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Waldbrände: Flammeninferno ohne Ende

Die Löschmannschaften bekommen die seit Tagen lodernden Waldbrände im Nordwesten Spaniens nicht unter Kontrolle. Die EU hat Hilfe zugesagt, die spanische Regierung macht Jagd auf Brandstifter.

Die spanischen Streitkräfte kommandierten 1200 Soldaten zur Überwachung der Wälder in Galicien ab. Die Regierung geht davon aus, dass die verheerendste Serie von Waldbränden in der Geschichte der Region von Brandstiftern ausgelöst wurde. Etwa 10.000 Hektar Wald und Buschland wurden bereits ein Raub der Flammen. Fünf Menschen wurden unter dem Verdacht der Brandstiftung festgenommen.

Die Löschmannschaften kämpften am Mittwoch gegen 110 Feuersbrünste. Davon breiteten sich nach Angaben der Behörden 67 Brände unkontrolliert aus. 43 Feuer konnten von der Feuerwehr eingedämmt werden. "Die Lage ist außerordentlich ernst", sagte die spanische Umweltministerin Cristina Narbona. "Immer wenn ein Brand gelöscht ist, bricht ein neuer aus."

EU schickt Unterstützung

Der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero hat seinen Sommerurlaub unterbrochen und das Waldbrandgebiet im Nordwesten des Landes besucht. Er flog nach Angaben eines Regierungssprechers von den Kanarischen Inseln zum Wallfahrtsort Santiago de Compostela, wo noch immer insgesamt 134 Brände toben.

Madrid bat die EU in Brüssel um Unterstützung der Löscharbeiten. Italien und Frankreich schickten jeweils zwei Löschflugzeuge. Portugal entsandte einen Feuerlöschtrupp von 65 Mann mit 20 Fahrzeugen in den benachbarten Nordwesten Spaniens. Es werde erwartet, dass in Kürze weitere EU-Staaten Beschlüsse zu Hilfeleistungen fassten, hieß es in Brüssel.

Städte wie Pontevedra, Vigo oder der Wallfahrtsort Santiago de Compostela lagen unter dicken Rauchwolken. Vor den Toren der galicischen Metropolen standen die Wälder in Flammen. In der Regionalhauptstadt Santiago verhinderte ein Wechsel der Windrichtung, dass die Feuer auf den Flughafen übergriffen. Die Schadstoffbelastung der Luft stieg vielerorts auf das Dreifache des normalen Werts.

Verherrende Umweltkatastrophe

"Die Waldbrände sind eine Katastrophe wie der Untergang des Öltankers 'Prestige'", sagte Pedro Piñeiro, Bürgermeister von Rianxo bei La Coruña. "Wir erleben eine zweite schwarze Flut." Das "Prestige"-Unglück vor der Küste Galiciens vor knapp vier Jahren hatte die größte Umweltkatastrophe in der spanischen Geschichte ausgelöst. Damals hatte Zapateros Vorgänger José María Aznar heftige Kritik einstecken müssen, weil er die Region erst Wochen später besuchte.

Solidarität unter den Betroffenen

Bei der "Prestige"-Katastrophe halfen Tausende von Freiwilligen, die Strände vom Ölschlamm zu säubern. Auch die Waldbrände zogen nun eine Welle der Hilfsbereitschaft und Solidarität nach sich. Dorfbewohner halfen sich gegenseitig, ihre Häuser vor den Flammen zu schützen. In einigen Orten bildeten sie Löschketten, um Wassereimer weiterzureichen. "Der Geist der 'Prestige' ist nach Galicien zurückgekehrt", schrieb die Zeitung "La Voz de Galicia".

Fahrt durch die Hölle

Eine Fahrt über die "Atlantik-Autobahn", die die wichtigsten Städte der Region verbindet, wurde für viele Autofahrer zu einer "Fahrt durch die Hölle". Dutzende, die in einen Stau geraten waren, sahen sich plötzlich von Flammen bedroht und keinen anderen Ausweg, als kehrt zu machen und sich als "Geisterfahrer" an der nächsten Ausfahrt in Sicherheit zu bringen.

Das Thema der Waldbrände ließ auch in der Politik die Funken sprühen. Die konservative Volkspartei (PP) warf der Regionalregierung vor, bei der Einstellung von Feuerwehrleuten mehr auf deren galicische Sprachkenntnisse als auf die berufliche Qualifikation zu achten. Der sozialistische Regierungschef Emilio Pérez Touriño wies den Vorwurf zurück. Die PP hatte in Galicien über 20 Jahre regiert und war im vorigen Jahr von einer Koalition von Sozialisten und Nationalisten abgelöst worden.

Hubert Kahl/DPA / DPA