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Goodloe Sutton US-Verleger, der Ku-Klux-Klan zu Lynchmorden aufgerufen hat, wird durch schwarze Frau ersetzt

Goodloe Sutton
Goodloe Sutton auf einer Preisverleihung in New York 1998
© Stan Honda / AFP
Für Goodloe Sutton ist es das Aus, für Elecia Dexter ein Karrieresprung: Die 46-jährige Afroamerikanerin ersetzt beim US-Blatt "Democrat-Reporter" den 79-jährigen Herausgeber. Grund: Sutton hatte den Ku-Klux-Klan zu Gewalt gegen Washington aufgefordert.

Mit Verschwörungstheorien und einem Aufruf zu Lynchmorden in Washington hatte sich der Journalist Goodloe Sutton unrühmlich ins Gedächtnis der Amerikaner zurückgerufen - nun wurde der Herausgeber der Zeitung "Democrat-Reporter" aus Alabama ersetzt: durch die Afroamerikanerin Elecia Dexter. Die 46-Jährige wird sowohl Herausgeberin als auch Chefredakteurin und hat einen rasanten Aufstieg hingelegt - denn sie ist gerade erst seit sechs Wochen bei dem Blatt, dessen Eigentümer Sutton bleibt.

KKK soll in "bewachte Wohnanlagen" gehen

Der preisgekrönte wie umstrittene Journalist hatte Mitte Februar in einem Leitartikel geschrieben, es sei an der Zeit, dass der Ku-Klux-Klan (KKK) seine nächtlichen Aktionen wieder aufnehme. "Demokraten in der Republikanischen Partei und Demokraten" in Washington seien die "wahre herrschende Klasse", sie schmiedeten im Geheimen Pläne, die Steuer in Alabama anzuheben, schrieb er.

Sutton rief den KKK dazu auf, in die "bewachten Wohnanlagen" der US-Hauptstadt einzufallen. Gleichzeitig erging er sich in wilden Verschwörungstheorien, wonach die "Eliten aus dem Nordosten" die verschiedenen Konflikte weltweit, an denen die USA beteiligt seien, in Wirklichkeit zum Unterhalt des "militärisch-industriellen Komplexes" des Landes nutzten. Der arme Südstaat Alabama gilt immer noch als besonders anfällig für Rassismus. Dort war der Ku-Klux-Klan auch noch nach seinem Verbot relativ beliebt.

"Lasst sie vorm weißen Mann knien"

Sein Beitrag hatte wenig überraschend für harsche Kritik in den USA gesorgt, es war nicht der erste offen rassistische Artikel in den Blatt. 2017 erschien dort ein anonymer Gastbeitrag, über die Diskussion von knienden Sportlern. Aus Protest gegen Rassismus war damals unter anderem der Footballspieler Colin Kaepernick beim Abspielen der US-Hymne in die Knie gegangen, was vor allem in konservativen Kreisen für Kritik sorgte. Selbst US-Präsident Donald Trump griff den Protest an. In dem Beitrag des "Democrat-Reporters" hieß es: "Das wurde den schwarzen Leuten vor 200 Jahren eingebläut - vor einem weißen Mann zu knien. Lasst sie knien."

Elecia Dexter auf Twitter
Elecia Dexters neuer Twitter-Auftritt im Namen des "Democrat-Reporter"
© Screenshot/Twitter / stern

Elecia Dexter werde die Zeitung an einem herausfordernen und entscheidenen Moment übernehmen, heißt es bei dem Blatt und weiter: Der "Democrat-Reporter" stehe seit 140 Jahren für Qualitätsnachrichten und hat volles Vertrauen darin, dass Frau Dexter diese Tradition fortführen werde. Nach ihrer eigenen Aussage hätten Dexter und Sutton eine offene Diskussion über die Richtung des Blatts gehabt. Für seinen Leitartikel entschuldigt aber hat sich der Ex-Herausgeber bislang nicht.

Quellen: BBC, "Democrat Reporter", "Washington Post"

nik

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