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"Katastrophale Zustände": Amnesty fordert, US-Notunterkunft für Kinder und Jugendliche in Florida rasch zu schließen

Die Zustände in den US-Migrantenunterkünften werden oft als unhaltbar beschrieben. Bestätigt wird dies nun von Amnesty International. Die Menschenrechtsorganisation fordert, eine der Unterkünfte zu schließen.

Amnesty fordert Schließung der US-Notunterkunft für Kinder und Jugendliche in Florida

Homestead, Florida: Junge Migranten stehen für etwas zu trinken an. In der Notunterkunft für unbegleitete junge Migranten herrschen unterhaltbare Zustände, urteilt Amnesty International.

Getty Images

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat die Schließung einer Notunterkunft für Kinder und Jugendliche im US-Bundesstaat Florida wegen unhaltbarer Zustände gefordert. Die jungen Einwanderer würden in der Einrichtung in Homestead südlich von Miami "unter katastrophalen Bedingungen inhaftiert", erklärte die Organisation am Mittwoch. Die privat geführte Notunterkunft für Kinder und Jugendliche, die alleine in die USA eingereist sind, müsse "so schnell wie möglich geschlossen werden".

Amnesty besuchte die Einrichtung demnach im April und im Juli. Aus dem auf diesen Besuchen basierenden Bericht "No home for children: The Homestead 'Temporary Emergency' Facility" geht hervor, dass dort teilweise fast 2500 Kinder im Alter von 13 bis 17 Jahren untergebracht waren. Im Schnitt hätten unbegleitete Kinder 52 Tage in der Einrichtung verbracht.

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Amnesty: Hygieneartikel nur auf schriftlichen Antrag

"Diese lange und unbefristete Inhaftierung von Kindern in Homestead und ähnlichen Einrichtungen verstößt gegen die Menschenrechte und widerspricht dem temporären Charakter einer Notunterkunft", erklärte der USA-Experte bei Amnesty International in Deutschland, Sumit Bhattacharyya, in Berlin. Ein Kind, mit dem Amnesty gesprochen habe, sei insgesamt acht Monate in der Einrichtung gewesen.

Amnesty kritisiert zudem die restriktiven Bedingungen in Homestead. Die Kinder und Jugendlichen würden "streng kontrolliert, gemaßregelt und schikaniert". Mädchen, die Hygieneartikel benötigten, müssten diese schriftlich beantragen. Neben der Schließung der Notunterkunft fordert Amnesty "eine Untersuchung der Bedingungen in allen anderen staatlichen Einrichtungen, in denen unbegleitete Kinder inhaftiert sind".

Migrantenlager: Demokraten kritisieren schon lange

Die Zustände in Arrestzentren für Migranten werden in den USA seit längerem öffentlich scharf kritisiert. Demokratische Abgeordnete um Polit-Shootingstar Alexandria Ocasio-Cortez hatten nach Besichtigungen in Migrantenzentren von "entsetzlichen" Bedingungen gesprochen. Ocasio-Cortez hatte teils sogar von "Konzentrationslagern" gesprochen. Auch in einem Bericht der Generalinspekteurin des US-Heimatschutzministeriums war von "gefährlicher Überbelegung" die Rede.

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Der Umgang mit Einwanderern bestimmt seit Monaten die politische Debatte in den USA. US-Präsident Donald Trump hat das Vorgehen gegen illegale Einwanderer zu einem der Schwerpunkt seiner Politik gemacht. Insbesondere an der Grenze zu Mexiko versucht er, die Zahl illegaler Einreisen durch eine strikte Abschottung zu senken.

dho / AFP