VG-Wort Pixel

Gedenkakt in Berlin Große Würdigung für Afghanistan-Soldaten – doch der Umgang mit der Truppe löst Kritik aus

Bundeswehrsoldaten bei Kundus im Jahr 2011. Der Einsatz der deutschen Truppen in Afghanistan deuerte 20 Jahre und kostete 59 Männern das Leben.
Bundeswehrsoldaten bei Kundus im Jahr 2011. Der Einsatz der deutschen Truppen in Afghanistan deuerte 20 Jahre und kostete 59 Männern das Leben.
© Maurizio Gambarini / DPA
In Berlin werden Soldatinnen und Soldaten an diesem Mittwoch für ihren Dienst am Hindukusch gewürdigt. Doch allein schon der Umgang mit der heimkehrenden Truppe hatte Streit ausgelöst.

Der Einsatz deutscher Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan soll an diesem Mittwoch von der Berliner Politik gewürdigt werden. Geplant ist ein großer Gedenkakt, um den nach 20 Jahren abgeschlossenen Einsatz der Bundeswehr symbolisch abzuschließen. Dabei soll auch der 59 Männer gedacht werden, die dort starben. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) werden den Einsatz würdigen.

Allerdings gibt es um die Würdigung des Einsatzes seit Monaten Streit – nicht nur, weil sein Ergebnis nach der Machtübernahme der Taliban von vielen Kritikern als fragwürdig eingestuft wird, sondern auch, weil der Umgang mit den letzten Heimkehren viel Kopfschütteln hervorgerufen hatte.

Die letzte Maschine mit Bundeswehr-Soldaten aus Afghanistan landete still in Wunstorf

Als vor gut einem Vierteljahr der letzte Flieger aus Afghanistan im niedersächsischen Wunstorf landete, um die am Hindukusch verbliebenen deutsche Soldatinnen und Soldaten nach Hause zu bringen, waren weder Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) noch andere Politiker zur Stelle, um die Heimehrenden zu begrüßen. Daran gab es damals viel Kritik. Das Fehlen Kramp-Karrenbauers war als mangelnde Wertschätzung des Einsatzes kritisiert worden.

Auf den Abzug aller Nato-Kräfte aus Afghanistan war Ende August die Machtübernahme durch die militant-islamistischen Taliban gefolgt. "Ich bin der festen Überzeugung, dass die Bundeswehr auf ihren Einsatz in Afghanistan stolz sein kann", hatte das Verteidigungsministerium am Dienstag Kramp-Karrenbauer dennoch zitiert. "Alle Aufträge, die das Parlament gegeben hat, wurden erfüllt. Trotzdem geht es auch darum, Bilanz zu ziehen – offen und ehrlich."

Kritik an der Bundesregierung kam jetzt auch von der FDP. "Nicht die Soldatinnen und Soldatinnen haben das Afghanistan-Engagement scheitern lassen, sondern die Bundesregierung, die nicht in der Lage und Willens war, ihre gesteckten Ziele zu evaluieren und anzupassen", sagte die FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. "Die Aufgabe der Bundeswehr ist vergleichbar mit einem Anästhesisten während einer Operation. Er kann den Patienten lediglich eine Weile ruhig stellen", sagte Strack-Zimmermann. "In dieser Zeit muss der Chirurg, also die Politik ans Werk gehen. Macht sie das nicht, hilft auch die beste Anästhesie nicht. Der Patient wacht auf und ist immer noch nicht gerettet."

Die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl, bekräftigte ihre Forderung nach einer weiteren Aufarbeitung des Einsatzes. Eine Enquete-Kommission im Bundestag wäre hierfür ein guter Rahmen, sagte die SPD-Politikerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Nach Afghanistan kann es kein Weiter-so geben. Wir müssen intensiver über die Einsätze der Bundeswehr im Ausland diskutieren. Die Soldatinnen und Soldaten brauchen klare Vorgaben und realistische Ziele."

Großer Zapfenstreich am Abend in Berlin

Auftakt des Gedenkens ist am frühen Nachmittag eine Kranzniederlegung am Ehrenmal der Bundeswehr. Auf dem Paradeplatz des Verteidigungsministeriums wird es dann einen zentralen Abschlussappell geben, zu dem Bundespräsident und Kanzlerin erwartet werden. Am Abend soll der Einsatz auf dem Platz der Republik vor dem Reichstagsgebäude mit einem Großen Zapfenstreich gewürdigt werden.

Die Bundeswehr hatte ihren Einsatz – zuletzt als Teil der Nato-Ausbildungsmission "Resolute Support" – am 29. Juni beendet und das Feldlager in Masar-i-Scharif geräumt. Es folgte ein schneller Sieg der Taliban und eine militärische Evakuierungsmission ("Luftbrücke") für deutsche Staatsbürger und gefährdete Afghanen aus der Hauptstadt Kabul.

Quellen: dpa, "Tagesschau.de".

anb DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker