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Wahlparteitag der US-Republikaner: Romney will Delegierte im Sturm erobern

In Tampa soll Mitt Romney von den Delegierten zum Herausforderer von Präsident Barack Obama gewählt. Die Medien könnten sich aber eher auf Tropensturm "Isaac" konzentrieren.

Im Präsidentschaftswahlkampf in den USA beginnt die heiße Phase: Mitt Romney wird beim Wahlparteitag der Republikaner in Tampa erwartet, wo ihn die Delegierten zum Herausforderer von Präsident Barack Obama wählen sollen. Die Aufmerksamkeit muss sich Romney aber mit dem heftigen Tropensturm "Isaac" teilen.

Nach Angaben seines Wahlkampfteams sollte der designierte Kandidat im Lauf des Tages in Tampa im Bundesstaat Florida eintreffen, Einzelheiten seines Programms waren zunächst nicht bekannt. Allerdings wird damit gerechnet, dass Romney die Rede seiner Frau Ann auf dem Parteitag miterleben will. Zum Auftakt des dreitägigen Politikspektakels in der Sport- und Veranstaltungsarena "Tampa Bay Times Forum" sollen auch Romneys Vorwahlrivale Rick Santorum sowie der populäre Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, das Wort ergreifen.

Die Wahl Romneys und seines Vizekandidaten Paul Ryan ist für den frühen Dienstagabend (Ortszeit) angesetzt. Dabei sollen Delegierte aus allen 50 Bundesstaaten, der Hauptstadt Washington sowie fünf Überseegebieten ihre Stimmen abgeben. Am Ausgang bestehen keine Zweifel, weil Romney in den Vorwahlen die nötige Delegiertenmehrheit gewonnen hatte. Formell gilt Romney nach Angaben der republikanischen Partei aber erst als Kandidat, wenn er die Nominierung in seiner Rede zum Abschluss der "Convention" am Donnerstag annimmt.

Mitt gegen "Isaac"

Die Krönung auf dem Parteitag bietet Romney eine Bühne, sich gut zwei Monate vor der Wahl unentschlossenen Wählern zu präsentieren. In den vergangenen Tagen hatte sich der frühere Gouverneur und Finanzinvestor in seinem Ferienhaus in New Hampshire auf die live im Fernsehen übertragene Ansprache vorbereitet.

Die Republikaner hatten den Parteitag bereits am Montag symbolisch eröffnet und unverzüglich um 24 Stunden vertagt. Die Parteiführung hatte die Verschiebung vor dem Hintergrund des Tropensturms "Isaac" beschlossen, der die Gegend um Tampa am Ende allerdings nur streifte. Der Fast-Hurrikan nahm dagegen weiter Kurs auf die Golfküste, wo er besonders den Bundesstaat Louisiana hart treffen könnte.

"Isaac" weckt Erinnerungen an den Hurrikan "Katrina", der fast auf den Tag genau vor sieben Jahren die Gegend um New Orleans verwüstete. Die Wucht des Sturms ließ Dämme brechen, die Stadt versank in den Fluten. Mehr als 1800 Menschen kamen damals ums Leben, zehntausende Häuser wurden zerstört.

Obama beliebter als Romney

Eine Naturkatastrophe mit vielen Opfern könnte die Parteitagsshow der Republikaner in Tampa aus den Schlagzeilen verdrängen. "Isaac" und Romney würden sich einen "Wettkampf um Aufmerksamkeit" liefern, sagte Politikprofessorin Diana Heith von der Universität Saint John's in New York. "Je größer das Unwetter, desto schwieriger wird es für Romney, die geplante Botschaft unter das Volk zu bringen."

Dabei böte der Parteitag für den designierten Kandidaten "eine Chance, sich an Menschen zu wenden, die ihm bislang nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt haben", sagte Politikprofessor Charles Franklin von der University of Wisconsin-Madison. Bei den Beliebtheitswerten liegt der hölzern und abgehoben wirkenden Romney hinter Obama zurück. Meinungsforscher sagen für die Präsidentschaftswahl am 6. November aber ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Demokraten und Republikanern voraus.

juho/AFP / AFP