Vor Prozess um Politkowskaja-Mord Vermutlich Attentat auf russische Anwältin


Die russische Menschenrechtsanwältin Karinna Moskalenko ist möglicherweise Opfer eines Giftanschlags geworden - in ihrem Auto wurde eine giftige Substanz gefunden. Sie ist erkrankt und kann nicht am Prozess um den Mord an der Journalistin Anna Politkowskaja teilnehmen.

Vor dem Prozess um die Ermordung der russischen Journalistin Anna Politkowskaja ist eine prominente Menschenrechtsanwältin erkrankt, nachdem in ihrem Auto eine verdächtige Substanz gefunden wurde. Karinna Moskalenko konnte deswegen nicht an einer Anhörung zu dem Gerichtsverfahren in Moskau teilnehmen. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Straßburg auf Anfrage mitteilte, ergab eine Analyse, dass es sich bei einer im Wagen der 53-Jährigen gefundenen Substanz um Quecksilber handeln könnte. Es seien weitere Untersuchungen angeordnet worden.

Moskalenko fühlt sich "immer schlechter"

Menschenrechtsgruppen sprachen von einem offenkundigen Giftanschlag auf die Anwältin. Wie Moskalenko der Nachrichtenagentur AFP sagte, entdeckte ihr Mann in ihrem Auto eine Substanz, die an Quecksilber erinnert. Sie fühle sich "immer schlechter", und auch ihren Kindern gehe es nicht gut. Sie habe sich in einem Straßburger Krankenhaus untersuchen lassen. Nähere Angaben wollte sie zunächst nicht machen. Sie warte erst die Schlussfolgerungen der französischen Ermittler und die Ergebnisse der ärztlichen Untersuchung ab, sagte die Russin.

Nach Angaben von Anna Stawizkaja, eine Anwältin von Politikowskajas Familie, klagte Moskalenko über Schwindel, Übelkeit und tränende Augen. Stawizkaja schloss nicht aus, dass ihre Kollegin vor dem Prozess über den Mord an der Journalistin eingeschüchtert werden sollte. Moskalenko vertritt neben Politkowskajas Familie auch den inhaftierten russischen Unternehmer Michail Chodorkowski sowie russische Staatsbürger, die Klagen gegen die Regierung beim dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg durchbringen wollen.

Im Zusammenhang mit dem Mord an Politkowskaja müssen sich vier Verdächtige vor Gericht verantworten. Die Journalistin wurde am 7. Oktober 2006 vor ihrem Apartmenthaus in Moskau erschossen. Sie hatte über Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien berichtet und galt als Kreml-Kritikerin. Über die Hintermänner der Bluttat ist noch immer nichts bekannt.

AP/AFP AP

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