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US-Präsidentschaftswahl: Wie Joe Biden Donald Trump das Fürchten lehrt (ein wenig)

Joe Biden wildert in der Wählerschaft Donald Trumps, die einmal demokratisch war. Und der Präsident registriert die Attacke genau. Obwohl die US-Wahl erst in anderthalb Jahren ist, scheint der Amtsinhaber zu spüren, wer sein großer Widersacher sein wird.

Donald Trump Joe Biden

Joe Biden (r.) und Donald Trump und bei dessen Amtseinführung

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Alle wollen Joe. Jedenfalls wenn man den Umfragen glaubt: Sowohl bei den Demokraten als auch im Vergleich zu Amtsinhaber Donald Trump führt der Ex-Vizepräsident zum Teil deutlich. Doch die Amerikaner wählen erst in anderthalb Jahren und bis dahin können alle Beteiligten noch viele Fehler machen. Hillary Clinton zum Beispiel hatte 2016 die Anhänger ihres Konkurrenten abfällig "deplorables" genannt, was sowohl bedauernswert als auch unselig heißen kann. So ein Fauxpas wird Biden nicht passieren, dazu ist er zu kumpelig. Und genau das scheint den US-Präsidenten zu beunruhigen. 

Joe Biden noch einmal älter als Donald Trump

Dafür, dass Joe Biden, mit 74 Jahren immerhin noch einmal zwei Jahre älter als Trump, noch nicht einmal gesetzt ist, sondern nur einer von insgesamt 20 demokratischen Kandidaten, die sich in zehn Monaten werden offiziell aufstellen lassen, hat sich der Amtsinhaber bereits den dritten Spitznamen einfallen lassen: "Sleepy Joe" nennt er ihn nun, der schlafmützige Joe. Wem Donald Trump einen Beinamen verpasst, wenn auch einen abfälligen, dem ist seine Aufmerksamkeit sicher. Hillary Clinton nannte er "crooked" (betrügerisch), seinen innerparteilichen Widersacher Ted Cruz "lyin'" (Lügner) und den von ihm gefeuerten FBI-Chef James Comey verpasster er gleich sieben Spottnamen, darunter "zwielichtig". 

Joe Biden steht vor blaume Hintergrund und neben einer US-Flagge und richtet sich mit der rechten Hand die Krawatte

Als Biden vor einigen Tagen seinen Präsidentschaftskandidatur-Anlauf bekannt gab, begrüßte ihn Trump per Twitter mit den Worten: "Willkommen zum Rennen, schlafmütziger Joe. Ich hoffe nur, dass du schlau genug bist, eine erfolgreiche Vorwahlkampagne durchzuziehen." Schon einige Tage vorher, als sich Bidens Kandidatur abzeichnete, schrieb der US-Präsident ein Duell Bidens mit dem "demokratischen Sozialisten" Bernie Sanders voraus. "Möge Gott ihrer Seele gnädig sein", schloss Trump pathetisch.

Pennsylvania nicht zufällig gewählt

Trump hat durchaus Gründe, Biden ernst zu nehmen. Denn er wildert genau in der Wählerschaft, die Trump zur Präsidentschaft verholfen hat: die arbeitende Mittelschicht, klassische Malocher wie Feuerwehrleute oder Menschen aus der Stahlindustrie. Nicht zufällig wählte Biden für seinen ersten Wahlkampfauftritt die frühere Industriestadt Pittsburgh, Pennsylvania. Den umkämpften Bundesstaat hatte Trump 2016 gewonnen und damit entscheidende Stimmen für die Präsidentschaft gesammelt. Das wird wohl auch wieder 2020 der Fall sein. "Wenn ich es schaffe, Donald Trump 2020 zu schlagen, dann wird es hier passieren", sagte Biden.

Der Amtsinhaber ist sich der Symbolik natürlich bewusst. "Der schlafmützige Joe hat seinen ersten Wahlkampfauftritt im großartigen Staat Pennsylvania gemacht. Er weiß anscheinend nicht, dass Pennsylvania gerade eine seiner besten Wirtschaftsjahre in der Geschichte erlebt. Mit der niedrigsten Arbeitslosenrate jemals und einer blühenden Stahlindustrie (die bereits tot war) & einer großartigen Zukunft." Warum der zweifellos vorhandene Wirtschaftsboom dort (und in anderen Ecken der USA) Biden nun von einem Auftritt in Pittsburgh abhalten sollte, verrät Donald Trump nicht.

Gewerkschaftsarbeiter zurückgewinnen

Biden hat den früheren Stahlstandort auch deswegen für seine Wahlkampfpremiere gewählt, weil er gewerkschaftlich organisierte Arbeiter lange Zeit eine zentrale Säule der Demokraten waren, die aber zu Trump und seinen Republikanern übergelaufen waren. Die Demokraten hoffen nun, diese Wähler wieder für sich zu gewinnen. Biden gilt als volksnah und genießt bei Arbeitern einen guten Ruf. Und trotz der guten Wirtschaftsdaten hat Trumps Wirtschaftspolitik zwei Wunden, in die Biden genüsslich Salz streute: So verurteilte Biden Trumps Steuersenkungen, die der US-Präsidenten als größte aller Zeiten preist (was nicht stimmt), weil er sie nur den Reichen und Großunternehmen nützten. Im Gegenzug warb er für eine Erhöhung des Mindestlohns von 15 Dollar pro Stunde sowie eine günstige Krankenversicherung. Allesamt Themen, mit denen die oppositionellen Demokraten sehr erfolgreich bei den Zwischenwahlen im November waren - und Trumps Republikaner verpennt hatten.

Trump gegen Biden

Quellen: "Real Clear Politics", DPA, Trump auf Twitter, WIkipedia