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Venezuelas Staatspräsident: Rätselraten um Hugo Chavez' Gesundheitszustand

Seit Wochen liegt Venezuelas Staatschef nach seiner vierten Krebsoperation in einer Klinik. Er leidet an Atemnot nach einer Lungenentzündung, heißt es. Gerüchten zufolge steht es noch schlimmer.

Bei Venezuelas Präsident Hugo Chavez sind nach seiner jüngsten Krebsoperation Komplikationen aufgetreten. Chavez leide an einer "schweren Lungenentzüngung" und habe "Atembeschwerden", sagte Kommunikationsminister Ernesto Villegas am Donnerstag in Caracas. Die neuesten Komplikationen bedürften "strengster medizinischer Behandlung", hieß es in der Erklärung

Gerüchten zufolge ist der 58-Jährige Staatschef sogar dem Tode nahe. Seit über drei Wochen hat sich Chavez nicht mehr öffentlich blicken und auch nichts von sich hören lassen. Chavez war am 11. Dezember in Havanna operiert worden. Villegas warnte die Bevölkerung, die Opposition betreibe einen "psychologischen Gerüchte-Krieg" um den Gesundheitszustand des Präsidenten. Die Regierung bekräftige ihr Vertrauen in das kubanische Ärzteteam, das Chavez in Havanna betreut

Regierung: "komplexer postoperativer Zustand"

Am 10. Januar soll Chavez' Vereidigung für seine dritte sechsjährige Amtszeit stattfinden. Sollte er sterben oder zurücktreten, müssten laut Verfassung innerhalb von 30 Tagen Neuwahlen abgehalten werden. Als Kandidat für die regierenden Sozialisten würde voraussichtlich Chavez' Stellvertreter Nicolas Maduro antreten.

Die Regierung hatte bereits am Dienstag von einem "komplexen postoperativen Zustand" des Präsidenten gesprochen. Manchmal gebe es leichte Besserungen seines Gesundheitszustands, dann wieder "stagnierende Situationen", sagte Chavez' Stellvertreter und designierter Nachfolger Nicolás Maduro.

Maduro hielt sich in den vergangenen Tagen in Kuba auf, um sich ein Bild von Chavez' Gesundheitszustand zu machen. Zu Gerüchten über einen heraufziehenden Machtkampf zwischen ihm und Parlamentspräsident Diosdado Cabello sagte Maduro, sie seien "einiger als je zuvor". Die Opposition werde "2000 Jahre" darauf warten müssen, dass die Erben Chavez sich zerstritten, fügte Cabello hinzu.

Chavez hatte Aufgaben auf möglichen Nachfolger übertragen

Die Opposition hatte in den vergangenen Tagen von der Regierung Klarheit über Chavez' Gesundheitszustand gefordert. "Es ist unerlässlich, dass die Regierung die Wahrheit sagt", erklärte etwa der Generalsekretär des oppositionellen Bündnisses Tisch der Demokratischen Einheit (MUD), Ramón Guillermo Aveledo.

Der Linksnationalist Chavez steht seit 1999 an der Spitze des ölreichen südamerikanischen Landes, im Oktober wurde er für eine dritte Amtszeit wiedergewählt.

Vor seiner Abreise nach Kuba hatte sich Chavez für den 50-jährigen Maduro als seinen möglichen Nachfolger ausgesprochen. Zudem übertrug er ihm in einem Dekret einen Teil seiner Befugnisse. Laut dem Dekret erhielt der Vizepräsident unter anderem Mitspracherechte beim Staatshaushalt sowie bei Devisenkäufen und Enteignungen. Mit der Übertragung dieser Aufgaben soll nach offiziellen Angaben die "Arbeitsbelastung" von Chavez reduziert werden.

lin/DPA/Reuters/AFP / DPA / Reuters