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Wahlkampf in Montana: US-Politiker schlägt britischen Reporter

Sein schwindender Vorsprung zerrte offenbar an seinen Nerven: Der republikanische Parlamentskandidat Greg Gianforte soll einen Reporter des britischen "Guardian" angegriffen haben. Tonbandaufnahmen erhärten den Vorwurf.

Der Republikaner Greg Gianforte

Bei einer Verurteilung drohen ihm bis bis zu sechs Monate Haft: Der Republikaner Greg Gianforte soll den Journalisten Ben Jacobs attackiert haben.

Am Tag vor der heiß umkämpften Nachwahl für einen Sitz im US-Kongress hat der republikanische Kandidat offenbar die Nerven verloren. Die Behörden im Bundesstaat Montana stellten dem konservativen Politiker Greg Gianforte in der Nacht zu Donnerstag eine Vorladung vor Gericht zu, weil er einen britischen Korrespondenten tätlich angegriffen haben soll. Der Verdacht laute auf "Körperverletzung in einem minder schweren Fall", erklärte Sheriff Brian Gootkin in der Stadt Bozeman.

Gootkin lud den Politiker für den 7. Juni zu einer Anhörung vor Gericht. Bei einer Verurteilung drohten ihm bis bis zu sechs Monate Haft und ein Bußgeld von 500 Dollar, erklärte der Sheriff.

"Hau ab hier, zur Hölle!"

Der Journalist Ben Jacobs von der der britischen Zeitung "The Guardian" hatte den Republikaner am Mittwoch beschuldigt, ihn brutal angerempelt, zu Fall gebracht und dabei seine Brille zerstört zu haben. Der Vorfall habe sich ereignet, als er Gianforte eine Frage zur Gesundheitsreform von US-Präsident Donald Trump stellen wollte. Jacobs veröffentlichte einen Tonbandmitschnitt von dem Vorfall. Darauf ist offenbar Gianforte zu hören mit den Worten: "Hau ab hier, zur Hölle!"

Gianforte weist die Vorwürfe zurück. Er gab an, der Reporter habe ihm aggressiv ein Aufnahmegerät vor das Gesicht gehalten und ihn mit Fragen bedrängt. Im anschließenden Gerangel seien beide zu Boden gegangen. In einer Erklärung seines Büros war die Rede vom "aggressiven Verhalten eines liberalen Journalisten".

Fox-Reporter bezeugen Gianfortes Angriff

Allerdings bestätigten mehrere Medienvertreter die Version des britischen Journalisten. Ein Reporterteam des Fernsehsenders Fox, der den Republikanern nahe steht, berichtete: "Gianforte hat Jacobs mit beiden Händen am Genick gepackt und zu Boden geschleudert." Ungläubig hätten sie beobachtet, wie der Politiker angefangen habe, den Journalisten zu schlagen und "etwas in der Art wie 'ich hab die Nase voll davon'" gebrüllt habe. Jacobs dagegen sei zu keinem Zeitpunkt aggressiv aufgetreten.

Sheriff Gootkin erklärte, die Vorladung an Gianforte sei nach Anhörung mehrerer Zeugen erfolgt. In einer Mitteilung gibt Gootkin an, die Wahlkampagne von Gianforte mit 250 Dollar unterstützt zu haben. Die Spende habe jedoch nichts mit den Untersuchungen zu tun.

Bei der mit Spannung erwarteten Wahl am heutigen Donnerstag tritt Gianforte gegen den Demokraten Rob Quist an. Sie bewerben sich um den Sitz im Repräsentantenhaus, der nach dem Wechsel des bisherigen Mandatsinhabers Ryan Zinke ins Amt des US-Innenministers frei geworden war. Die Wahl gilt auch als Stimmungstest für Trump in der Republikanerhochburg Montana. Der Vorsprung Gianfortes war zuletzt stark zusammengeschmolzen.

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mad / AFP