Vormarsch Die Schlacht um Bagdad

Die Schlacht um Bagdad steht offenbar kurz bevor. Vor der Hauptstadt des Feindes stellten sich den alliierten Truppen Republikanische Garden, darunter die Medina-Division den US-Truppen in den Weg. Rund 100 Kilometer vor der Hauptstadt gibt es schwere Gefechte am Boden.

Die Schlacht um Bagdad steht offenbar kurz bevor. Beim Marsch in die Höhle des Feindes stehen den Alliierten jedoch Saddam Husseins Republikanische Garden, darunter vor allem die berüchtigte Medina-Division, im Weg. Beobachter haben Feuerblitze und schwerste Explosionen gemeldet, begleitet von massiven Bombardements durch riesige B-52-Maschinen. Kampf-Jets flogen in den vergangenen 24 Stunden mehr als 900 Einsätze, um die irakischen Linien zu schwächen. Für den britischen Premierminister Tony Blair nähert sich ein "kritischer Augenblick", wenn die Alliierten auf einige der treuesten und tapfersten Anhänger des irakischen Machthabers treffen. Auch der pensionierte US-Oberst Gary Anderson sagt: "Dann werden wir wirklich wissen, woran wir sind." Derzeit behindern schwere Sandstürme die Kämpfe; laut Berichten werden die alliierten Panzer wegen der schlechten Sicht aus großer Nähe beschossen.

Die Medina-Division

US-Kriegsplaner Tommy Franks in Katar hat Kampfflugzeuge, Bomber und zuletzt auch Apache-Hubschrauber gegen Stellungen der Medina- Einheit im Süden Bagdads geschickt. Sie ist nach den Worten des amerikanischen Armeegenerals Stanley McChrystal eine der besten und kampfstärksten Verbände des Irak, eine "zuverlässige Stütze der Republikanischen Garden". Zu ihr gehören drei Panzer-Brigaden und eine Infanterie-Brigade von zusammen je nach Schätzung 7000 bis 10 000 Mann.

Aufforderung zur Kapitulation

Doch McChrystal hofft auch, dass die Truppe in den vergangenen 48 Stunden durch das ständige Trommelfeuer aus Franks’ "unglaublich flexiblem" Arsenal bedeutend geschwächt wurde. Auch die stete Aufforderung zur Kapitulation durch Flugblätter werde ihre Wirkung nicht verfehlt haben, meint er. Konkrete Anzeichen dafür gibt es aber bisher nicht. US-Generalstabschef Richard Myers sagt, mit Schlägen aus der Luft sollten zwei westlich von Bagdad stehende Divisionen der Republikanischen Garden daran gehindert werden, sich in Richtung Hauptstadt zu bewegen und die Medina zu verstärken.

Die Republikanischen Garden entstanden aus einer relativ kleinen Leibwache des irakischen Präsidenten. Daraus wurde während des Krieges zwischen dem Irak und Iran in den achtziger Jahren eine Truppe von etwa 150 000 Mann. Sie erhielt das beste Gerät und den besten Sold. Ihre Mitglieder gelten als extrem loyal. Die Garden sind nicht der Führung der Streitkräfte, sondern dem Sicherheitsapparat unterstellt.

"Medina die Leuchtende"

Die nach der Pilgerstadt "Al Madina al Munawara" ("Medina die Leuchtende") getaufte Division war eine der Einheiten, die am 2. August 1990 in Kuwait einmarschierten und damit den Startschuss zum Golfkrieg gaben. Seit 1997 wurde der Division die Verteidigung Bagdads übertragen. Sie verfügt nach Informationen der "Washington Post" heute über etwa je 250 Panzer und gepanzerte Mannschaftstransporter und rund 60 Artilleriegeschütze. Außerdem habe sie leichte Luft-Boden-Raketen der Typen SA-14 und SA-16. Mitte September 2002 entdeckten US-Satelliten, dass zwei Brigaden ihre Stützpunkte in Tadschi nördlich von Bagdad verließen. Nun haben es die Angreifer mit einer auseinander gezogenen Streitmacht zu tun.

Sandstürme behindern alliierten Vormarsch im Irak

Schwere Sandstürme haben am Dienstag den Vormarsch amerikanischer und britischer Bodentruppen an verschiedenen Kriegsschauplätzen behindert. Ein dpa-Reporter berichtete aus der Nähe der Stadt Nasirija, die Sichtweite betrage nur 50 Meter. Kampfhubschrauber könnten nicht zum Einsatz kommen.

Ein CNN-Reporter, der sich mit Einheiten der 7. amerikanischen Kavalleriedivision auf dem Weg nach Bagdad befand, erklärte, die Panzereinheiten würden wegen der schlechten Sicht aus geringer Nähe mit Maschinengewehren beschossen. Die Einheit habe inzwischen eine Brücke über den Fluss Euphrat überquert. Die Brücke sei vermient gewesen. Die irakische Armee habe aber offenbar keine Zeit gehabt, die Sprengladungen zur Explosion zu bringen.


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