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Waffenruhe in Nahost gescheitert: Israel greift Häuser von Hamas-Mitgliedern an

Israels Ministerpräsident Netanjahu hatte eine Ausweitung des Einsatzes angekündigt und ließ Luftangriffe gegen Stellungen der Hamas im Gazastreifen fliegen. Die Zahl der Toten steigt.

Nach dem Scheitern einer Waffenruhe hat Israel weitere Luftangriffe auf den Gazastreifen geflogen. Dabei wurde nach Militärangaben das Haus eines ranghohen Hamas-Mitglieds zerstört. Es ist das erste Mal seit Beginn des jüngsten Konflikts, dass Israel einen Politiker aus der Hamas-Führungsebene ins Visier genommen hat. Mahmud Sahar soll sich zum Zeitpunkt des Angriffs vermutlich jedoch an einem anderen Ort aufgehalten haben.

Bei den Luftangriffen in den frühen Morgenstunden starben nach palästinensischen Angaben mindestens drei Menschen. Damit wurden seit Beginn des jüngsten Konflikts mindestens 191 Palästinenser getötet, darunter mehr als 30 Kinder. Nach israelischen Angaben feuerten radikale Palästinenser allein seit Dienstagvormittag, als die Waffenruhe hätte in Kraft treten sollen, 123 Raketen auf Israel ab. Erstmals seit Beginn der jüngsten Auseinandersetzungen starb dabei auch ein Israeli.

Bodenoffensive nicht ausgeschlossen

Israel rief die Bewohner im nördlichen Gazastreifen zum Verlassen ihrer Häuser auf. Dies sollte "zu ihrer eigenen Sicherheit" geschehen, teilte das Militär mit. Zivile Opfer bei Luftangriffen gegen Stellungen der islamistischen Hamas sollen so vermieden werden. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat eine Ausweitung des Einsatzes angekündigt, nachdem eine Feuerpause lediglich sechs Stunden währte.

Auch eine Bodenoffensive im Gazastreifen wird nicht ausgeschlossen. Die Regierung hat Zehntausende Reservisten eingezogen. Bislang hat Israel vor allem die Luftwaffe eingesetzt.

Die diplomatischen Bemühungen um eine Deeskalation laufen derweil weiter. In Kairo soll Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas zu einem Gespräch mit dem ägyptischen Machthaber Abdel Fattah al-Sissi zusammenkommen, um über die Chancen des von Ägypten vorgelegten Fahrplans für eine Waffenruhe zu beraten. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hatte in der Region vergeblich für eine Feuerpause geworben.

nck/Reuters/DPA / DPA / Reuters