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Spitzengespräche im Oval Office: Wenn Donald Trump zum Hörer greift, fürchten seine Berater um die Sicherheit der USA

Er beleidigt Angela Merkel und schleimt bei Wladimir Putin. Mitarbeiter von Donald Trump berichten, wie der US-Präsident mit anderen Staatschefs telefoniert und behaupten: Die größte Gefahr für die USA sei der Mann im Weißen Haus.

Joe Biden bezeichnet die Präsidentschaft Donald Trumps als "ein Geschenk" für Putin.

Besonders mit den weiblichen Regierungschefs soll er Probleme haben. Allen voran Angela Merkel. Die Telefonate zwischen der Kanzlerin und dem Präsidenten der Vereinigten Staaten seien so "ungewöhnlich", dass ihr Inhalt besonders geschützt werden müsse, sagte ein nicht weiter genannter Top-Beamter. Donald Trump sei Merkel gegenüber "sehr aggressiv", "nennt sie 'dumm' und wirft ihr vor, dass 'die Russen sie in der Tasche' hätten. Merkel reagiere auf die "fast sadistischen" Attacken allerdings stets ruhig und lasse sie an sich abperlen. So beschreibt der US-Sender CNN das offenbar völlig desolate Verhältnis von zwei Regierungschefs eigentlich befreundeter Staaten.

Donald Trump nicht in der Lage, US-Interessen zu vertreten

Vier Monate lang haben Journalisten der TV-Station mit hochrangigen, engen und teilweise auch ehemaligen Mitarbeitern des Weißen Hauses gesprochen, die regelmäßig dabei waren, wenn der mächtigste Mann der Welt mit anderen Staats- und Regierungschefs telefoniert hat oder zumindest die Mitschriften und Protokolle der Gespräche kennen. Ihr Tenor: Trump sei in den meisten Fällen schlecht vorbereitet und nicht in der Lage, die Interessen Amerikas zu vertreten. Einige der nicht namentlich genannten Quellen sprechen sogar davon, dass der US-Präsident "wahnhafte Züge" zeige und dass er selbst eine Gefahr für die Sicherheit des Landes sei.

Neben der deutschen Kanzlerin soll sich Trump besonders garstig gegenüber Theresa May, der früheren britischen Premierministerin verhalten haben. Trumps Telefonate mit ihr wurden von Mitarbeitern als "demütigend und tyrannisierend" beschrieben. Trump soll auch sie "dumm" genannt und ihr vorgeworfen haben, sie sei "rückgratlos" in Fragen des Brexits und Einwanderung. In jedem Telefonat mit ihr wurde er böse und sie "nervös und nervöser". "Er hat sie eingeschüchtert und genau das wollte er auch".

Besonders ungeheuerlich waren nach den Recherchen von CNN die Gespräche mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin und dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan. "Bei diesen Anrufen war Trump fast nie inhaltlich vorbereitet, wurde deshalb oft politisch ausgenutzt. Am schwerwiegendsten sei wohl der Abzug der US-Truppen aus Syrien gewesen, ein Schritt, von dem sowohl die Türkei als auch Russland profitierten, die Nato aber geschwächt wurde. Offenbar war es der Präsident der Türkei, der Trump zu dieser Entscheidung geführt hat. "Erdogan wusste immer, wann er den Präsidenten anrufen konnte. Einmal erreichte er ihn auf dem Golfplatz und Trump unterbrach seine Partie, weil die beiden so lange miteinander gesprochen haben."

"Unfähig, das Amt auszuüben"

Die Häufigkeit der Telefonate zwischen den beiden Präsidenten, bei denen Erdogan Trump zu politischen Zugeständnissen und anderen Gefälligkeiten drängte, seien für die damals engsten Mitarbeiter H.R. McMaster, und John Bolton (beide nationale Sicherheitsberater) und Stabschef John Kelly besonders besorgniserregend gewesen. Denn laut CNN habe es Erdogan immer wieder geschafft, seine Anliegen vorzubringen und dabei den üblichen Instanzen wie etwa den Nationalen Sicherheitsrat zu umgehen.

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Vor diesen Informationen wirkt auch eine Anekdote plausibel, die John Bolton in seinem Abrechnungsbuch "Der Raum, in dem es geschah" beschreibt. Danach soll Donald Trump Erdogan versprochen haben, sich um die Ermittlungen gegen die türkische Halfbank "zu kümmern". Allerdings seien die zuständigen Strafverfolger "Obamas Leute", weswegen er das Problem erst lösen könne, wenn die durch "seine Leute" ersetzt worden seien, wird Trump in dem Buch zitiert. CNN legt Wert auf die Feststellung, dass keine der Quellen dem US-Präsidenten strafbare Handlungen vorwirft. "Vielmehr charakterisierten sie Trumps allgemeine 'Unfähigkeit', das Amt auszuüben".

Der Schachmeister gegen den Dame-Spieler 

Auch das Verhältnis von Trump zu Wladimir Putin wird ausgiebig beschrieben. "Zeitweise klangen ihre Telefonate wie Gespräche von zwei Typen in der Sauna", zitiert CNN einen Mitarbeiter, aber grundsätzlich habe es eine Unwucht in der Beziehung gegeben. So soll der US-Präsident immer sehr erpicht darauf gewesen sein, bei seinem Kollegen aus Moskau einen guten Eindruck zu machen: "Der Präsident sprach hauptsächlich über sich selbst, häufig übertrieben und selbstverherrlichend, Er gab damit an, wie viel schlauer und "stärker" er sei als "die Schwachköpfe" und "Schwächlinge", die vor ihn im Weißen Haus gesessen hätten, vor allem Barack Obama. Die CNN-Quelle nennt den Mann im Kreml einen "Schachgroßmeister" während Trump ein "Gelegenheits-Dame-Spieler" sei. Mit dieser Selbstüberschätzung würde der US-Präsident Russland unnötig aufwerten, so der Sender. "Russland baut zunehmend ab, doch Trump wirft dem Land einen Rettungsanker zu. Er spielt mit etwas, das er nicht versteht, und gibt Moskau damit Macht, die es aggressiv nutzen wird."

Mit den Vertretern befreundeter Staaten dagegen gehe der US-Präsident regelmäßig hart ins Gericht. Ob Kanadas Premier Justin Trudeau, die australischen Regierungschefs oder Frankreichs Präsident Emmanuel Macron – sie alle habe Trump bereits beleidigt oder versucht zu erpressen. "In seinen Telefonaten ist er knallhart zu denen, die er als 'schwach' betrachtet und schwach gegenüber denjenigen, zu denen er knallhart sein sollte", sagte einer aus dem Weißen-Haus-Umfeld CNN. "Jedes Problem, das man ihn bittet, im Namen der USA zu lösen, ist für ihn keines. Er ist nicht interessiert an Kooperation, lenkt ab oder schiebt Probleme in die Ecke", wird ein hoher Beamter zitiert. Er habe keinen Sinn für ein Team Amerika oder für die Vereinigten Staaten als Führer der freien Welt, so der Mitarbeiter weiter. "Im Gegenteil: Es gibt immer nur 'ich'."

Quellen: CNN, DPA, AFP