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Neue Kämpfe in Nahost: Israel will Angriffe auf Gaza noch verschärfen

Nur wenige Stunden währte die Feuerpause im Gazastreifen. Die Hamas hatte sie ohnehin ignoriert. Nun setzt auch Israel seine Angriffe fort - härter als zuvor.

Eine Rakete trifft ein Haus in Gaza. Eine Waffenruhe, zunächst einseitig von Israel akzeptiert, ist schon wieder gescheitert.

Eine Rakete trifft ein Haus in Gaza. Eine Waffenruhe, zunächst einseitig von Israel akzeptiert, ist schon wieder gescheitert.

Nach dem Scheitern einer Waffenruhe im Gaza-Konflikt will Israel seine Luftangriffe auf Stellungen der islamistischen Hamas noch ausweiten. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte am Dienstagabend, die Hamas habe Israels einseitige Feuerpause über sechs Stunden ignoriert und weiter Raketen abgefeuert. Nun werde die Miliz dafür "einen hohen Preis bezahlen". Erstmals gab es auch ein israelisches Todesopfer. Ein Zivilist wurde laut Armee am Grenzübergang Eres von einer Rakete getötet.

Netanjahu ließ weiter offen, ob nun israelische Bodentruppen in den Küstenstreifen am Mittelmeer einmarschieren. Dies hat Außenminister Avigdor Liebermann, der als Scharfmacher im Kabinett gilt, ausdrücklich gefordert. "Wir wollen die Infrastruktur des Terrors zerstören. Daher kann man diese Militäraktion nicht nur aus der Luft betreiben", sagte er. Israelische Beobachter hielten es aber weiter für möglich, dass beide Seiten doch noch einen Waffenstillstand vereinbaren.

Hamas fühlte sich übergangen

Israel hatte ab dem Vormittag sechs Stunden lang seine Luftangriffe einseitig gestoppt. Die Hamas aber feuerte weiter Dutzende Raketen Richtung Israel, weil sie sich von der diplomatischen Initiative Ägyptens für die Feuerpause übergangen sah. Nachmittags setzte dann auch die israelische Armee ihre Attacken fort.

Ägyptens Fahrplan für eine Waffenruhe sah neben einer Feuerpause vor, Grenzübergänge für Menschen und Güter zu öffnen, sobald sich die Sicherheitslage stabilisiert.

Steinmeier fordert Nutzung der "Dynamik"

Das Wechselbad geweckter und zerronnener Friedenshoffnungen überschattete auch den Besuch von Außenminister Frank-Walter Steinmeier in der Region. Der SPD-Politiker hatte zuvor Netanjahu, Lieberman und in Ramallah Palästinenserpräsident Mahmud Abbas getroffen. Steinmeier drängte, die entstandene "Dynamik" zu nutzen. Dem ZDF-"heute journal" sagte er, der Tag sei "in der Tat nicht erfolgreich" verlaufen. Dennoch sei "der Vorschlag der Ägypter in der Welt", er werde "auf beiden Seiten ernsthaft diskutiert".

Tatsächlich hatte sich die im Gazastreifen herrschende Hamas übergangen gesehen und den Vorstoß von vornherein abgelehnt. "In keinem Krieg hat es je eine Feuerpause ohne vorherige Vereinbarung gegeben", argumentierte der militärische Arm der Islamisten-Bewegung. Der hochrangige Hamas-Funktionär Issat al-Rischak schrieb auf seiner Facebook-Seite: "Der ägyptische Vorschlag ist weder mit der Hamas noch mit dem Islamischen Dschihad noch mit irgendeiner anderen palästinensischen Widerstandsfraktion erörtert oder diskutiert worden."

Das israelische Militär zählte bis zum Abend 125 Raketenabschüsse aus dem Gazastreifen. In der Hafenstadt Aschdod wurde ein Haus direkt getroffen. Nach Aufhebung der einseitigen Feuerpause berichtete das israelische Militär, die Luftwaffe habe 30 Bombenangriffe geflogen, von denen 20 Raketenstellungen gegolten hätten.

Hälfte der Opfer sollen Zivilisten sein

Der gegenseitige Beschuss dauert schon eine Woche. Nach Angaben palästinensischer Rettungsdienste wurden seither in Gaza mindestens 194 Menschen getötet und mehr als 1400 weitere verletzt. Mindestens die Hälfte der Opfer waren demnach Zivilisten.

Israel hat in den vergangenen sieben Tagen nach eigenen Angaben inzwischen 1576 Hamas-Ziele angegriffen. Die Hamas hat demnach wiederum mehr als 1000 Raketen auf Israel abgefeuert. Nur knapp 200 davon wurden vom israelischen Abwehrsystem abgefangen, die meisten übrigen schlugen in unbewohntem Gebiet ein.

Auslöser der jüngsten Eskalation der Gewalt waren die Entführung und Ermordung von drei israelischen Teenagern und der mutmaßliche Rachemord an einem palästinensischen Jungen. Eine 2012 vereinbarte Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas, die seit 2007 im Gazastreifen herrscht, wurde daraufhin endgültig Makulatur.

mad/anb/DPA / DPA