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Wegen Handeslkonflikten: US-Notenbank senkt zum ersten Mal seit zehn Jahren den Leitzins – Trump tobt

Erstmals seit mehr als zehn Jahren senkt die Fed wieder die Zinsen. Vor allem die Handelskonflikte, die Donald Trump angezettelt, machen der Notenbank Sorgen. Ausgerechnet der US-Präsident tobt nun – und holt wie gewohnt zum Rundumschlag aus.

Ihre Unabhängigkeit ist der US-Notenbank heilig – und doch scheint die nun von ihr beschlossene Zinssenkung klar von Präsident Donald Trumps Politik angetrieben zu sein. In der Begründung ihrer Entscheidung, den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte zu senken, verwies die Federal Reserve (Fed) vor allem auf die von Trump angezettelten Handelskonflikte, die das globale Wirtschaftswachstum bremsen. Besonders der Handelskrieg zwischen den USA und China, den beiden größten Volkswirtschaften, droht die Konjunktur zu bremsen.

Erste Zinssenkung seit gut zehn Jahren in den USA

"Die von Handelsfragen bestimmte Unsicherheit war größer als erwartet", sagte Fed-Chef Jerome Powell zur Begründung der Zinssenkung. Der Leitzins liegt nunmehr in der Spanne von 2,00 bis 2,25 Prozent. Es war die erste Zinssenkung seit der globalen Finanzkrise vor rund einem Jahrzehnt. Die weithin erwartet Zinswende ließ die Börse zunächst kalt, dürfte den Märkten und der US-Wirtschaft aber mittelfristig neuen Schwung verleihen. 

Die Entscheidung sei eine Absicherung um sicherzustellen, dass globale Risiken nicht das weitere Wachstum der US-Wirtschaft bremsen, erklärte Powell. Die Notenbank signalisierte auch die Möglichkeit weiterer Zinssenkungen. Es gehe darum "angemessen zu handeln", um den seit zehn Jahren anhaltenden Aufschwung der US-Wirtschaft "zu erhalten", sagte Powell. Zudem werde die Bank die Drosselung ihres Anleihenprogramms schon im August beenden, zwei Monate früher als geplant, erklärte die Fed weiter.

Die US-Konjunktur sei weiterhin robust, und es gebe abgesehen von den globalen Gegebenheiten in der kurzen Frist keine Risikofaktoren, sagte Powell. Er machte klar, dass die Zinssenkung wahrscheinlich weder ein alleinstehendes Ereignis noch der Beginn einer "langen Serie von Absenkungen" sein werde. Die nächste Zinssitzung der Fed findet im September statt.

Donald Trump hatte niedrigere Zinsen gefordert – und ist doch nicht zufrieden

Mit der Zinssenkung kam die Notenbank auch ihrem prominentesten Kritiker entgegen – Präsident Trump. Er äußert seit Monaten öffentlich harsche Kritik am Kurs der Notenbank und fordert deutlich niedrigere Zinsen. So bezeichnete er die Fed bisweilen als "völlig ahnungslos". Am Mittwoch zürnte er auf Twitter, Powell habe die USA einmal mehr "im Stich gelassen". Die Märkte hätten darauf gehofft, dass dies der "Beginn eines langen und aggressiven Zyklus von Zinssenkungen" sei, so Trump. Dies sei nötig, um die Wettbewerbsfähigkeit der USA zu stärken. 

Auf die Frage, ob Trumps Kritik bei der Entscheidung der Notenbank eine Rolle gespielt habe, sagte Powell: "Politische Erwägungen spielen für uns nie eine Rolle." Der Notenbankchef betonte auch, man kritisiere die Handelspolitik Trumps nicht, man versuche lediglich, deren Konsequenzen für die US-Wirtschaft einzukalkulieren.

Die Fed entschied nicht einstimmig

Die US-Arbeitslosenquote lag im Juni bei nur 3,7 Prozent. Das Wachstum der Wirtschaft ist noch robust, verlangsamt sich aber. Die Inflation indes liegt unter dem Ziel der Notenbank von zwei Prozent. Einige Analysten hatten daher argumentiert, es brauche eine größere Zinssenkung um 0,5 Prozent, um Inflation und Wirtschaft anzuheizen. 

Die Entscheidung der Fed fiel nicht einstimmig. Zwei Notenbanker in dem neunköpfigen geldpolitischen Ausschuss FOMC stimmten gegen die Zinssenkung. Die Notenbanker Esther George und Eric Rosengren wollten den Leitzins lieber unverändert lassen.

Analysten sahen darin ein Zeichen, dass es ohne wirtschaftliche Veränderungen vermutlich nicht bald zu weiteren Zinssenkungen kommen würde.

Eurokurs rauscht nach Zinsentscheid ab

Die Entscheidung der US-Notenbank hat auch Auswirkungen auf den Euro: Der Kurs der Gemeinschaftswährung sackte auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren ab. Im asiatischen Handel fiel er bis auf 1,1034 Dollar – so wenig hatte der Euro zuletzt im Mai 2017 gekostet.

Da auch in Europa mit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik zu rechnen ist, gab der Euro in den vergangenen Wochen bereits deutlich nach. Ende Juni lag der Kurs noch bei mehr als 1,14 Dollar.

Der Dax hat mit minimalen Verlusten auf die Entscheidungen der US-Notenbank reagiert. Er gab um 0,06 Prozent auf 12.181,61 Punkte nach. 

Nach der Finanzkrise wurden die Zinsen massiv gesenkt

Nach der verheerenden globalen Finanzkrise 2008/2009 hatte die Notenbank die Zinsen aggressiv gesenkt, um die Wirtschaft zu stabilisieren. 2015 begann sie, den Leitzins wieder sukzessive zu erhöhen. Noch 2018 gab es vier Zinserhöhungen.

Der Leitzins, die sogenannte Federal Funds Rate, ist der Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken über Nacht Geld leihen. Eine Senkung des Zinssatzes verbilligt Kredite, weswegen Firmen leichter investieren können und viele Bürger weniger für Schuldendienst ausgeben müssen und damit mehr Einkommen zur Verfügung haben.

mik / DPA