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Usbekistan: Opposition spricht von 745 Toten

Nach den Unruhen in Usbekistan war offiziell die Rede von rund 169 Toten. Die Opposition behauptet jetzt, dass es deutlich mehr Todesopfer gegeben habe als bislang vermutet.

Eine halbe Woche nach der gewaltsamen Niederwerfung der Proteste in Usbekistan ist das volle Ausmaß des Blutbads noch immer nicht absehbar. Nach Angaben einer Oppositionspartei sollen bei den Unruhen aber deutlich mehr Menschen ums Leben gekommen sein als bisher bekannt wurde. Insgesamt seien 745 Tote gezählt worden, nachdem Sicherheitskräfte in Andischan das Feuer auf Rebellen, Demonstranten und Zuschauer eröffnet hatten. Augenzeugen und Menschenrechtler hatten die Opferzahl von Andischan zuletzt auf 500 geschätzt.

Die Freie Bauernpartei gab in der Hauptstadt Taschkent jetzt bekannt, dass sie eine Liste der Opfer erstellt habe. Parteichefin Nigara Chidojatowa sagte, dass die Angaben auf Gesprächen von Parteimitarbeitern mit Freunden und Angehörigen der Opfer beruhten. Diesen Gesprächen zufolge starben 542 Menschen in der Stadt Andischan und weitere 203 in Pachtabad, sagte die Parteichefin. Vermutlich handele es sich bei den Toten in Pachtabad um Menschen, die aus Andischan in diese nahe gelegene Stadt geflohen seien. Dazu gebe es aber noch keine verlässlichen Informationen.

Regierung spricht von 169 Toten

Offizielle Zahlen liegen weit unter denen der Bauernpartei. Nach Angaben der usbekischen Staatsanwaltschaft seien lediglich 169 Demonstranten getötet worden. Präsident Islam Karimow sprach sogar von nur zehn getöteten Polizisten "und vielen weiteren" Rebellen.

Auf den Straßen Usbekistans wurden die Proteste trotz des Blutbades vom 14. Mai derweil fortgesetzt. Mittlerweile richten sich die Demonstrationen auch gegen die amerikanische Regierung. Trotz Behinderung durch die Polizei versammelten sich Dutzende Vertreter von Menschenrechtsorganisationen und Oppositionsgruppen vor der Botschaft der USA in Taschkent. "Wir wollen, dass die USA Usbekistan nicht bloß als einen riesigen Militärstützpunkt für ihren Krieg gegen den Terrorismus betrachten, sondern auch als ein Land, in dem die Menschen Freiheit und Menschenrechte wollen", sagte einer der Demonstranten. In Usbekistan drohe ein Krieg. Dessen sollten sich die USA bewusst werden und den Demonstranten helfen. Sie forderten die USA auf, von ihrer Unterstützung für Karimow Abstand zu nehmen. Karimow ist im Kampf gegen den internationalen Terrorismus ein Verbündeter der USA.

Rice fordert mehr Reformen von Karimow

Am Montag hatte sich zuvor US-Außenministerin Condoleezza Rice in die Konflikte in Usbekistan eingeschlatet und die Regierung zu politischen Reformen in Richtung eines offeneren Systems aufgefordert. "Wir haben die Regierung Karimow dazu ermutigt, Reformen umzusetzen, das System weiter zu öffnen, den Menschen ein politisches Leben zu ermöglichen", hatte Rice vor Journalisten gesagt. "Dies ist ein Land, das gewissermaßen Druckventile braucht, die sich aus einem offeneren politischen System ergeben." Das politische System in Usbekistan bezeichnete sie als "zu verschlossen". Zwar seien die Einzelheiten der Ereignisse vergangener Woche noch nicht klar, aber nun liege die Priorität darauf, weitere Gewalt zu verhindern und den Flüchtlingen zu helfen.

Reuters / Reuters