Wahlen in Frankreich "Franzosen vor der großen Versuchung"


Über eines freut sich die Presse nach dem ersten Präsidentschaftswahlgang besonders: die sehr hohe Wahlbeteiligung. Doch vielen fehlen die politischen Inhalte und sehen das Image der Kandidaten zu sehr im Vordergrund.

"The Times": "Frankreich sollte Sarkozy und mit ihm den Wandel wählen"

Die konservative britische Zeitung "The Times" empfiehlt den Franzosen, Nicolas Sarkozy zum Präsidenten zu machen: "Der nächste Wahlgang bietet eine große Chance. Wenn Frankreich am Wandel interessiert ist, wird es Sarkozy wählen und verstehen, dass seine Worte, so verschlüsselt sie notwendigerweise in den kommenden 14 Tagen auch sein mögen, die Bitte um ein Mandat für Aktionen sind. Es wird seine Position stärken, indem es bei den kurz darauf folgenden Wahlen zur Nationalversammlung dafür sorgt, dass er dort eine ihm wohlgesinnte Mehrheit bekommt. Wenn Frankreich aber weiter versuchen will, sich durchzuwursteln, was falsch wäre, dann wird es Royal unterstützen und den Linken die Kontrolle des Parlaments servieren."

"La Repubblica": "Eine Frau bekommt ihre Chance"

Zu den Präsidentenwahlen in Frankreich schreibt die römische Zeitung "La Repubblica": "Die Zulassung der sozialistischen Kandidatin zur Stichwahl am 6. Mai signalisiert zugleich das Ende eines Albtraums der Linken, die von der Angst gezeichnet war, eine weitere entwürdigende Niederlage zu erleiden wie vor fünf Jahren. Nun ist Segolene Royal in der Tat die erste Frau, die in den Elysee-Palast einziehen könnte, wo schon Charles de Gaulle und Francois Mitterrand das höchste französische Staatsamt ausgeführt hatten. Es wird für sie aber nicht leicht werden, diese Schwelle zu überschreiten, denn der Herr des Mitte- Rechts-Lagers, Nicolas Sarkozy, ist nach der Abstimmung vom Sonntag in klarem Vorteil. Dennoch ist die Partie offen."

"De Volkskrant": "Erleichterung bei Sozialisten"

Die niederländische Zeitung "de Volkskrant" schreibt zur ersten Runde der Präsidentenwahlen in Frankreich: "Trotz der weit verbreiteten Unzufriedenheit über den politischen Betrieb wird das Finale der französischen Präsidentschaftswahl ein klassisches Duell zwischen Rechts und Links. Dafür haben sich in der ersten Runde Nicolas Sarkozy für die konservative Regierungspartei UMP und die sozialistische Kandidatin Segolene Royal qualifiziert. Dieses Ergebnis ist vor allem eine Erleichterung und eine Aufmunterung für die Sozialisten. In den letzten Wochen lag der Zentrumskandidat Bayrou Royal im Nacken mit der Möglichkeit, dass sie nicht in die zweite Runde kommt. Nach dem Debakel vor fünf Jahren, als der sozialistische Kandidat Lionel Jospin durch Jean-Marie Le Pen abgetrumpft wurde, hätte eine erneute Niederlage in der ersten Runde die Partei zweifellos in eine tiefe Krise gestürzt. Aber Royal hat den zweiten Platz gehalten, sogar mit großem Vorsprung."

"The Guardian": "Sarkozy und Royal nutzen Schwächen des jeweils anderen"

Bis zur Stichwahl in Frankreich werden beide Kandidaten versuchen, Schwächen des jeweils anderen auszunutzen, schreibt die britische Zeitung "The Guardian": "Sarkozy hat versprochen, die Wirtschaft zu liberalisieren, mit stärkeren Gesetzen gegen die Kriminalität vorzugehen, erzürnte Einwanderer in den Randgebieten einzubeziehen und den Stolz darauf wieder herzustellen, Franzose zu sein. Als Frankreichs erste weibliche Präsidentin würde Royal das auch alles machen wollen, jedoch hat sie ein weniger energisches Herangehen an das Sozialsystem und einen leichteren Umgang mit den desillusionierten Randzonen in Aussicht gestellt. Sie hat es dabei vermieden, ins Detail zu gehen. Stattdessen ist sie auf Distanz gegangen zu den Wortführern sowohl der Rechten, als auch der Linken innerhalb der Sozialistischen Partei, und hat versprochen, die Mutter der ganzen Nation zu sein. Beide Kandidaten werden nun versuchen, die wahrgenommenen Schwächen des anderen auszunutzen."

"El Mundo": "Sarkozy geht mit einem Vorteil in die Stichwahl"

Zur Präsidentenwahl in Frankreich schreibt die Madrider Zeitung "El Mundo": "Nicolas Sarkozy wird neuer französischer Präsident, wenn er die Wähler des Zentrums für sich gewinnt. Das Resultat des ersten Wahlgangs bedeutet für ihn einen glatten Erfolg. Sarkozy hat die Erwartungen übertroffen und geht mit einem klaren Vorteil in die Stichwahl gegen Segolene Royal. Er erzielte in der ersten Runde einen Vorsprung von über fünf Prozentpunkten.

Diese Distanz wird die Sozialistin in zwei Wochen kaum aufholen können. Es ist auch sehr unwahrscheinlich, dass Royal sich mit den Zentristen von François Bayrou verbündet. Eine solche Allianz bedeutete für beide Seiten einen Sprung ins Nichts. Die natürlichste Lösung wäre ein Mitte-Rechts-Bündnis."

"Libération: "Frankreich hat die Linke gerettet"

Die linksliberale Pariser Zeitung "Libération" kommentiert die französische Präsidentenwahl: "Frankreich hat die Linke gerettet. Trotz einer unsicheren Kampagne und Messerstiche aus dem eigenen Lager nähert sich Segolene Royal den Ergebnissen François Mitterrands im ersten Wahlgang, was alle Hoffnung für den zweiten lässt. (...) Sarkozy steht sehr weit rechts, einverstanden. Doch diese Wahl darf sich nicht einfach in ein Referendum über einen Mann verwandeln, auch nicht symbolisch. Einem negativen Projekt muss man ein positives entgegensetzen. Die Madonna der Parteitreffen kann sich nicht damit begnügen, mit dem Finger auf den bösen Sarkozy zu zeigen. Sie muss Maßnahmen, Vorschläge, Entscheidungen verteidigen. Der Kampf beginnt."

"Dagens Nyheter": "Bayrou der eigentliche Sieger"

Die liberale Stockholmer Tageszeitung "Dagens Nyheter" meint zur ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen: "Nun kommt in Frankreich das Duell zwischen Segolene Royal und Nicolas Sarkozy. Entschieden wird es von den Wählern des Mitte-Kandidaten François Bayrou. Deshalb ist Bayrou der eigentliche Sieger bei den Präsidentschaftswahlen 2007, obwohl er nicht in die zweite Runde gekommen ist.

Mit seinen 18 Prozent hat er nicht nur die Mitte in der französischen Politik neu aufgebaut. Seine Wähler bestimmen nun auch, wer es in den Elyséepalast schafft. Diese neue Mitte hat eine Neigung nach links. Zu ihr gehören Menschen, die sich von Sarkozys harten Haltungen abgestoßen fühlen und die gleichzeitig das Grundempfinden haben, dass Frankreich Einigung statt Gegnerschaft braucht. (...) Viel spricht jetzt dafür, dass Segolene Royal Frankreichs nächste Präsidentin wird. (...) In der ersten Runde nahmen die Wähler ihre Aufgabe ernst. Sie gaben Zensuren für die bisherige Rechtsführung ab und zeigten, auf welcher Seite die Macht in den kommenden Jahren liegen soll."

"Rheinische Post": "Absturz des braunen Volkstribuns"

"Jean Marie Le Pen, Führer der fremdenfeindlichen Front National (FN), hat es nach seinem Überraschungssieg von 2002 nicht erneut in die zweite Runde einer französischen Präsidentenwahl geschafft. Der braune Volkstribun ist geradezu abgestürzt, sein Stimmenanteil hat sich fast halbiert. Damit bleibt Frankreich eine weitere Blamage erspart. Es sind die beiden Favoriten, die Sozialistin Segolene Royal und der Konservative Nicolas Sarkozy, die das Rennen zum Elysée unter sich ausmachen werden.

Aber beide sind den Franzosen im Wahlkampf konkrete Aussagen über ihre politischen Pläne weitgehend schuldig geblieben. Nicht Programme, sondern kurzatmiger Populismus und der Kult um Personen standen im Vordergrund, und es ist nicht zu erwarten, dass sich in den zwei verbleibenden Wahlkampf-Wochen bis zum 6. Mai daran viel ändern wird. Diese Wahl hat eine Trendwende bewirkt. Die Franzosen interessieren sich wieder für Politik, trotz des schwelenden Misstrauens gegenüber dem politischen Personal. Das hat sich gezeigt beim Ansturm auf die Wahlkampfveranstaltungen und natürlich in der sensationell gestiegenen Wahlbeteiligung. Nach zwölf lähmenden Chirac-Jahren hegen die Franzosen offensichtlich die Hoffnung, dass sich in ihrem Land endlich etwas zum Besseren wenden könnte."

"Sächsische Zeitung": "Royal sammelt Stimmen aus den Vorstädten"

"Segolene Royal ist es gelungen, viele Stimmen aus den Vorstädten zu holen, die mit ihrem hohen Anteil an Einwanderern seit Jahren als Unruheherd gelten. Nicolas Sarkozy wiederum hat es geschafft, mit seinen nationalistischen Tönen viele Wähler aus dem rechten Lager für sich zu gewinnen. Diese Strategie des Konservativen und die sensationell hohe Wahlbeteiligung haben dafür gesorgt, dass der Rechtsextremist Le Pen diesmal nicht in die Stichwahl gekommen ist. Das ist das erfreulichste und wichtigste Ergebnis dieses ersten Wahlgangs."

"Reutlinger Generalanzeiger": "deutschfeindliche Parolen von Sarkozy"

"Mit strammen Sicherheitsparolen konnte Sarkozy Rechtsaußen Jean- Marie Le Pen Wähler abspenstig machen. Dass er jüngst zu latent deutschfeindlichen Parolen griff, lässt allerdings aufhorchen. Die rückwärts gewandten Töne könnten ein erster Hinweis darauf sein, dass sich hinter der vielfach inszenierten Modernität ein gerüttelt Maß überwunden geglaubtes Nationalstaatsdenken verbirgt. Auf ganz andere Weise ist aber auch Royal an die Tradition gefesselt. Sie mag einen unkonventionellen Wahlkampf führen und mit persönlichem Charme punkten. Doch ihr Programm von 35-Stunden-Woche, höherem Mindestlohn und mehr Staatsausgaben ist der sozialistischen Mottenkiste entnommen. Und so wird Frankreich - egal, wohin es aufbricht - dabei viel Ballast mit sich zu schleppen haben."

"Lausitzer Rundschau": "Große Koalition nicht denkbar"

"Die Franzosen stehen jetzt vor einer klaren Wahl. Sie ist in Vielem durchaus vergleichbar der Qual, die ihre deutschen Nachbarn beim letzten nationalen Urnengang hatten, und der sie sich mit einem deutlichen Unentschieden entzogen. Große Koalitionen sind aber nicht denkbar bei der Besetzung des mit viel Macht ausgestatteten Amtes in Paris. Dass der konservative, fordernde Nicolas Sarkozy gewinnt, ist allerdings eine riskante Vorhersage. Segolene Royal ist eine große Versuchung für viele Franzosen, als Frau wie auch als Kämpferin für eine Politik des sozialen Ausgleichs. Beide, Royal wie Sarkozy werden jedenfalls die gestrige Botschaft beachten - dass das Land im Westen das Neue will."

"Badische Zeitung": "Realitätssinn ist eingekehrt"

"Der Wähler hat in einer Demokratie sowieso immer Recht. Aber in diesem Fall möchte man ihm besonders anerkennend auf die Schulter klopfen. Klaren Kopf hat er bewiesen. Vorbei die Zeiten, da die Franzosen in ihrem Zorn auf die Selbstherrlichkeit der Mächtigen den Volksverhetzer Jean-Marie Le Pen in die Stichwahl schickten. Vorbei auch die Zeiten, da das Volk in blindem Aufbegehren gegen Regierung und Opposition die von beiden empfohlene EU-Verfassung vom Tisch fegte. Realitätssinn ist eingekehrt. Es geht endlich um die Sache. Indem der Wähler mit deutlicher Mehrheit den Rechtsbürgerlichen Sarkozy und die Sozialistin Royal in die Stichwahl geschickt hat, kann er nun am 6. Mai entscheiden, wohin der allseits beschworene Aufbruch gehen soll."

"Kölnische Rundschau": "Der Ton entscheidet über den Ausgang"

"Angesicht einer Segolene Royal, die die Bürger überzeugen möchte, und eines Nicolas Sarkozy, der ihnen seine Überzeugungen aufzwingen will, dürfte es nun der Ton sein, der über den Ausgang der Wahlen entscheidet. Und das Image der Kandidaten. Erst jetzt beginnt das wirkliche Duell. Sein Ausgang ist offen. Das Zünglein an der Waage könnte aber die Frage spielen, ob sich die Franzosen tatsächlich eine ihre Macht delegierende und auf mehr demokratische Teilnahme setzende Frau in der Rolle des Staatsoberhauptes vorstellen können. "

"Märkische Allgemeine": "Traumfinale"

"Die Überraschung ist ausgeblieben. Frankreich bekommt den erwarteten Zweikampf um die Präsidentschaft. Segolene Royal gegen Nicolas Sarkozy - im Sport würde man wohl von einem Traumfinale sprechen. Hier die fotogene Sozialistin, die es als erste Frau schaffen kann, in den Elyséepalast einzuziehen. Dort der ehrgeizige Konservative, der mit seinem demonstrativen Eintreten für Recht und Ordnung polarisiert. Vieles spricht dafür, dass "Speedy Sarko", wie der quirlige Ex-Innen- und Wirtschaftsminister genannt wird, in der Stichwahl die besseren Karten hat. Denn die Anhänger des Zentrumspolitikers Francois Bayrou und die des Rechtsextremen Jean- Marie Le Pen dürften wohl eher ihm als der Sozialistin Royal ihre Stimmen geben."

DPA DPA

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