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Fragen & Antworten

Auslöser und Auswirkungen: Worüber die USA und China streiten – und wie Deutschland darunter leidet

Trump macht seine Drohung wahr: Er erhöht die Sonderzölle auf Einfuhren aus China. Worum geht's in dem Handelsstreit? Und welche Auswirkungen hat der Zwist auf die deutsche Wirtschaft? Der Überblick.

Ungeachtet der laufenden Handelsgespräche mit China haben die USA die Sonderzölle auf Einfuhren aus dem Reich der Mitte in der Nacht zum Freitag mehr als verdoppelt (lesen Sie hier mehr zu den Hintergründen). China kündigte unmittelbar danach "notwendige Gegenmaßnahmen" an. Trotz der Eskalation des seit Monaten andauernden Handelskrieges zwischen den zwei größten Volkswirtschaften wollen beide Seiten ihre zweitägigen Verhandlungen in Washington am Freitag fortsetzen.

Was ist passiert?

Kurz nach Mitternacht Ortszeit in Washington trat die Anhebung der Sonderabgaben auf Importe aus China im Wert von 200 Milliarden Dollar in Kraft. Die Zölle stiegen von bisher zehn auf 25 Prozent. Damit sind rund die Hälfte aller chinesischen Exporte in die USA betroffen.

Worum geht es in dem Handelsstreit?

Die USA werfen China unter anderem Diebstahl geistigen Eigentums vor und beklagen das hohe Handelsdefizit mit der Volksrepublik. Mit Blick auf ihr großes Handelsdefizit fordern die USA größeren Marktzugang in China, einen besseren Schutz von Urheberrechten und Geschäftsgeheimnissen oder auch mehr Bemühungen, um zwangsweisen Technologietransfer bei in China tätigen Unternehmen zu verhindern. 

Warum ist der Streit eskaliert?

Trump hatte China einen Bruch von Vereinbarungen vorgeworfen, die in den monatelangen Verhandlungen bereits getroffen worden waren. China habe Zusagen zurückgezogen und wolle nachverhandeln. Deswegen hatte sich Trump am Sonntag entschieden, ungeachtet der noch laufenden Gespräche die Zölle zu erhöhen. "Sie haben den Deal neu verhandelt", sagte Trump am Donnerstag. "Das kann man nicht tun." Die chinesische Seite habe ihre Versprechen gehalten, "und das hat sich niemals geändert", sagte der Sprecher des Handelsministeriums, Gao Feng, in Peking.

Ist Schlichtung in Sicht?

Schwer zu sagen. An diesem Freitag werden die Verhandlungen fortgesetzt. Aktuell scheint es, als sei China mehr an einem Kompromiss und der Schlichtung des Streits interessiert als die amerikanische Seite.

  • Trump versucht, ganz offensichtlich, China unter Druck zu setzen um seinen Willen durchzusetzen. Das zeigen nicht zuletzt die verdoppelten Sonderzölle. Aber schon bei einer Wahlkampfveranstaltung am Mittwochabend gab sich Trump stur, sagte, es gebe "keinen Druck" ein Abkommen zu schließen. Zuvor teilte er auf Twitter mit, Grund für Chinas "versuchte Neuverhandlung" sei Pekings Hoffnung, die Gespräche nach der US-Wahl im kommenden Jahr mit einem "schwachen" demokratischen Präsidenten führen zu können. "Das wird nicht passieren." 
  • China ist offenbar willens, eine gemeinsame Einigung zu finden. Der Sprecher des chinesischen Handelsministeriums äußerte die Hoffnung, "dass beide Seiten zusammenarbeiten und gemeinsam bestehende Probleme durch Kooperation und Konsultationen lösen". Chinas Staatsmedien warnten am Donnerstag, dass ein ausgewachsener Handelskrieg "nicht nur China allein schaden wird, sondern auch der amerikanischen Wirtschaft", wie die "China Daily" schrieb. "Die Kunst des Deals besteht darin, ihn zu Ende zu bringen, nicht darin, ihn platzen zu lassen", kommentierte das Blatt in einem indirekten Hinweis auf Trump, der sich gerne damit brüstet, gute Geschäftsabschlüsse erreichen zu können. 

Wie wird Deutschland unter dem Zwist leiden?

Die Eskalation verunsichert weltweit die Finanzmärkte und wird auch Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft haben. Besonders deutsche Autobauer wie BMW und Daimler, die von ihren Werken in den USA im großen Stil nach China liefern, wären von chinesischen "Gegenzöllen" betroffen. Da die gegenseitigen Sonderabgaben die chinesische Wirtschaft bremsen, wird auch die deutsche Exportindustrie leiden.

Der raue Wind zwischen den USA und China hatte die Anleger am Donnerstag in die Flucht getrieben. Die Sorge vor einem eskalierenden Handelskonflikt zog den Dax immer weiter nach unten, am Ende ging der deutsche Leitindex 1,69 Prozent tiefer bei 11.973,92 Punkten aus dem Handel. Nach einem kurzen Aufbäumen zur Wochenmitte steht er nun erstmals seit Mitte April wieder unter der Marke von 12.000 Punkten.

fs / DPA / AFP