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Zahlen, Daten, Fakten: Die Republik Türkei

Die Türkei ist eine parlamentarische Republik mit einem relativ starken Präsidenten. Sie gehört zu den wenigen Staaten der Welt, die auf zwei Kontinenten liegen.

Die Republik Türkei bildet nicht nur kulturell eine Schnittstelle zwischen Okzident und Orient. Sie gehört zu den wenigen Staaten der Welt, die auf zwei Kontinenten liegen: Drei Prozent gehören zu Europa, der Rest liegt in Asien. Auf dem insgesamt 780500 Quadratkilometer großen Staatsgebiet zwischen dem Mittelmeer und Schwarzen Meer leben etwa 69 Millionen Menschen, drei Viertel davon in Städten. Die größte ist nicht die Hauptstadt Ankara (3,2 Mio. Einwohner), sondern mit fast neun Millionen Einwohnern das am Bosporus gelegene Istanbul. Auch Izmir, Bursa und Adana sind Millionenstädte.

Zwei Volksgruppen, eine Religion

70 Prozent der Staatsbürger sind Türken, 20 Prozent Kurden. Die restlichen zehn Prozent bilden Araber, Tscherkessen, Georgier, Armenier, Griechen, Assyrer, Bosnier und Albaner. Etwa 99 Prozent bekennen sich zum Islam. Seit Mustafa Kemal, genannt Atatürk, 1923 die Türkische Republik ausrief, wandelte sich die Türkei in einen modernen, am Westen orientierten und laizistischen Staat. Der Islam wird vom Amt für Religiöse Angelegenheiten kontrolliert. Die Verfassung garantiert Glaubensfreiheit. Dennoch ist es zur Diskriminierung von Minderheiten gekommen. Noch heute irritiert viele, dass die Türken den von ihnen 1915 begangenen Völkermord an den christlichen Armeniern nicht anerkennen.

Politisches System

Die Türkei ist eine parlamentarische Republik mit 81 zentralistisch verwalteten Provinzen und einem relativ starken Präsidenten, der alle sieben Jahre für höchstens eine Amtszeit gewählt wird. Seit Mai 2000 hat diesen Posten Ahmet Necdet Sezer inne. Das Parlament, die Türkische Große Nationalversammlung, verfügt über 550 Sitze und wird alle fünf Jahre gewählt. Momentan prägen sieben Parteien das politische Bild: zwei konservative, eine moderat islamische, eine islamistische, zwei sozialdemokratische und eine Partei der kurdischen Minderheit. Regierungschef ist seit März 2003 Recep Tayyip Erdogan von der AKP, der islamischen Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung. Die Türkei ist seit 1952 Nato-Mitglied, das einzige mit überwiegend muslimischer Bevölkerung. 1987 stellte die Regierung in Ankara Antrag auf Vollmitgliedschaft in der EG.

Wirtschaft

Seit den achtziger Jahren arbeitet die Türkei an einer Liberalisierung ihrer Wirtschaft. Eine politische Krise führte 2001 zur schärfsten Rezession seit 1945. Das Pro-Kopf-Einkommen sank von 3200 US-Dollar auf 2160 US-Dollar. Die Inflation lag 2001 bei 68 Prozent. 2002 zeigten tiefgreifende Reformen im Bankwesen, der Sozialsysteme und der Landwirtschaft sowie eine strikte Ausgabenpolitik ihre Wirkung: Die Wirtschaft wuchs um 7,8 Prozent. Für 2004 erwartet die Türkei ein Wachstum von fünf und eine Inflation von zwölf Prozent. In wenigen Jahrzehnten hat die Türkei die Wende von einer Agrarökonomie zu einer Industriewirtschaft geschafft. Allerdings liegen die Textil-, Fahrzeug- und Chemiefabriken fast alle im Westen des Landes, während der Osten und Südosten weiterhin unterentwickelt ist. Zugleich boomt der Tourismus. Er beschert dem Land Deviseneinnahmen von knapp neun Milliarden Dollar pro Jahr und beschäftigt etwa 2,5 Millionen Menschen. Unter der Liberalisierungspolitik leidet vor allem die Mittelklasse, die Kluft zwischen Arm und Reich hat sich enorm vergrößert.

Stefanie Rosenkranz / print