"Kultursalon" der CDU Schlager war gestern


Unter bundesdeutschen Künstlern ist es Tradition, sich eher linksliberal zu geben - und die SPD zu stützen. Die Merkelsche CDU hat nun eine Charmeoffensive gestartet, um das zu ändern. Beim ersten "Kultursalon" der Partei im Bundestag tauchten am Mittwoch selbst SPD-nahe Stars auf.
Von Sebastian Christ

Sie bringen ihr eine rote Rose, singen ein Lied. Sogar das Wort "Schatzi" fällt. Die Show-Pianisten David & Götz legen sich richtig ins Zeug, als Angela Merkel die Bühne im Fraktionsbereich des Deutschen Bundestages betritt. Und was sagt die so Umworbene dazu? "Not bad". Ein wenig trocken, aber locker gekontert. Mehr Bond als Bundeskanzlerin.

Als Christdemokratin jedenfalls wird sie sich geschmeichelt gefühlt haben: Es passiert nicht oft, dass sich deutsche Künstler um die konservative Volkspartei bemühen. Insofern war der erste Kultursalon der CDU/CSU-Bundestagsfraktion am Mittwoch etwas Besonderes. Nach drei Jahren Merkel war es Zeit zu testen, ob die CDU nicht nur eine liberale Großstadtpartei, sondern auch eine große Intellektuellenpartei sein kann.

Nicht nur Dieter Thomas Heck

Manchmal klingen die Annäherungsversuche noch ein wenig leidensgeprägt. "Geben Sie als Künstler die manchmal berechtigte Angst, die Sorge, den Ekel vor der Politik auf". Die Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann ist mutig. Wohl noch nie hat eine Christdemokratin offener ausgesprochen, welches Feindbild viele ihrer Parteikollegen in den Köpfen der deutschen Kulturschaffenden vermuten. Die CDU haderte jahrzehntelang mit dem kulturellen Leben in der Bundesrepublik. Wenn sich ein Künstler politisch engagierte, dann meistens bei der SPD. Die Sozialdemokraten wissen Günter Grass, Ottfried Fischer, Dieter Hildebrandt, sogar Domian und die Super-Nanny auf ihrer Seite. Zu den Christdemokraten stehen in ewiger Treue: Dieter-Thomas Heck, Tony Marshall und einige versprengte Klassikkünstler.

Fast ein wenig verwunderlich, dass die Schlagerszene sträflich unrepräsentiert blieb. Dafür waren viele A-Promis zum vorsichtigen Unions-Beschnuppern gekommen: Mario Adorf, Nadja Uhl, Heinz-Rudolf Kunze, Elmar Wepper, Til Schweiger, Hannelore Elsner und sogar Senta Berger. Die hatte 2005 in München noch Wahlkampf für Gerhard Schröder gemacht. Jetzt richtete sie rührselige Dankesworte an die Adresse von Angela Merkels Kulturstaatsminister Bernd Neumann, der jährlich 60 Millionen Euro für die Filmförderung locker macht. "Ihre Fürsorge hat für die internationale Attraktivität des deutschen Films gesorgt. Das hat viel Hoffnung und innovative Ideen ausgelöst", so Berger. "Ich hoffe, dass Sie und wir noch viel Glück haben werden."

Mißfelders Misstöne

Eine türkische Musikgruppe spielte, auch eine junge Geigerin. Und immer wieder betonten Politiker aller Hierarchieebenen, dass Kunst Freiheit brauche. Ein Zeichen des guten Willens: Wir sind zwar konservativ, aber nicht engstirnig. Nur einer tanzte mal wieder aus der Reihe - Philipp Mißfelder. Ihm gelang es, sämtliche guten Ansätze des Tages mit einem simplen Ankündigungssatz in die Tonne zu treten. "Es ist zwar schön, wenn sich die Kulturpolitiker einig sind. Aber es ist auch schön, wenn die Haushaltspolitiker zustimmen", sagt er bei der Anmoderation eines Forums zum Thema Kulturpolitik. Alle Ängste der Intellektuellen übersehen, Feingefühl Fehlanzeige. So wird das nichts mit dem neuen Vertrauen zwischen Kunst und Christdemokratie.

Der doppelt so alte Volker Kauder ist da schon weiter. Er outete sich als Fan der Rockgruppe Queen und sagte: "Kunst und Kultur gehören zum Leben. Wer sie nicht fördert, vergisst einen entscheidenden Teil des Lebens."

Eine einsame Rose

Und auch Angela Merkel übte sich letztlich noch in Poesie: "Was wird den Menschen in 100 oder 200 Jahren einfallen, wenn sie auf unsere Zeit zurückblicken?", sagte sie am Podium. "Wurden die Künstler geachtet?" Ihre Rose hatte Merkel auf ihrem Platz in der ersten Reihe liegen lassen.


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