VG-Wort Pixel

Lernen vom griechischen Finanzminister Die Kunst des Sülzens


Viel schreiben, wenig Konkretes sagen: Yanis Varoufakis hatte mit seinem Brief an die Euro-Gruppe Verärgerung und Bewunderung ausgelöst. Sein Stil könnte uns im Alltagsleben helfen. Einige Vorschläge.
Von Kester Schlenz

Die griechische Regierung hat einen schriftlichen Vorschlag für die Verlängerung der finanziellen Unterstützung vorgelegt. Während die EU-Kommission den Brief aus Athen begrüßte, lehnte ihn Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble als unzureichend ab. Er sei "kein substanzieller Lösungsvorschlag". Das ist offenbar den Formulierungen von Finanzminister Yanis Varoufakis geschuldet. Für diese erntete er auch Bewunderung. Fünf Vorschläge, wie sich der Varoufakis-Sprech im Alltag nutzen lässt.

Anlass: Die Eltern wollen mal wieder besucht werden.

Sie sagen: "Ihr Lieben, ich unterstreiche meine Bereitschaft, mich auf eine Terminzusage am kommenden Wochenende zuzubewegen." Das heißt übersetzt: Mit mir könnt ihr an diesem Wochenende absolut nicht rechnen.

Anlass: Ein Umzug steht an. Sie sollen helfen.

Sie sagen: "Ich erkenne den Wunsch nach Hilfe bei deinem Umzug ausdrücklich an und werde Anstrengungen unternehmen, mich auf eine Freiräumung meines, leider sehr vollen Terminkalenders zu konzentrieren." Das heißt übersetzt: Schlepp deinen Scheiß selber.

Anlass: Jemand will sich von Ihnen Geld leihen.

Sie sagen: "Ich danke für das in mich gesetzte Vertrauen und werde nach der Umsetzung meiner Reformpläne in Bezug auf meinen eigenen Haushalt nach dessen erfolgter Konsolidierung im Jahre 2024 Anstrengungen unternehmen, deine Wünsche entsprechend zu prüfen." Das heißt übersetzt: Ich bin doch nicht so bescheuert und leihe dir Knalltüte Geld.

Anlass: Jemand will Ihr Auto leihen.

Sie sagen: "Ich bin und bleibe gesprächsbereit, kann aber die Auflagen, die mir die KFZ-Versicherung aufzwingt, leider nicht ignorieren und muss dieses Ansinnen trotz großer Fortschritte in unseren bilateralen Beziehungen in die Ausschüsse zur Prüfung geben, was dauern kann." Das heißt übersetzt: "Dir Penner leih ich meine Karre nie."

Ihr Chef bittet Sie, am Wochenende zu arbeiten.

Sie sagen: "In den vergangenen fünf Jahren habe ich in dieser Firma große Fortschritte gemacht. Zur Stabilisierung meiner Haushaltslage, also der Stimmung bei mir zuhause, wäre eine weitere Verschärfung der Arbeitsauflagen eine unzumutbare Härte, die meiner Familie nicht zuzumuten ist, obwohl ich meine Verpflichtungen, für das Wohl der Firma zu arbeiten, grundsätzlich anerkenne." Das heißt übersetzt: "Echt keinen Bock, Chef."


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker