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Anschläge in Nizza und Würzburg: Einsame Einzeltäter - warum der IS ihre Taten für sich beansprucht

Orlando, Nizza, Würzburg -  wenn irgendwo auf der Welt bei einem Anschlag Blut vergossen wird, dauert es nur wenige Stunden bis sich der IS dazu bekennt. Erklärungsversuch einer perfiden Strategie.

IS beansprucht den Angriff in Nizza für sich - doch daran gibt es Zweifel.

Mit diesem Lastwagen tötete der Attentäter von Nizza über 80 Menschen. Die Terrormiliz IS beansprucht den Angriff für sich - doch daran gibt es Zweifel.

Ein Flüchtling aus Afghanistan geht mit Axt und Messer bewaffnet auf Fahrgäste in einem Regionalzug in Würzburg los - der IS beansprucht die Tat für sich. Ein Tunesier rast am französischen Nationalfeiertag in Nizza mit einem Lkw durch die Menschenmenge auf der Strandpromenade - der IS beansprucht die Tat für sich. Ein Amerikaner richtet in einem Schwulenclub in Orlando ein Massaker an - der IS beansprucht die Tat für sich. Man kann sich kaum des Eindrucks erwehren, dass hinter allen Übeln auf der Welt der IS steckt.

Dabei ist bei vielen Angriffen eine unmittelbare Verbindung zum IS fraglich. Den bisherigen Ermittlungsergebnissen zufolge liegt vielmehr der Verdacht nahe, dass die Täter von Würzburg, Nizza und Orlando von islamistischer Propaganda angestachelt und radikalisiert wurden, aber keinen direkten Kontakt zum IS hatten.

Die Dschihadisten-Miliz spricht hingegen gern von "Soldaten" des IS. Sie verkündete nur ein paar Stunden nach der Axt-Attacke in Würzburg über die ihr nahestehende Agentur Amaq, dass der Angriff sei von einem ihrer "Kämpfer" ausgeführt worden sei.

Der IS braucht keine "Soldaten" aus Syrien zu schicken

Der IS als Trittbrettfahrer? In den sozialen Netzwerken machen sich längst viele über die Bekennerfreudigkeit der Dschihadisten lustig. Unter dem Hashtag #isbekenntsich witzeln die Menschen etwa darüber, dass die Terroristen sich wohl auch zu schlechtem Wetter oder nicht funktionierenden Klimaanlagen bekennen würden.

Doch eins verdeutlichen die Attentate der einsamen Wölfe: Der IS braucht gar keine "Soldaten" aus Syrien oder dem Irak zu schicken. Die Dschihadisten können offenbar aus einem scheinbar bodenlosen Topf junger Männer schöpfen, die nur ein paar Mausklicks davon entfernt sind, zu den Waffen zu greifen. Ein Anschlag kostet den IS in diesem Sinne nichts mehr als ein paar Propaganda-Videos im Netz - kein logistischer Aufwand, keine finanziellen Kosten und keine personellen Verluste. Das Resultat ist jedoch dasselbe: Verbreitung von Terror und Angst.

Neue Variante des Terrors

Ein neuer "Anschlagstyp", wie der französische Innenminister Bernard Cazeneuve es ausdrückte, kämpft für den IS. Ein Attentäter braucht nicht mehr zur Kriegsausbildung nach Syrien zu fahren und präzise beauftragt werden, um einen Anschlag zu verüben und unschuldige Menschen in den Tod zu reißen.

"Es handelt sich um eine neue Variante bei den Terrortaten, die unser Gefühl der Unsicherheit verstärkt", stellte der Radikalisierungsexperte Fehti Benslama in der Tageszeitung "Le Monde" fest.