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Venezuela: Ausschreitungen wegen TV-Sender-Aus

Weil der venezolanische Sender RCTV angeblich unterschwellige Putschbotschaften ausgestrahlt haben soll, wurde ihm kurzerhand die Sendelizenz entzogen. 5000 Demonstranten lieferten sich daraufhin gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Nach der Abschaltung eines regierungskritischen Fernsehsenders ist es in Venezuela zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Die Sicherheitskräfte gingen mit Tränengas und Wasserwerfern gegen etwa 5000 Kundgebungsteilnehmer vor. Diese versammelten sich anschließend auf einem anderen Platz in der Hauptstadt Caracas und forderten "Freiheit". Einige warfen Steine und Flaschen auf die Polizei, die wiederum Tränengas einsetzte.

Der linksgerichtete Präsident Hugo Chavez hatte die Lizenz für Radio Caracas Television (RCTV) nicht verlängert, weil der Sender im vergangenen Jahr eine Protestbewegung gegen ihn unterstützt hatte, die nach Regierungsangaben auch Putschpläne verfolgte. Auf der Frequenz von RCTV strahlt bereits ein neuer staatlicher Sender, TVES, sein Programm aus, begleitet von Lobliedern auf die Regierung.

Die Regierung forderte die Staatsanwaltschaft auf, gegen einen anderen Fernsehsender zu ermitteln. Globovision habe mit "unterschwelligen Botschaften" zur Ermordung des Präsidenten aufgerufen. Informationsminister Willian Lara erklärte, der Sender habe Bilder des Anschlags auf Papst Johannes Paul II. auf dem Petersplatz 1981 mit dem Refrain eines Salsa-Liedes unterlegt, in dem es heißt: "Hab' Vertrauen, dies endet nicht hier".

Der Chef von Globovision, Alberto Federico Ravell, wies den Vorwurf als lächerlich zurück. Sein Sender ist nach dem Aus von RCTV die größte der Opposition nahestehende Rundfunkstation, wenn er auch nicht in allen Teilen des Landes zu empfangen ist. Lara kritisierte auch den US-Sender CNN, weil dieser Bilder eines mutmaßlichen al-Kaida-Führers und Chavez' nebeneinander gestellt habe. Dies gehöre zu dem Versuch, den venezolanischen Präsidenten mit Terrorismus in Verbindung zu bringen. Auch in diesem Fall solle sich die Justiz einschalten, verlangte der Informationsminister.

AP / AP