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US-Angriff: Schwarzer Rauch über Nadschaf

Schwere Gefechte liefern sich die Amerikaner mit den Anhängern des radikalen Schiitenführers Muktada al Sadr in Nadschaf und Kut. Doch auch die gemäßigten Schiiten sind über die US-Offensive aufgebracht.

Vier Monate nach Beginn des Aufstands radikaler Schiiten im Irak haben die US-Truppen zum massiven Gegenschlag ausgeholt. Mehrere tausend US-Soldaten starteten am Donnerstag in Nadschaf einen Großangriff auf die dort verschanzten Untergrundkämpfer ein. Hunderte von Bewohnern flohen aus ihren Häusern. Am Nachmittag standen schwarze Rauchwolken über der südlich von Bagdad gelegenen Stadt.

US-Soldaten rückten auch in Richtung auf das Haus des Geistlichen Muktada al Sadr vor. Sie lieferten sich nach Berichten von Augenzeugen Gefechte mit dessen dort postierten Kämpfern.

"Umfangreiche Operationen zur Ausschaltung der Miliz"

"Wir haben umfangreiche Operationen zur Ausschaltung der Miliz begonnen", sagte Major David Holahan. In der ganzen Stadt waren heftige Schießereien zu hören. In den vergangenen Tagen hatten die Truppen bereits die Altstadt von Nadschaf mit dem Imam-Ali-Schrein und dem angrenzenden Friedhof abgeriegelt.

Der Imam-Ali-Schrein sei kein Ziel des Angriffs, "könnte es aber werden", sagte Holohan. Ein Angriff auf das schiitische Heiligtum müsste nach Angaben von US-Kommandeuren vom irakischen Regierungschef Ajad Allawi gebilligt werden. In diesem Fall sollten zuerst irakische Soldaten und keine US-Truppen in den Schrein eindringen.

In Reaktion auf das Vorgehen der US-Streitkräfte drohten Anhänger al Sadrs damit, Öl-Pipelines und Hafenanlagen in der südirakischen Industriestadt Basra in die Luft zu jagen. Auch Schiiten, die den Kurs al Sadrs ablehnen, sind aufgebracht über die militärische Offensive gegen Nadschaf, das den Schiiten mit seinem Imam-Ali-Schrein als Heilige Stadt gilt. Der irakische Vizepräsident Ibrahim el Dschaafari rief die US-Truppen zum Rückzug auf. "Nur irakische Truppen sollten in Nadschaf bleiben", sagte der Vizepräsident dem arabischen Fernsehsender Al Dschasira. Die Regierungen Irans und Ägyptens riefen zur Einstellung der Kämpfe in Nadschaf auf.

Kämpfer der Mahdi-Miliz al Sadrs griffen in der Nacht zum Donnerstag auch mehrere Regierungsgebäude in der Stadt Kut an, 160 Kilometer südöstlich von Bagdad. Bei Kämpfen mit irakischen Sicherheitskräften kamen nach Angaben der Behörden mindestens 72 Menschen ums Leben, 148 wurden verletzt. Widersprüchliche Angaben gab es, ob auch amerikanische Kampfhubschrauber in die Kämpfe eingriffen. Dies wurde von den US-Streitkräften dementiert. Bei Kämpfen zwischen schiitischen Aufständischen und britischen Truppen in Amara kamen 20 Menschen ums Leben, wie ein Sprecher des irakischen Innenministeriums mitteilte. Die Briten sprachen von zwei Verletzten in den eigenen Reihen.

Im Norden Iraks kamen beim Absturz eines Hubschraubers zwei US-Marineinfanteristen ums Leben gekommen, wie die Streitkräfte am Donnerstag mitteilten. Drei weitere Personen wurden verletzt. Dem Absturz in der irakischen Provinz Anbar ging nach Militärangaben kein feindliches Feuer voraus.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verständigte sich unterdessen auf eine Verlängerung der UN-Mission im Irak um ein Jahr. Eine entsprechende Resolution sollte am Donnerstag in New York angenommen werden. Der neue Irak-Gesandte der Vereinten Nationen, Ashraf Jehangir Qazi, soll bereits in den nächsten Tagen in Bagdad eintreffen. Erstmals seit Oktober 2003 erhalten die UN damit wieder eine Präsenz im Irak: Das Personal war damals nach einer Reihe von Anschlägen abgezogen worden, denen am 19. August auch Qazis Vorgänger Sergio Vieira de Mello zum Opfer fiel.

AP / AP / DPA