibikstaat zu schicken. Auch Brasilien hat 14 Tonnen Lebensmittelhilfe für Haiti zugesagt. Bei den Unruhen gegen die rapide steigenden Lebensmittelpreise um teilweise 50 Prozent in nur einer Woche starben mindestens fünf Menschen, nach letzten offiziellen Angaben wurden rund 200 Personen verletzt.

DPA/AP AP DPA

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