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Zahlreiche Todesopfer in Jemen: Proteste und Stammeskämpfe in Sanaa

Jemens Hauptstadt Sanaa war am Wochenende wieder Schauplatz heftiger Kämpfe zwischen der Regierung von Präsident Saleh und hundertausend Protestierenden. Bei den Demonstrationen kamen es außerdem zu blutigen Auseinandersetzungen verfeindeter Stämme.

Sicherheitskräfte und Stammeskrieger haben am Wochenende in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa dutzende Menschen getötet. Nach Oppositions- und Krankenhausangaben starben insgesamt mindestens 27 Menschen. Auch zehn Monate nach dem Beginn der regierungskritischen Proteste gegen Staatschef Ali Abdallah Saleh versammelten sich wieder hunderttausende Menschen zu Kundgebungen auf Sanaas Straßen.

Schon am Samstag wurden bein gewaltsamen Einschreiten von Sicherheitskräften gegen eine Demonstration mindestens zwölf Regierungsgegner getötet, wie Ärzte mitteilten. Rund hundert weitere Demonstranten seien verletzt worden. Den Angaben zufolge setzten die Sicherheitskräfte Tränengas ein und schossen auf die Demonstranten, um den Protestmarsch hunderttausender Regierungskritiker durch das Zentrum von Sanaa zu verhindern.

In ein von den Regierungsgegnern eingerichtetes Lazarett auf dem Platz des Wandels, dem Zentrum der Proteste, wurden am Samstag drei Tote und zahlreiche Verletzte gebracht, wie ein Arzt sagte. Weitere Tote und Verletzte mit Schussverletzungen und Atemproblemen wurden in mehrere Krankenhäuser der Stadt eingeliefert. Nach Oppositionsangaben wurden nach dem Ende der Demonstration zudem dutzende Regierungsgegner festgenommen.

Kämpfe verfeindeter Stämme

Sanaa war am Samstag zudem Schauplatz heftiger Kämpfe zwischen verfeindeten Stammesmitgliedern. Kämpfer des mächtigen Hasched-Stammes wurden nach Angaben eines Stammesvertreters in der Nähe von El Hassaba von Kämpfern des Scheichs Saghir bin Asis angegriffen, der Präsident Saleh nahesteht. Dabei seien mindestens zehn Männer getötet worden. Die Kämpfer des Hasched-Stammes unter der Führung von Scheich Sadek el Ahmar unterstützen die Opposition.

Auch am Sonntag, als in Sanaa erneut hunderttausende Menschen gegen Saleh protestierten, gingen die Sicherheitskräfte wieder gewaltsam gegen die Demonstranten vor. Dabei wurden mindestens fünf Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt, wie Ärzte mitteilten. Bei den Toten handelte es sich demnach um drei Zivilisten und zwei desertierte jemenitische Soldaten.

Nach Angaben eines Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP schossen die Sicherheitskräfte von Hausdächern herab in die Menge. Hasched-Kämpfer, die den Protestzug begleiteten, erwiderten das Feuer, während die Menge fluchtartig den Schauplatz verließ. Die ersten Schüsse fielen, als sich die Kundgebung einer Straße näherte, die Sanaa derzeit in einen von Hasched-Anhängern und einen von Salehs Truppen kontrollierten Teil trennt.

Proteste seit Januar

Die Demonstrationen gegen den seit Jahrzehnten regierenden Präsidenten hatten Ende Januar begonnen. Bei der blutigen Niederschlagung der Proteste wurden nach Angaben der Opposition seither mehr als 860 Menschen getötet. "Wir werden weiter protestieren, auch wenn tausende unserer Jugendlichen getötet werden", sagte ein Sprecher der Regierungskritiker am Sonntag. Dies sei "der einzige Weg, um das Regime zu stürzen".

tmm/AFP/DPA / DPA