US-Wahl Quittung für enttäuschte Hoffnungen


Muslime in den USA fühlen sich von der Politk des US-Präsidenten George W. Bush diskreminiert. Auf breiter Front mobilisieren sie jetzt Widerstand gegen den mächtigsten Mann der Welt.

Desillusioniert und verärgert wollen die großen Muslim-Organisationen in den USA den Wahltag für die Bush-Regierung zum Zahltag machen. "Amerikanische Muslime werden heute wie Bürger zweiter Klasse behandelt", heißt es in der gerade verabschiedeten Wahlempfehlung der "American Muslim Taskforce on Civil Rights and Elections" gegen Präsident George W. Bush. Doch viele muslimische Wähler tun sich auch mit dem demokratischen Herausforderergespann John Kerry und John Edwards schwer. Sie fragen sich, ob Kerry wirklich das "kleinere Übel" ist.

Amerikanische Araber wenden sich von Bush ab

Scharenweise haben amerikanische Muslime dem Bush-Lager den Rücken gekehrt. Das Meinungsforschungsinstitut Zogby International nahm im September das Wahlverhalten von 1,1 Millionen arabischen Amerikanern in den vier besonders hart umkämpften Bundesstaaten Florida, Pennsylvania, Michigan und Ohio unter die Lupe. Danach wollen nur noch 31,5 statt 45,5 Prozent wie vor vier Jahren Bush die Treue halten. Dessen Herausforderer John Kerry kommt auf 47 Prozent. Das sind neun Prozentpunkte mehr als 2000. Damals hatte der demokratische Vizepräsidentenkandidat Joseph Lieberman, ein Amerikaner jüdischen Glaubens, Umfragen zufolge das Ergebnis für die Demokraten gedrückt.

Keine zwei Wochen vor den Wahlen haben die großen und einflussreichen Muslim-Organisationen ihren Ärger über den Irak-Krieg, die Nahost-Politik sowie die bitterbösen Konsequenzen für Araber und andere Muslime beim Anti-Terror-Kampf in den USA mit einer Abfuhr für die Bush-Regierung quittiert.

Breite Front gegen Bush

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 - die 19 Attentäter waren Muslime - habe die US-Administration mit ausgeweiteten Überwachungsmaßnahmen die gesamte muslimische Gemeinschaft in den USA schikaniert, schreibt die "American Muslim Taskforce". Mehr als 200 muslimische Organisationen einschließlich Wohltätigkeitseinrichtungen hätten auf die eine oder andere Art und Weise diskriminierende Ermittlungen über sich ergehen lassen müssen. Als Konsequenz hat die "Taskforce" für insgesamt zehn Muslim- Organisationen eine Stimmabgabe gegen Bush empfohlen.

"Zu Hause werden unsere bürgerlichen Freiheiten und Rechte angegriffen. Und im Nahen Osten müssen unsere Verwandten und Freunde mit den Folgen der amerikanischen Außenpolitik leben", heißt es in der Anti-Bush-Erklärung von Mary Rose Oaker, der Präsidentin des "American-Arab Anti-Discrimination Committee".

"Während Präsident Bush für die Vision eines palästinensischen Staates gelobt wurde, hat jeder Schritt seiner Administration die Verwirklichung dieser Vision unmöglich gemacht", begründet der Präsident des "Arab American Institute", James Zogby, seine Stimmempfehlung für Kerry. Zogby ist zwar Demokrat, hadert aber auch oft mit seiner eigenen Partei.

Aber auch Muslime ziehen für Bush in den Wahlkampf. Der republikanische Aktivist Khaled Safouri macht beim Präsidenten zwei entscheidende Pluspunkte aus: Viele arabische Amerikaner seien kleine Geschäftsleute und wüssten deshalb die Steuersenkungen zu schätzen. Zum anderen seien viele stark religiös und unterstützten deshalb Bushs konservative Haltung in sozialen Angelegenheiten. Bush wird außerdem zugute gehalten, dass er nach den Anschlägen vom 11. September den Islam als Religion öffentlich in Schutz nahm.

Kein Vorteil für Kerry

Die grassierende Bush-Kritik hat Demokrat Kerry keinen Siegeszug durch die arabisch-muslimische Gemeinschaft beschert. Kerry habe wahrscheinlich aus rein politischem Kalkül die Muslime im Wahlkampf links liegen lassen, weil er Angst gehabt habe, dass die rechten Kritiker sich auf ihn stürzen würden, wenn er mit Muslimen gesehen werde, beschwert sich der "Muslim Public Affairs Council".

Hans Dahne/DPA DPA

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