Wahlschlappe in Großbritannien Labour-Chef Brown kündigt Rücktritt an

Konsequenz aus der Wahlschlappe: Der britische Premierminister Gordon Brown hat nach den Stimmenverlusten seiner Labour-Partei bei der Parlamentswahl seinen Rücktritt als Parteichef angekündigt. Zunächst will Brown jedoch mit den Liberalen über eine Regierungsbildung verhandeln.

Der britische Premierminister Gordon Brown will als Vorsitzender der Labour-Partei zurücktreten. Er wolle den Labour-Mitgliedern vorschlagen, dass bis Ende des Jahres ein neuer Parteichef gesucht und ernannt werden sollte, sagte Brown am Montag in London. Zudem kündigte er formelle Gespräche mit den oppositionellen Liberal-Demokraten über eine Regierungsbildung an.

Mit seinem Rücktritt bis zum Herbst wolle er den Weg zu Koalitionsgesprächen zwischen seiner Labour-Partei und den Liberal-Demokraten freimachen, so der 59-Jährige. Es sei im Interesse des ganzen Landes, eine "fortschrittliche Koalition" zu bilden, fügte Brown hinzu.

Der Grund für seinen Rücktritt sei, dass bei den Wahlen am Donnerstag keine der Parteien und kein Parteiführer die volle Unterstützung des Landes bekommen habe. "Als Chef meiner Partei muss ich akzeptieren, dass das ein Richterspruch war." Er werde außerdem die Labour-Partei bitten, den Prozess zur Auswahl seines Nachfolgers in Gang zu setzen. Er werde in diesem "Wettbewerb" jedoch keine unterstützende Rolle mehr spielen.

Treffen zwischen Brown und Clegg

Der Parteichef der Liberal-Demokraten Nick Clegg habe ihm gegenüber den Wunsch geäußert, dass neben den weiterhin laufenden Verhandlungen mit den Konservativen nun auch formelle Gespräche mit Labour aufgenommen werden sollten, sagte Brown. Er wolle alles daran setzen, die Verhandlungen zwischen Labour und den Liberal-Demokraten zu beschleunigen. Oberste Priorität müsse ein gemeinsamer Plan zur Reduzierung des Haushaltsdefizits haben.

Laut einem BBC-Bericht hatten sich Clegg und Brown am Montag getroffen. Die beiden Parteien stehen sich programmatisch näher als die Tories und die Liberal-Demokraten. Clegg hatte jedoch immer wieder betont, es werde mit der Labour-Partei keine Zusammenarbeit geben, sollte Brown Parteichef bleiben.

Clegg will die Hängepartie nach der Unterhauswahl unterdessen möglichst rasch beenden. Der Chef der Liberal-Demokraten bat die Wähler mit Blick auf die laufenden Koalitionsverhandlungen mit den Konservativen, "noch ein wenig Geduld zu haben". Die Liberal-Demokraten wurden bei der Parlamentswahl am Donnerstag zwar nur drittstärkste Kraft, sie werden aber sowohl von den konservativen Tories als auch von der noch regierenden Labour-Partei als Mehrheitsbeschaffer umworben.

AFP/APN/Reuters Reuters

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