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Aufstand in Libyen, Bahrain und Jemen Arabische Welt rüstet sich für neue Demonstrationen


In der arabischen Welt brodelt es weiter. In Bahrain kontrolliert das Militär die Lage. In Libyen wurden Proteste blutig niedergeschlagen. In Ägypten wurden mehrere Ex-Minister verhaftet, und auch hier soll es nach den Freitagsgebeten zu neuen Demonstrationen kommen.

US-Außenministerin Hillary Clinton ist "tief besorgt" über die Lage im Golfstaat Bahrain. Die USA verurteilten Gewalt gegen Demonstranten und unterstützten demokratische Reformen, sagte sie in Washington. Sie habe das Vorgehen der Sicherheitskräfte auch in einem Telefongespräch mit ihrem Amtskollegen, Chalid al-Chalifa, kritisiert, sagte sie am Donnerstag.

Bei Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten in Bahrain kamen laut Augenzeugen und Oppositionellen fünf Menschen um Leben. Mehr als 220 Menschen wurden verletzt. In der Hauptstadt Manama zogen Panzer auf. Das Militär erklärte im Staatsfernsehen, die Streitkräfte hätten die Lage unter Kontrolle. Protestveranstaltungen wurden verboten. Bahrain ist aus strategischen Gründen für die USA wichtig: Das kleine Königreich ist ein enger Verbündeter der USA und Hauptquartier der fünften US-Flotte.

Ein Armeesprecher in Bahrain rechtfertigte im staatlichen Fernsehen den Einsatz von Soldaten in der Hauptstadt. Dies diene der Sicherheit der Bürger, sagte er. Scheich Ali Salman, der Vorsitzende der schiitischen Wifak-Gesellschaft, verurteilte im arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira das harte Durchgreifen der Sicherheitskräfte. Der Lulu-Platz sei geräumt worden, während die meisten Demonstranten schliefen. "So darf man nicht mit friedlichen Demonstranten umgehen", sagte Salman. Seine Organisation, die bei der Parlamentswahl im vergangenen Jahr 18 der insgesamt 40 Sitze errungen hatte, unterstützt die Demonstranten - sie verlangt Reformen und eine Regierung, die gewählt wird und nicht mit Günstlingen des Königs besetzt ist.

Tödliche Aufruhr in Libyen

In Libyen folgten landesweit tausende Regimegegner dem Aufruf der Opposition zum "Tag des Zorns". Bei Protesten gegen Staatschef Muammar al-Gaddafi starben nach unbestätigten Berichten binnen zwei Tagen Dutzende von Menschen. Allein in der Stadt Al-Baidha seien 35 Menschen ums Leben gekommen, berichtete die Oppositionszeitung "Libya al-Youm" am Donnerstagabend. Eine Bestätigung gab es zunächst nicht. Auf Amateurvideos, die von Demonstranten ins Netz gestellt wurden, waren mehrere Leichen junger Männer zu sehen. Andere Aufnahmen zeigten Hunderte Demonstranten, die in der Mittelmeerstadt Tobruk ein Denkmal für das von Gaddafi verfasste "Grüne Buch" niederrissen, in dem der Revolutionsführer einst sein politisches Programm formuliert hatte.

Zahlreiche Tote soll es auch in der Stadt Bengasi gegeben haben. Nach unbestätigten Berichten von Regimegegnern sollen in der Küstenstadt Derna Darna drei Menschen getötet worden sein. 15 Demonstranten seien verletzt worden, hieß es. Zuvor war von insgesamt 14 Toten bei den Protesten gegen den seit 1969 amtierenden Staatschef die Rede gewesen.

In Tripolis versammelten sich in der Nacht zum Freitag erneut hunderte Anhänger Gaddafis zu einer Kundgebung. Sie hielten Bilder des Machthabers und Transparente hoch mit der Aufschrift "Gaddafi Vater des Volkes" und "Die Menge unterstützt die Revolution und ihren Führer". Gaddafi, der das nordafrikanische Land seit 1969 regiert, wurde von der Menge euphorisch begrüßt, als er am Freitagmorgen zu einem kurzen Besuch auf dem Platz erschien. Das Staatsfernsehen zeigte Bilder von ähnlichen Kundgebungen in Benghasi, Sirte und weiteren Städten. Für Freitag wurde nach den Gebeten zu neuen Demonstrationen aufgerufen.

Unruhen auch in Algerien und Jemen

Die Regierung in Algerien versprach weitere Reformen und eine baldige Aufhebung des Ausnahmezustands. Unter dem Eindruck der politischen Umwälzungen in Tunesien und Ägypten hatte sich in den vergangenen Wochen auch in Algerien Widerstand gegen das herrschende System und die sozialen Missstände im Land formiert.

Im Jemen kam am Donnerstag bei neuen Protesten mindestens ein Mensch ums Leben. Zahlreiche Menschen seien verletzt worden, berichtete der US-Nachrichtensender CNN weiter. Rund 1500 Regimegegner hatten am Donnerstag im Zentrum der Hauptstadt Sanaa friedlich für den Rücktritt von Präsident Ali Abdullah Salih demonstriert, als sie von den Unterstützern des Regimes angegriffen wurden, berichteten Augenzeugen. Jemen ist eines der ärmsten Länder der arabischen Welt. Ein Drittel der Bevölkerung hungert, 40 Prozent leben von weniger als zwei Dollar pro Tag.

Ex-Minister verhaftet

Knapp eine Woche nach der Entmachtung von Präsident Husni Mubarak wurden in Ägypten mehrere ehemalige Minister festgenommen. Lokale Medien meldeten, der ehemalige Innenminister Habib al-Adli sowie die Ex-Minister für Wohnungsbau (Ahmed al-Maghrabi) und für Tourismus (Suhair Garana) säßen nun in Untersuchungshaft. Ihnen sowie dem ebenfalls festgenommenen Politiker und Stahlmagnaten Ahmed Ess werde die Veruntreuung öffentlicher Gelder vorgeworfen.

Die Demokratiebewegung rief für Freitag zu einer neuen Großkundgebung auf dem Tahrir-Platz in Kairo auf. Dabei soll der "Sieg" über Mubarak gefeiert werden. Bei den Demonstrationen zum Sturz Mubaraks kamen nach vorläufigen Regierungsangaben mindestens 365 Menschen ums Leben. Weitere 5500 Menschen seien während der 18-tägigen Proteste verletzt worden, teilte das Gesundheitsministerium laut Berichten staatlicher Medien mit. Seit einer Woche herrscht in Ägypten das Militär.

swd/DPA/Reuters/AFP DPA Reuters

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