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Weltklimakonferenz: Der Gipfel der vielen Worte

Viel sehen, viel sagen - aber nichts entscheiden: In Posen ist der Weltklimagipfel nach fast zwei Wochen ohne greifbares Ergebnis zu Ende gegangen. Immerhin: Die Umweltminister entwickelten einen Fahrplan für die Klimakonferenz in Kopenhagen. Erst dort sollen im nächsten Jahr die wirklich wichtigen Beschlüsse über die Reduzierung der Treibhaus-Gase fallen.

Der Weltklimagipfel im polnischen Posen ist nach zwölf Tagen ohne greifbares Ergebnis zu Ende gegangen. Die Entscheidungen über eine verbindliche Verringerung der Treibhausgas-Emissionen für jedes Land sollten wie geplant erst im kommenden Jahr gefällt werden, teilte das UN-Klima-Sekretariat am Freitag mit. In Posen sei ein Arbeitsplan mit Blick auf die Klima-Konferenz in Kopenhagen entwickelt worden. In der dänischen Hauptstadt soll 2009 eine Nachfolgeregelung für das Klimaschutzabkommen von Kyoto auf den Weg gebracht werden. Dem 2012 auslaufenden Kyoto-Abkommen hatten sich die USA und Schwellenländer wie China und Indien nicht angeschlossen.

Friedensnobelpreisträger Al Gore rief in seiner Rede die Menschen weltweit eindringlich zum Klimaschutz auf. Angesichts schmelzender Gletscher, der Dürren, Stürme und sich ausbreitenden Wüsten dürfe man keine Zeit mehr verlieren, sagte der Ex-Vizepräsident der USA.

Die Wissenschaft warne, dass der Klimawandel innerhalb von zehn Jahren zu nicht mehr rückholbaren Schäden führen könne, ergänzte Gore. "Wir müssen die Lähmung überwinden, die uns davon abgehalten hat zu handeln und uns klar und scharfen Blickes auf die Krise konzentrieren, anstatt viel Zeit auf O.J. Simpson, Paris Hilton und Anna Nicole Smith zu verwenden", sagte Gore.

Viele Delegierte der 187 teilnehmenden Nationen kritisierten den polnischen Vorschlag für eine Abschluss-Kommunique unter dem Titel "Solidaritäts-Partnerschaft". Dafür sei zu wenig erreicht worden, hieß es. "Hier gibt es nichts Neues", sagte Quamrul Islam Chowdhury aus Bangladesch, der für die am wenigsten entwickelten Länder an den Verhandlungen teilnahm. Konkrete, positive Ergebnisse habe es nicht gegeben.

In Berlin erklärte der Bund für Umwelt und Naturschutzschutz Deutschland (BUND), Posen sei eine verpasste Chance im Kampf gegen die Erderwärmung.

Konkret einigten sich die Delegierten lediglich auf die Freigabe von Millionen US-Dollar zur Unterstützung armer Länder im Kampf gegen die globale Erwärmung. Der sogenannte Anpassungsfonds umfasse derzeit rund 60 Millionen Dollar, sagte Mozaharul Alam aus Bangladesch. Bis zur Verteilung des Geldes könne allerdings noch bis zu ein Jahr vergehen.

Die Weichen für den Fonds wurden eigentlich bereits bei den Beratungen auf Bali gestellt, und auch die Finanzierung ist geklärt: Sie läuft über eine Abgabe auf Hilfsprojekte der Industriestaaten, die in Entwicklungsländern den Klimaschutz voranbringen, die sogenannten CDM-Projekte.

Reuters/AP/DPA / AP / DPA / Reuters