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Gewalt in der Türkei: Vier Tote bei Anschlägen in Istanbul

Eine Polizeistation und das US-Konsulat waren die Ziele von zwei Anschlägen, die sich am Montag in Istanbul ereignet haben. Auch im Südosten der Türkei starben mehrere Menschen bei Attentaten.

Drei Tote nach Anschlägen in Istanbul

Ein Polizist und zwei Attentäter sind bei der Explosion einer Autobombe in Istanbuls Stadtteil Sultanbeyli gestorben. Weitere zehn Menschen wurden verletzt.

Die Gewaltspirale in der Türkei hat nun auch die Metropole Istanbul erfasst: Zwei Anschläge erschütterten am Montag die Großstadt, mindestens vier Menschen kamen dabei ums Leben. Darunter war auch ein Angriff auf das US-Konsulat, zu dem sich die linksextreme Gruppe DHKP-C bekannte und bei dem niemand zu Schaden kam. Im Südosten der Türkei wurden zudem fünf Sicherheitskräfte bei mutmaßlichen Anschlägen kurdischer Rebellen getötet.

In der Nacht zum Montag verübte ein Selbstmordattentäter einen Autobombenanschlag auf eine Polizeiwache im Stadtteil Sultanbeyli im asiatischen Teil Istanbuls, wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Dabei starb der Attentäter, zehn Polizisten wurden verletzt. Ein türkischer Regierungsvertreter machte die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verantwortlich.

Wenige Stunden nach dem Selbstmordattentat gerieten Beamte der Spurensicherung unter Beschuss. Daraufhin entwickelte sich ein stundenlanges Feuergefecht zwischen Polizisten und den Angreifern, bei dem laut Behörden zwei Angreifer getötet wurden. Der Chef der Sprengstoff-Abteilung der Polizei, Beyazit Ceken, wurde schwer verletzt und starb kurz darauf im Krankenhaus. Zu seiner Beerdigung, die live im Fernsehen übertragen wurde, kam auch Staatschef Recep Tayyip Erdogan.

Bombenanschläge im Südosten des Landes

Etwa zeitgleich mit der Schießerei griffen Bewaffnete das schwer gesicherte US-Konsulat im Viertel Istinye im europäischen Teil der Stadt an. Die zwei Angreiferinnen konnten zunächst flüchten. Eine von ihnen wurde nach Behördenangaben kurze Zeit später verletzt festgenommen. Es handelte sich laut Anadolu um die 51-jährige Hatice A., die Medienberichten zufolge erst Anfang Juli in Erwartung eines Urteils aus einem Istanbuler Gefängnis entlassen worden war.

Die marxistische DHKP-C, die bereits 2013 einen Selbstmordanschlag auf die US-Botschaft in Ankara verübt hatte, bekannte sich zu der Tat. Auf ihrer Internetseite schrieb die Gruppe, die den Behörden zufolge der PKK nahe steht, der Kampf werde weitergehen, "bis der Imperialismus und seine Kollaborateure unser Land verlassen". Das US-Konsulat wurde vorläufig geschlossen.

In der südöstlichen Region Silopi in der an den Irak und Syrien grenzenden Provinz Sirnak wurden bei einem Bombenanschlag mindestens vier türkische Polizisten getötet. Örtliche Medien machten kurdische Rebellen für das Attentat verantwortlich. Ein Soldat wurde zudem laut der Nachrichtenagentur Dogan getötet, als PKK-Kämpfer einen Armeehubschrauber angriffen, der Soldaten in den Distrikt Beytussebap in Sirnak bringen sollte.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon ließ die Angriffe über seinen Sprecher als "terroristisch" verurteilen. Die Attacken erfolgten inmitten der Konfrontation zwischen türkischer Armee und der PKK sowie kurz nachdem die USA am Sonntag Kampfjets auf dem türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik für ihre Luftangriffe gegen die Extremistenorganisation Islamischer Staat (IS) in Syrien stationiert hatten. 

Bisher 390 Kurdenkämpfer getötet

Washington hatte den Nato-Verbündeten Türkei seit langem gedrängt, sich am Kampf gegen den IS zu beteiligen, worauf Ankara ausweichend reagiert hatte. Diese Haltung änderte sich nach einem Anschlag auf ein prokurdisches Treffen mit 32 Toten in der türkischen Stadt Suruc, für den die türkische Regierung den IS verantwortlich machte. Die Türkei flog daraufhin einige Luftangriffe gegen den IS in Syrien.

Gleichzeitig begann die Regierung mit Luftangriffen auf PKK-Stellungen im Nordirak. Dabei wurden nach amtlichen türkischen Angaben bisher 390 Kurdenkämpfer getötet. Bei landesweiten Razzien nahm die Polizei in den vergangenen Wochen zudem mehr als 1300 kurdische und linke Aktivisten fest.

Die PKK und die Türkei hatten nach dem Anschlag in Suruc ihren 2013 geschlossenen Waffenstillstand aufgekündigt. Die kurdischen Rebellen geben Ankara eine Mitschuld an dem Attentat und begannen mit einer neuen Welle von Angriffen und Anschlägen auf türkische Polizisten und Soldaten.

jho / AFP
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