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Wahlkampftrip nach Kabul: Taliban antworten Obama mit Anschlag

US-Präsident Obama war nach Kabul gereist, um Wahlkampf zu machen und ein Abkommen mit Afghanistan zu unterzeichnen. Die Taliban lehnen den Vertrag ab – und antworteten mit Gewalt.

Wenige Stunden nach dem Blitzbesuch von US-Präsident Barack Obama Barack Obama in Afghanistan sind bei einem Taliban-Anschlag in Kabul mindestens acht Menschen getötet worden. Bei den Toten handelte es sich nach Angaben der Polizei um vier afghanische Zivilisten, einen nepalesischen Wachmann und die drei Taliban-Angreifer. 17 Zivilisten wurden demnach bei dem Anschlag am Mittwoch verletzt. Die Internationale Schutztruppe Isaf teilte mit, die meisten Verletzten seien Kinder einer nahen Schule.

Ein Selbstmordattentäter habe sich in einem Auto vor dem Eingang zu einem von westlichen Ausländern genutzten Gebäudekomplex in die Luft gesprengt, sagte der Polizeichef der afghanischen Hauptstadt. Zwei weitere Angreifer seien in das Gelände eingedrungen. Sie seien beim Gefecht mit afghanischen Sicherheitskräften und mit Wachleuten getötet worden.

Der Anschlag am Jahrestag der Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden war nach Angaben der Taliban gegen den Obama-Besuch gerichtet. Es habe sich "nicht um Rache für die Tötung Osama bin Ladens" durch US-Spezialkräfte in Pakistan vor genau einem Jahr gehandelt, sagte ein Taliban-Sprecher. Die Tat solle "übermitteln, dass US-Präsident Barack Obama nicht willkommen" in Afghanistan sei.

Taliban fordern sofortigen Truppenabzug

Obama hatte in Kabul gemeinsam mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai ein strategisches Abkommen der beiden Länder unterzeichnet. Das Abkommen, dessen genauer Inhalt noch unbekannt ist, sieht unter anderem eine Präsenz von US-Truppen in Afghanistan auch nach dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes 2014 vor.

"Afghanen mögen keine Invasoren, und sie müssen dieses Land verlassen", sagte Mudschahid. "Sobald unsere Mudschaheddin wussten, dass der US-Präsident Afghanistan besuchte, planten wir einen Vergeltungsangriff."

Westliche Ausländer in dem Gebäudekomplex kamen nach ersten Erkenntnissen nicht zu Schaden. Einer der Ausländer, der in einem Bunker Zuflucht gesucht hatte, sagte per Telefon, alle seien in Sicherheit. Bei dem betroffenen Gebäudekomplex handelt es sich um das sogenannte Green Village, in dem unter anderem Polizisten aus Deutschland untergebracht sind. Die radikalislamischen Taliban erklärten, sie hätten ein "westliches Ziel" in Kabul angegriffen.

Visite ein Jahr nach der Tötung bin Ladens

Obama bekräftigte die Nato-Pläne, den Kampfeinsatz in den kommenden zweieinhalb Jahren zu beenden. Die Visite, die bis zuletzt streng geheim war, erfolgte exakt ein Jahr nach der Tötung des Terrorchefs Osama bin Laden.

Allerdings machte Obama erneut klar, auch nach 2014 amerikanische Soldaten am Hindukusch zu belassen. Das zunächst zehn Jahre laufende Abkommen zwischen beiden Staaten sieht vor, dass die Amerikaner afghanische Sicherheitskräfte ausbilden. Aber auch Kampfeinsätze gegen Terroristen sind laut US-Regierungsvertretern weiter denkbar. Konkrete Truppenstärken nennt der Vertrag jedoch nicht.

Der US-Präsident war in der Nacht auf der US-Basis Bagram eingetroffen. Er war dann mit einem Hubschrauber zur Unterzeichnung des Abkommens in den Präsidentenpalast in Kabul geflogen.

Obamas Ansage ist klar

Ein Jahr nach der Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden hatte Obama zudem mit staatsmännischer Miene zur besten Sendezeit im US-Fernsehen gesprochen, live aus Afghanistan. Mitten im Wahlkampf wollte er zwei gute Nachrichten von der Front überbringen: Al Kaida liege am Boden, und der Krieg in Afghanistan neige sich dem Ende zu.

In der TV-Ansprache signalisierte Obama seinem kriegsmüden Volk, dass er dem Land nach dem Ende des Irak-Einsatzes auch den Weg aus dem zweiten Konflikt weisen werde, der unter seinem Vorgänger George W. Bush begann. "Wir sind durch ein Jahrzehnt unter der dunklen Wolke des Krieges gereist", sagte er. "Diese Zeit des Krieges begann in Afghanistan, und hier wird sie auch enden." Kein Wort verlor der Präsident über die Skandale um die US-Armee in Afghanistan, die in den vergangenen Monaten schwere Verstimmungen im Verhältnis zu Kabul auslösten. Obamas Ansage ist klar: Volle Kraft voraus in Richtung Abzug - und in Richtung Wiederwahl.

jar/DPA / DPA