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Videoüberwachung des Sudan: Big Clooney is watching you

Der Sudan steht vor der Spaltung: Um mögliche Kriegsverbrechen und einen neuen Bürgerkrieg zu verhindern, soll das Land nun von Satelliten überwacht werden. Pate des Projekts ist Hollywood-Schauspieler George Clooney.

Was in Geschäften, Marktplätzen und Parkhäusern schon lange üblich ist, soll nun im ganz großen Stil auch auf Staatenebene angewendet werden: eine Videoüberwachung nahezu in Echtzeit. Kein geringerer als Hollywood-Star George Clooney hat nun eine Website vorgestellt, die mit Satellitenfotos die Lage im Sudan kontrollieren soll. Damit sollen mögliche Kriegsverbrechen in dem fragilen afrikanischen Land verhindert werden.

"Wir wollen, dass die potentiellen Urheber von Völkermord und Kriegsverbrechen wissen, dass wir sie beobachten, dass die Welt sie beobachtet", sagte Clooney. "Kriminelle gedeihen im Dunkeln. Es ist viel komplizierter, bedeutende Gräueltaten zu begehen, wenn man im Scheinwerferlicht der Medien steht", so der 49-Jährige, der sich seit Jahren für eine Befriedung der Lage im Sudan einsetzt und das Land bereits mehrfach bereiste.

Abstimmung über Unabhängigkeit

Die Bevölkerung im Südsudan stimmt ab dem 9. Januar über die Unabhängigkeit der Region vom Rest des Landes ab. Die Volksabstimmung ist der Höhepunkt eines Ende 2005 begonnenen Friedensprozesses, der den zwei Jahrzehnte dauernden Bürgerkrieg zwischen dem Norden und dem Süden des Sudan beendet hatte. Beobachter befürchten, dass sich an dem Referendum neue Gewalt entzündet.

Das Projekt, das auf der Website www.satsentinel.org läuft, nutzt kommerzielle Satelliten und kann Aufnahmen von möglichen Truppenbewegungen, Übergriffen, brennenden Dörfern und Flüchtlingsströmen machen. Die Daten sollen von den Vereinten Nationen über Unosat gesammelt, analysiert und im Internet mit aktuellen Berichten und Kartenmaterial zur Verfügung gestellt werden. Das Vorhaben ist das erste seiner Art, das Grenzstreitigkeiten, gewaltsame Übergriffe und Kriegsverbrechen aller Welt fast in Echtzeit vorführen würde. Die Aktion wird von den Vereinten Nationen, dem Unternehmen Google und einer Initiative von Hollywoodstars getragen. Zu ihren Mitbegründern gehören Don Cheadle, Matt Damin, Brad Pitt, David Pressman und Jerry Weintraub.

"Täter zur Verantwortung ziehen"

"Wir wollen zu den Bemühungen beitragen, einen Krieg zwischen dem Süden und dem Norden des Sudan zu verhindern", sagte Clooneys Mitstreiter bei "Not On Our Watch", John Prendergast. Wenn dennoch ein Krieg ausbrechen sollte, solle das Satellite Sentinel Project mit dazu beitragen, "dass die Verantwortlichen sich verantworten müssen und idealerweise Menschenrechtsverstöße im Zusammenhang mit einem Krieg verhindern".

nik/DPA/AFP / DPA