VG-Wort Pixel

"Volfefe-Index" Wenn Donald Trump twittert – was macht das mit den Märkten und der Wirtschaft?

Donald Trump auf Twitter
Wer wie Donald Trump viel twittert, widerspricht sich auch manchmal: So schimpfte er 2012 noch auf das Wahlleutesystem der USA, im November 2016, nach seiner Wahl, nannte er es "genial".
© Andrew Caballero-Reynolds / AFP
Wie scharf ist die "Waffe" Twitter in den Händen von US-Präsident Donald Trump? Diese Frage stellen sich Ökonomen schon länger. Der "Volfefe-Index" hat die Folgen für die Wirtschaft untersucht und ist zu einem erstaunlichen Ergebnis gekommen.

Es gibt Tage, da schreibt sich Donald Trump die Finger wund. Da setzt der US-Präsident schon mal mehr als zwei Dutzend Tweets ab, zu allen möglichen Themen. Jetzt etwa, am Samstag: vom Gefangenenaustausch zwischen Russland und der Ukraine über "Fake-News" sowie Kontrollen an der mexikanischen Grenze bis zu einem bunten Strauß an Wirtschaftsthemen. Mehr als 60 Millionen Menschen erreicht Trump mit seinen Äußerungen (theoretisch), daneben träufeln seine Ansichten in die Presse und sozialen Medien, genug Resonanzraum, um die Märkte zu bewegen.

"Volfefe-Index" misst Auswirkung von Trump-Tweets

So taucht zum Beispiel das Schlagwort China wegen des Handelsstreits beinahe im Tagesrhythmus in Trumps-Twitter-Timeline auf. Auch ganz weit oben: die Zentralbank und deren Zinspolitik, die der US-Präsident scharf kritisiert. Welche Auswirkungen gerade die präsidialen Wirtschaftstiraden haben, will nun die Investmentbank J.P. Morgan systematisch untersuchen. Dazu hat das Geldhaus ein Messinstrument namens "Volfefe-Index" erstellt – namentlich angelehnt an Trumps berühmten und weiterhin mysteriösen "covfefe" -Tweet. Konkret soll der Index anzeigen, wie Trumps Äußerungen die US-Zinssätze beeinflussen.

Trump vertwittert sich - schon gibt es ein neues Wort

Laut J.P. Morgan lassen sich tatsächlich Bewegungen der Zinsbewegung messen, zumindest für die untersuchten 2- und 5-Jahres-Anleihen. "Das leuchtet ein, da ein Großteil der Tweets des Präsidenten sich auf die Zentralbank (Fed) konzentriert und die Handelsspannungen in erster Linie die kurzfristige Wirtschaftsleistung als auch die Reaktion der Fed beeinträchtigen", zitiert der US-Sender CNBC die Autoren des Berichts.

Insgesamt leidet die Wirtschaft nicht

Zwischen 2018 bis jetzt habe der US-Präsident rund 4000 eigenständige Tweets verfasst von denen 146 den Markt messbar beeinflusst hätten, so der "Volfefe-Index". Zwar würden Trumps mitunter impulsive Twitter-Aktivitäten die Märkte stören, doch insgesamt hat sein Verhalten keinen negativen Einfluss, so die Autoren. So sei der wichtigste amerikanische Index, der Dow Jones, seit den Präsidentschaftswahlen 2016 um 42 und seit seiner Amtseinführung im Januar 2017 um 31 Prozent gestiegen.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch eine Studie des Finanzbrokers FXCM: "Zweifellos haben Trumps Tweets die Fähigkeit, zumindest kurzfristig Unternehmensaktien und internationale Währungen auf den Märkten der Welt in Bewegung zu versetzen." Das US-Finanzunternehmen Bloomberg beobachtet ebenfalls Trumps Tweets über die Wirtschaft. Allerdings nur in Form eines Countdowns, der kommentarlos anzeigt, wann der US-Präsident was getwittert hat und wie der Dow Jones steht.

Ökonomen und Öffentlichkeit beschäftigen sich schon länger mit dem Einfluss von Twitter auf die Wirtschaft. 2013 zum Beispiel hatten die im Dow Jones und den Standard & Poor's 500 gelisteten Firmen innerhalb von Minuten 136 Milliarden Dollar an Wert verloren, nachdem eine gefälschte Meldung über den Twitterkanal der Nachrichtenagentur AP verbreitet wurde. Laut der News seien der damalige US-Präsident Barack Obama und andere Mitarbeiter des Weißen Haus bei zwei Explosionen verletzt worden.

Donald Trumps Twitter-Account als politische Waffe

Fälschungen mit solchen Folgen sind selten, perfider dagegen dürften solche dauerhaften Kleinkriege wirken, die sich Donald Trump etwa mit dem Notenbank-Chef Jerome Powell seit Monaten liefert. Obwohl Trump ihn einst mit dem Verweis auf sein "Engagement und seine Klugheit" ernannt hatte, geht ihm Powells Zinspolitik nicht weit genug – mittlerweile bezeichnet der US-Präsident den eigentlich unabhängigen Notenbank-Chef öffentlich als "Feind" und vergleicht ihn mit Chinas Präsidenten Xi Jinping – Trumps Gegenspieler im eskalierenden Handelskonflikt. Ob es dieses Dauerfeuer aus dem Weißen Haus war, das Powell zuletzt zur Senkung der Leitzinsen veranlasst hatte, ist unklar, sicher aber ist, dass Donald Trump seinen Twitter-Account auch als politische Waffe versteht.

Quellen: DPA, Trump Twitter Archive, AFP, CNBC, Bloomberg, FXCM


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker