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US-Einsatz im Irak: Briten befeuern Rückzugsdebatte

Zwei Ex-Generäle der britischen Armee haben die US-Militärstrategie im Irak und Ex-US-Verteidigungsminister Rumsfeld scharf kritisiert. Während in den USA die Debatte über den Irak-Einsatzes tobt, ziehen die Briten ihre Truppen aus Basra ab.

Mit ungewöhnlich scharfer Kritik am Vorgehen der USA im Irak haben zwei britische Ex-Generäle den schwelenden Streit über die Invasion zwischen den USA und Großbritannien angefacht. Britische Oppositionspolitiker stimmten den Generälen am Sonntag zu. Dazu zog London am Sonntagabend offenbar seine Truppen aus der irakischen Öl-Metropole Basra ab. Aus Kreisen des britischen Verteidigungsministeriums verlautete, die etwa 500 Soldaten würden in den britischen Luftwaffenstützpunkt vor der Stadt verlegt. Ein Reuters-Reporter vor Ort sah Hubschrauber, die von dem Palast abhoben und landeten. Großbritannien will die gleichnamige Provinz bis zum Ende des Jahres an die Iraker übergeben. Bewohner befürchten, dass der Abzug zu einem Wiederaufflammen der Gewalt zwischen verschieden Gruppen führen könnte. Basra ist für die Ölindustrie des Landes von strategischer Bedeutung.

London plant offenbar baldigen Abzug

Die Zeitung "Sunday Times" berichtete zudem, London bereite einen baldigen Abzug seiner insgesamt 5500 Soldaten aus dem Irak vor. Bereits im Oktober soll die Kontrolle über die Provinz Basra vollständig an die irakische Armee übergehen. Premierminister Gordon Brown könnte dies verkünden, wenn das Unterhaus am 8. Oktober zu seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause zusammenkommt. Das Verhalten der Briten kommt in einer für US-Präsident George W. Bush äußerst ungünstigen Phase. Mitte September berichten der für den Irak verantwortliche US-General sowie der dortige US-Botschafter in Washington über die Fortschritte nach der Aufstockung der US-Truppen. Die Berichte werden die Debatte über die Dauer der Besatzung des Irak durch US-Truppen weiter befeuern. Die Kritik der britischen Ex-Generäle sowie der offenbar bevorstehende Abzug der Truppen liefern den Kritikern des Irak-Einsatzes weitere Argumente.

Rumsfeld vergeblich gewarnt

Am Samstag hatte zunächst der Oberkommandierende der britischen Armee während der Irak-Invasion, General Sir Mike Jackson, mit der Einschätzung für Aufsehen gesorgt, die Irak-Strategie der USA sei am Ende. Das Vorgehen der Amerikaner im Irak bezeichnete er im Gespräch mit der Zeitung "Daily Telegraph" als "intellektuell bankrott". Insbesondere wies Sir Mike, der bis 2006 Oberbefehlshaber der Armee war, dem früheren US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und dessen neokonservativen Verbündeten Schuld am Chaos im Irak zu. Dem stimmte einen Tag später im "Sunday Mirror" der Generalmajor a.D. Tim Cross zu, der seinerzeit stellvertretender Chef des Stabs der Koalitionstruppen für Wiederaufbau und humanitäre Unterstützung im Irak war. Er habe Rumsfeld vergeblich vor schweren Mängeln gewarnt, erklärte Cross. "Im Rückblick gibt es keinen Zweifel, dass der US-Nachkriegsplan mit tödlichen Fehlern behaftet war und viele von uns haben das damals schon gespürt."

Bolton: Kritik "völlig daneben"

General Jackson kritisierte, Rumsfeld habe sich geweigert, die Notwendigkeit des Einsatzes von viel mehr Soldaten zur Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung nach dem Sturz Saddam Husseins zu akzeptieren. Falsch sei auch die Entscheidung von US- Präsident George W. Bush gewesen, dem Außenministerium die Nachkriegsplanung zu entziehen und diese dem Pentagon zu überlassen. Der frühere US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, John Bolton, wies die Kritik Jacksons zurück. Dessen Äußerungen lägen "völlig daneben", sagte Bolton der BBC. Das Verteidigungsministerium in London erklärte, der Ex-General habe das Recht, seine Meinung zum Ausdruck zu bringen. Der konservative Politiker Sir Malcolm Rifkind - einst Außen- sowie Verteidigungsminister Großbritanniens - sagte der BBC, die Kritik der Generäle sei berechtigt. Rumsfeld sei "inkompetent" gewesen.

Bislang 168 britische Soldaten im Irak

"Amerikanische Kommandeure in Bagdad haben bereits akzeptiert, dass die britischen Truppen auf dem Abmarsch sind", schrieb die "Sunday Times". US-Regierungskreise seien in wachsendem Maße auch durch Hinweise darauf irritiert, dass die Briten mit schiitischen Milizen über ihren Abzug verhandelten. Das Verteidigungsministerium habe solche Berichte zwar zurückgewiesen, jedoch habe eine hochrangige Militärquelle erklärt, dass geheime Gespräche zur Gewährleistung eines sicheren Abzugs der Briten aus der südirakischen Hafenstadt Basra bereits "seit Wochen im Gange" seien. Brown hatte vor einer Woche die Vorlage eines konkreten Zeitplans für den Rückzug der Soldaten abgelehnt. "Entscheidungen über die Stärke der Truppen und deren Einsatz werden je nach Lage vor Ort getroffen", erklärte er. Seit dem Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind bislang 168 britische Soldaten getötet worden.

Reuters / Reuters