Wahl in Großbritannien Gute Aussichten für Tories-Chef Cameron

Wenige Tage vor der Unterhauswahl in Großbritannien zeichnet sich immer deutlicher eine Niederlage von Premierminister Gordon Brown und seiner Labour-Partei ab.

Wenige Tage vor der Wahl in Großbritannien deutet immer mehr auf einen Regierungswechsel hin. Während sich die konservativen Tories auf der Zielgeraden sehen, muss die regierende Labour-Partei von Premierminister Gordon Brown immer neue Rückschläge einstecken. Am Wochenende kündigten mehrere Zeitungen Labour die Gefolgschaft auf. Brown ging zudem aus der letzten TV-Debatte vor der Parlamentswahl an diesem Donnerstag als Verlierer hervor.

In Umfragen vom Wochenende lagen die Tories von Parteichef David Cameron zwar weiter vorne. Sie kommen aber nicht auf die absolute Mehrheit der Stimmen. Sie wären deshalb möglicherweise auf die Unterstützung der Liberaldemokraten angewiesen. Der Chef der kleineren Partei, Nick Clegg, sah nun ein "Rennen mit zwei Pferden" - zwischen ihm und Cameron. Jedoch sackte die Unterstützung für die "Lib Dems" nach einem Höhenflug wieder etwas zusammen.

Klare Koalitionsaussagen gibt es bisher nicht. Aber Clegg wollte bisher weder eine Zusammenarbeit mit den Tories noch mit Labour ausschließen.

Die Zeitungen "The Times" und das Schwesterblatt "Sunday Times" sowie andere Zeitungen sagten nun den Tories ihre Unterstützung zu. Der linksliberale "Guardian" und dessen Schwesterblatt "Observer" dagegen den Liberaldemokraten, da nur so das "unfaire Wahlsystem" geändert werden könnt. Wegen des Mehrheitswahlrechts in Großbritannien haben kleinere Parteien wenig Chancen, auf die Regierungsbank zu kommen.

Cameron warnte derweil vor verfrühtem Enthusiasmus, gab sich aber selbstsicher. "Alles, an was ich jetzt denke, ist, den Sieg zu sichern." Brown sei eine "geschrumpfte Figur", die sich verzweifelt an die Schlüssel der Downing Street Nummer 10 klammere.

Dem Premier machte ein schwerer Patzer zu schaffen. Er hatte über eine Wählerin gelästert, aber nicht bemerkt, dass ihm noch ein Mikrofon am Hemd steckte. Er zahle für den Fehler einen "hohen Preis", sagte er. Er gestand auch ein, "um sein Leben" zu kämpfen. "Ich gebe niemals auf", sagte der Regierungschef. Verliert Labour nach 13 Jahren an der Macht, muss wahrscheinlich auch Brown als Parteichef der Sozialdemokraten gehen. Er hatte vor drei Jahren die Nachfolge von Tony Blair angetreten, ohne gewählt worden zu sein.

Die Umfragen sind immer noch schwankend, was diese Wahl so spannend macht. Die Tories liegen in verschiedenen Befragungen vom Sonntag zwischen 38 und 35 Prozent, Labour zwischen 29 und 23 Prozent und die Liberaldemokraten zwischen 29 und 25 Prozent. Der Meinungsforschungs-Experte der BBC erklärte, die Umfragen zeigten zwei Trends: Dass sich die Unterstützung für die Tories verfestigte und die für die "Lib Dems" schwinden könnte.

Die Aussagekraft von Umfragen ist allerdings eingeschränkt, weil im Mehrheitswahlsystem die prozentual stärkste Partei nicht unbedingt die meisten Sitze im Parlament bekommt. In Großbritannien gibt es keine Zweitstimme. Ins Parlament gewählt wird nur der Kandidat, der im Wahlkreis die meisten Stimmen bekommt. Die Stimmen für die unterlegenen Kandidaten verfallen. Von dem System profitieren die beiden großen Parteien. Eine Koalitionsregierung gab es in London erst einmal nach dem Krieg. Sie brach jedoch schnell wieder zusammen.

DPA/Reuters DPA Reuters

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