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Heimliche Aufnahme von Schüler: Lehrer lästert im Unterricht über US-Armee - und wird dafür gefeuert

Beim Militär, bei ihren Soldaten, da werden die Amerikaner empfindlich. Das musste nun ein Lehrer in Südkalifornien auf sehr bittere Weise lernen.

Ein US-Soldat im Irak

Ein US-Soldat im Irak: Angehörige der Armee genießen in den USA ein hohes gesellschaftliches Ansehen

AP / DPA

Vielen Amerikanern ist das Militär geradezu heilig. Sich abwertend über die Troops zu äußern ist ein absolutes Tabu. Das gilt für Politiker und öffentliche Figuren - und offenbar gilt es auch für Beamte im öffentlichen Dienst. Für den Geschichtslehrer Gregory Salcido hatten seine despektierlichen Äußerungen über die US-Armee nun ernsthafte Konsequenzen. Mit einer einstimmigen Entscheidung des zuständigen Schulaufsichtsrates in Südkalifornien wurde als Lehrer entlassen, wie unter anderem die "Washington Post" und CNN berichten.

Bereits Ende Januar hatte die Schule den Lehrer freigestellt. Damals waren Mitschnitte seiner Aussagen während des Unterrichts im Netz aufgetaucht. Einer seiner Schüler hatte offenbar heimlich mit dem Handy gefilmt, wie Salcido vor seinen Schülern über die geistigen Fähigkeiten der US-Soldaten lästerte. Die Kriege im Irak und in Afghanistan würden nicht gewonnen, "weil wir einen Haufen Dummköpfe (engl. dumbshits) da drüben haben", ist Salcidos Stimme in den Videos zu hören. "Überlegt doch mal, welche Leute ihr kennt, die da drüben im Einsatz sind. Dein superdämlicher Onkel Louie und so (...) Das sind keine guten Denker (engl. high-level thinkers), keine Akademiker, keine Intellektuellen. Sie sind die Dümmsten unserer Dummen (engl. lowest of our low)."

Zudem sagte er, dass nur Menschen zum Militär gehen würden, die "keine andere Option haben" und kritisierte, dass Militärvertreter in Schulen rekrutieren dürften. "Wir holen ja auch keine Zuhälter hierher, die fragen 'Hey, willst du eine Hure werden?'."

Video von Lehrer-Lästereien ging viral

Die drei Ende Januar auf Facebook hochgeladenen Videos haben gemeinsam mehr als zehn Millionen Views erreicht und einen entsprechenden Wirbel in den USA verursacht. US-Medienberichten zufolge wurde die zuständige Schulbehörde mit tausenden erbosten Emails überschüttet. Viele davon stammten demnach von Veteranen, aktiven Soldaten und deren Familienangehörigen. Sogar Donald Trumps Stabschef John F. Kelly, ehemaliger Marinegeneral, dessen Sohn als Soldat in Afghanistan getötet wurde, schaltete sich in die Debatte ein. "Ich glaube, der Kerl sollte zur Hölle fahren", sagte Kelly Ende Januar. "Ich hoffe, er genießt die Freiheiten und den Lebensstil, für den wir gekämpft haben."

Mitte Februar hatte die zuständige Schulbehörde bereits ein erstes Krisen-Meeting zu dem Fall einberufen, an dem auch Lehrer Salcido teilnahm. Damals waren Medienberichten zufolge viele Kritiker seiner Äußerungen in Militäruniformen oder Shirts und Kappen mit Militärbezug aufgetaucht. Salcido sprach während des Meetings davon, dass er und seine Familie massive Drohungen erhalten hätten. Seine heimlich gefilmten Aussagen verteidigte er. Es sei keine Neuigkeit, dass schwache Schüler eher das Militär als Option in Betracht ziehen würden. "Das ist keine Kritik an irgendwem. Alles, was ich gesagt habe, hatte nichts mit deren moralischem Charakter zu tun." Zum Militär zu gehen, sehe er nun mal nicht als gute Option für seine Schüler.

Salcido sitzt der "Washington Post" zufolge seit rund 20 Jahren im örtlichen Stadtrat, dessen Mitglieder sich allerdings bereits massiv gegen ihn positioniert und ihn zum Rücktritt aufgefordert hätten. Dagegen verweigere er sich jedoch.


fin / fin/tkr