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Vorwahlen in den USA: Wählerwut auf die Etablierten

In den USA hat die Vorwahlsaison begonnen. Bei den ersten Abstimmungen über künftige Kandidaten mussten Demokraten als auch Republikaner Niederlagen einstecken: Die Amerikaner entdecken die Protestparteien.

Mit Wut im Bauch werden im November viele Amerikaner das gesamte Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats neu wählen. Sie sind sauer auf ihre Abgeordneten, die zu wenig gegen die Wirtschaftskrise unternehmen - diese Stimmung zumindest herrscht laut Umfragen in den Vereinigten Staaten. Und wie wütend sie sind, zeigte sich nun bei parteiinternen Vorwahlen, die in einigen Bundesstaaten stattgefunden haben: Die Verlierer stammen vor allem aus dem Lager der beiden Großparteien Demokraten und Republikaner.

Nach 30 Jahren nicht mehr wiedergewählt

Prominentestes Opfer war der demokratische Senator Arlen Specter, den die Parteibasis nach 30-jähriger Amtszeit nicht mehr für eine weitere Kandidatur für die Wahl im November nominierte. Spector war nach jahrzehntelanger Mitgliedschaft bei den Republikanern 2009 zu den Demokraten gewechselt und hatte im Wahlkampf die Unterstützung von Präsident Barack Obama genossen. Viele Wähler an der Parteibasis hatten ihm aber seinen Parteiwechsel als opportunistisches Manöver übelgenommen. Nun musste sich der 80-jährige Senatsveteran in Pennsylvania einem parteiinternen Herausforderer, dem Abgeordneten Joe Sestak, geschlagen geben. "Die Leute wollen einen Wechsel", sagte Sestak bei der Siegesfeier.

In Arkansas überstand die demokratische Senatorin Blanche Lincoln zwar die erste Wahlrunde, ist aber politisch schwer angeschlagen. Umfragen zufolge dürfte sie bei der eigentlichen Wahl in einem halben Jahr ihren Senatorensitz gegen den Kandidaten der Republikaner verlieren. Das wiederum könnte US-Präsident Barack Obama in Bedrängnis bringen: Denn Lincoln hat es sich zum Ziel gemacht, den außerbörslichen Derivatehandel zu Ungunsten der Banken stärker zu regulieren.

Bei den Vorwahlen in Pennsylvania, Kentucky und Arkansas ging es darum, Senatskandidaten per Urwahl für die Wahl im Herbst zu nominieren. Die zeitgleich abgehaltene Nachwahl in einem Wahlkreis im Bundesstaat Pennsylvania diente dazu, einen Nachfolger für den verstorbenen demokratischen Abgeordneten John Murtha zu bestimmen.

Immerhin ein Sieg der Demokraten über die Republikaner

Als einziges ermutigendes Zeichen werteten Obamas Demokraten allerdings den Sieg ihres Kandidaten Mark Critz gegen einen republikanischen Gegner bei der Nachwahl für einen Sitz im Repräsentantenhaus in einem Wahlkreis in Pennsylvania. Die Republikaner hatten sich Hoffnungen gemacht, den Demokraten den Wahlkreis abzunehmen.

Auch die republikanische Basis ließ die Parteiführung ihren Unmut spüren. Bei der Senatsvorwahl in Kentucky setzte sich der Arzt Rand Paul, der sich der ultrakonservativen "Tea Party"-Basisbewegung zurechnet, klar gegen den vom Partei-Establishment gestützten Kandidaten Trey Grayson durch. "Dies ist der Tag der Abrechnung", sagte Paul. "Die 'Tea Party'-Bewegung sendet die Botschaft an Washington, dass wir nicht zufrieden sind."

Republikanische Parteistrategen fürchten zunehmend, dass die Spannungen zwischen der von Politikverdrossenheit getriebenen Basisbewegung und dem Partei-Establishment die Wahlchancen im November schmälern könnte. Erst vor wenigen Wochen hatte in Utah der republikanische Senator Bob Bennet bei einer parteiinternen Abstimmung gegen "Tea Party"-Kandidaten verloren.

DPA/Reuters/APN / DPA / Reuters