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Verfahren gegen Ex-Muslim: Hoffnung für Rahman

Die neuerlichen offiziellen Erklärungen zum Fall des von der Todesstrafe bedrohten Afghanen Abdul Rahman klingen fast schon sanftmütig: Kabul bittet "höflich" um Geduld. Und es gibt weitere Anzeichen für eine Einstellung des Verfahrens.

Im Fall des von der Todesstrafe bedrohten Afghanen Abdul Rahman hat die afghanische Botschaft in den USA um Geduld gebeten. Die Regierung in Kabul sei sich der öffentlichen Aufmerksamkeit bewusst und suche nach dem besten Weg, den Fall juristisch zu lösen, hieß es in einer Erklärung der Botschaft in Washington. Die afghanische Regierung schütze die Religionsfreiheit und werde sicherstellen, dass die verfassungsmäßigen Rechte der Bürger und internationale Prinzipien eingehalten werden. Rahman droht wegen seines Übertritts vom Islam zum Christentum in Afghanistan eine Verurteilung.

Prüfung des Geisteszustandes

Die afghanische Justiz sei derzeit mit der Prüfung von Fragen bezüglich des Geisteszustandes des Beschuldigten beschäftigt, und die Ergebnisse könnten das Verfahren zu einem Ende bringen, heißt es in der Erklärung der Botschaft weiter. "Vor diesem Hintergrund bitten wir höflich darum, dass der Justiz Zeit gegeben wird, den Fall zu lösen".

Der Fall hatte weltweit Betroffenheit ausgelöst. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich am Mittwoch besorgt über den Prozess gegen den 40-Jährigen Rahman. Nach Angaben von Regierungssprecher Ulrich Wilhelm lässt sich Merkel von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) ständig über die Entwicklung unterrichten.

Sorge der Bundesrepublik

In einem Telefongespräch mit seinem Amtskollegen in Kabul äußerte Steinmeier die Sorge der Bundesrepublik wegen einer möglichen Verhängung der Todesstrafe. Das Auswärtige Amt (AA) wies darauf hin, Afghanistan habe Menschenrechtskonventionen unterzeichnet, in denen auch ausdrücklich Religionsfreiheit garantiert werde. Das Land müsse nun zeigen, dass es zu seinen internationalen Verpflichtungen stehe.

Die USA streben nach den Worten von Präsident George W. Bush eine diplomatische Lösung im Fall Rahman an. Er sei tief beunruhigt, dass ein Land, das von den USA befreit worden sei, einen Mann wegen dessen Religion verfolge, sagte Bush in Wheeling im Bundesstaat West Virginia. Er wolle sich bei der afghanischen Regierung für den Schutz der Glaubensfreiheit einsetzen.

Festnahme nach Rückkehr

Rahman, der lange in Deutschland lebte, war im Februar festgenommen worden, weil seine Familie ihm Glaubenswechsel vorgeworfen hatte. Der Angeklagte war vor 16 Jahren zum Christentum übergetreten, als er für eine Hilfsorganisation in Pakistan arbeitete. Er kehrte aus Deutschland in seine Heimat zurück, um sich um das Sorgerecht für seine bei den Großeltern lebenden beiden Töchter zu bemühen. Im Streit darum wurde der Glaubenswechsel den Behörden bekannt und Rahman verhaftet.

DPA / DPA